WHW - Gau 22 : Oberdonau - Konvolut von 12 Abzeichen verschiedener Sammlungen
Diese Sammlung von zwölf WHW-Abzeichen aus dem Gau 22 Oberdonau repräsentiert einen bedeutenden Aspekt der nationalsozialistischen Propagandamaschinerie während der Zeit des Dritten Reiches. Das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes (WHW) wurde im September 1933 als scheinbare Wohltätigkeitsorganisation gegründet, diente jedoch primär der ideologischen Mobilisierung und sozialen Kontrolle der Bevölkerung.
Der Gau Oberdonau entstand nach dem Anschluss Österreichs im März 1938 und umfasste hauptsächlich das Gebiet des heutigen Oberösterreich mit der Gauhauptstadt Linz. Als einer der 42 Gaue des Großdeutschen Reiches spielte Oberdonau eine wichtige Rolle in der nationalsozialistischen Verwaltungsstruktur. Der Gau wurde zunächst als Gau Oberdonau bezeichnet, wobei die Namensgebung die Lage an der oberen Donau reflektierte.
Das Winterhilfswerk organisierte jährlich von Oktober bis März Sammelaktionen, bei denen die Bevölkerung zum Spenden aufgefordert wurde. Im Gegenzug erhielten die Spender kleine Abzeichen oder Plaketten, die als sichtbarer Beweis ihrer “Volksgemeinschaft” und Spendenbereitschaft dienten. Diese Abzeichen wurden aus verschiedensten Materialien hergestellt: Metall, Holz, Glas, Porzellan, Pappe und andere Werkstoffe. Die Vielfalt der Materialien erklärt sich teilweise durch die zunehmende Rohstoffknappheit während der Kriegsjahre.
Jeder Gau produzierte eigene, regional geprägte Abzeichen, die lokale Besonderheiten, Trachten, Sehenswürdigkeiten oder historische Bezüge darstellten. Die Gauabzeichen waren besonders beliebt bei Sammlern und dienten der Förderung regionaler Identität innerhalb des nationalsozialistischen Systems. Für den Gau Oberdonau waren typische Motive die Donaulandschaft, lokale Trachten, historische Gebäude aus Linz und Umgebung sowie österreichische Volkskultursymbole.
Die Teilnahme am WHW war theoretisch freiwillig, faktisch jedoch bestand erheblicher sozialer Druck. Wer kein Abzeichen trug, machte sich verdächtig, nicht zur “Volksgemeinschaft” zu gehören. Die Sammlungen wurden straff organisiert und kontrollierten nahezu alle Lebensbereiche. Blockwarte notierten, wer spendete und wer nicht. Die gesammelten Gelder sollten angeblich bedürftigen “Volksgenossen” zugutekommen, wurden aber auch für Propagandazwecke und zur Finanzierung der NSDAP verwendet.
Die vorliegende Sammlung von zwölf Abzeichen verschiedener Serien zeigt die Vielfalt der WHW-Produktion. Die unterschiedlichen Materialien und die Tatsache, dass einige Stücke mit, andere ohne Nadel versehen sind, deutet auf verschiedene Produktionsjahre und -serien hin. Manche Abzeichen waren als Anstecknadeln konzipiert, andere als Aufnäher oder zum Anhängen gedacht.
Zwischen 1933 und 1945 wurden Millionen solcher Abzeichen produziert. Die Reichspropagandaleitung koordinierte die Gestaltung und Produktion, wobei jedes Jahr neue Themen und Serien aufgelegt wurden. Bekannte Serien umfassten Märchenfiguren, historische Persönlichkeiten, Berufsdarstellungen, Tiere, Wappen und eben die regionalspezifischen Gauabzeichen.
Aus heutiger Sicht sind diese Abzeichen wichtige zeitgeschichtliche Dokumente, die Einblick in die Alltagspropaganda des NS-Regimes geben. Sie zeigen, wie das Regime versuchte, durch scheinbar harmlose Sammelobjekte ideologische Botschaften zu verbreiten und die Bevölkerung in das System einzubinden. Für Sammler und Historiker sind besonders die regionalen Unterschiede und die künstlerische Gestaltung von Interesse.
Der Erhaltungszustand 2 deutet auf gut erhaltene Stücke mit leichten Gebrauchsspuren hin, was bei Objekten aus den 1938-1945 typisch ist. Viele Abzeichen wurden tatsächlich getragen, was zu natürlichen Abnutzungserscheinungen führte. Die Konvolutsammlung ermöglicht einen Überblick über verschiedene Produktionsjahre und Themenserien aus dem Gau Oberdonau.
Heute werden solche Sammlungen vor allem von Militaria-Sammlern und zeitgeschichtlich Interessierten bewahrt. Sie dienen der historischen Forschung und Dokumentation, wobei stets der propagandistische Kontext und die Instrumentalisierung der scheinbaren Wohltätigkeit für die nationalsozialistische Ideologie kritisch reflektiert werden muss.