Elastolin - Heer Soldat mit Gewehr zuschlagend " Kolbenschläger "

7,5 cm, Zustand 2.
407311
25,00

Elastolin - Heer Soldat mit Gewehr zuschlagend " Kolbenschläger "

Die Elastolin-Figur eines Heer-Soldaten mit zuschlagendem Gewehr, auch als “Kolbenschläger” bekannt, repräsentiert ein faszinierendes Stück deutscher Spielzeuggeschichte aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Diese Figur mit einer Höhe von 7,5 cm gehört zu den charakteristischen Masseprodukten der Firma Hausser in Ludwigsburg, die unter dem Markennamen Elastolin weltberühmt wurde.

Die Firma O. & M. Hausser wurde 1904 von den Brüdern Otto und Max Hausser gegründet und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten deutschen Spielzeughersteller. Der Markenname Elastolin entstand aus der Zusammensetzung der Materialbezeichnung: eine elastische Masse aus Kasein, Kaolin, Knochenmehl und verschiedenen Bindemitteln, die auf Drahtgestelle aufgebracht wurde. Diese innovative Materialmischung ermöglichte die Herstellung detaillierter, relativ robuster und kostengünstiger Figuren.

Die Darstellung des Kolbenschlägers zeigt einen Soldaten in charakteristischer Kampfhaltung, der sein Gewehr zum Schlag mit dem Kolben erhoben hat. Diese Pose war Teil des militärischen Nahkampftrainings und gehörte zum Ausbildungsrepertoire der Wehrmacht sowie bereits der Reichswehr vor 1935. Der Kolbenschlag mit dem Karabiner 98k oder anderen Infanteriegewehren war eine standardisierte Nahkampftechnik, die in den militärischen Ausbildungsvorschriften detailliert beschrieben wurde.

Elastolin produzierte ab den 1920er Jahren umfangreiche Serien von Militärfiguren, zunächst Soldaten der Reichswehr, später der Wehrmacht. Die Figuren im Maßstab 7,5 cm (auch als 70mm-Figuren bezeichnet) wurden ab etwa 1933/34 zum Standardformat des Unternehmens. Diese Größe bot einen optimalen Kompromiss zwischen Detailgenauigkeit, Stabilität und Wirtschaftlichkeit in der Produktion.

Die Uniformdarstellung dieser Figuren orientierte sich an den zeitgenössischen Vorschriften der deutschen Streitkräfte. Typischerweise zeigen diese Figuren Soldaten in der charakteristischen feldgrauen Uniform (Reichswehr-Grau bzw. später Feldgrau 44), mit Stahlhelm M35 oder M42, Koppel und standardisierter Ausrüstung. Die Bemalung erfolgte von Hand oder später teilweise durch Spritzverfahren, wobei erfahrene Malerinnen für die Detailarbeit zuständig waren.

In der Produktpalette von Elastolin fanden sich zahlreiche verschiedene Posen und Tätigkeiten: marschierende Soldaten, schießende Infanteristen, MG-Schützen, Offiziere, Trommelschläger und eben auch Nahkämpfer wie der Kolbenschläger. Diese Vielfalt ermöglichte es Kindern und Sammlern, komplette Szenarien nachzustellen.

Der historische Kontext dieser Figuren ist komplex: Militärspielzeug hatte in Deutschland eine lange Tradition, besonders in den Zentren der Spielzeugindustrie wie Nürnberg, Fürth und Ludwigsburg. Während der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945) wurden solche Figuren auch zur ideologischen Beeinflussung der Jugend eingesetzt, wobei militärische Tugenden und Wehrhaftigkeit propagiert wurden. Elastolin produzierte in dieser Zeit nicht nur Wehrmacht-Soldaten, sondern auch Figuren von SA, SS und HJ sowie politische Figuren des Regimes.

Die Produktion von Elastolin-Figuren wurde während des Zweiten Weltkriegs zunehmend eingeschränkt, da Rohstoffe knapp wurden und die Produktionskapazitäten für kriegswichtige Güter benötigt wurden. Nach 1945 wurde die Produktion unter amerikanischer Besatzung zunächst verboten, dann unter strengen Auflagen wieder aufgenommen, wobei militärische Figuren zunächst nicht hergestellt werden durften.

Die Zustandsbezeichnung 2 nach der gängigen Sammlerskala (1 = neuwertig bis 6 = schlecht) deutet auf eine gut erhaltene Figur mit geringen Gebrauchsspuren hin, was bei Elastolin-Figuren aufgrund ihres Alters und der Materialbeschaffenheit als sehr gut zu bewerten ist. Häufige Beschädigungen bei diesen Figuren sind abgeplatzte Farbe, Risse in der Masse oder verbogene Drahtgestelle.

Heute sind Elastolin-Figuren begehrte Sammlerobjekte, die historisch dokumentieren, wie militärische Themen in der Spielzeugkultur der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verarbeitet wurden. Sie sind Zeugnisse der Spielzeugindustrie, der Sozialgeschichte und der Militärgeschichte zugleich. Sammler schätzen besonders gut erhaltene, selten produzierte Varianten oder komplette Sets. Die Firma Hausser existierte bis 1983 und stellte nach dem Krieg auch Wildwest-, Indianer- und andere zivile Figurenserien her, bevor sie ihre Produktion einstellte.