Elastolin - Reichsarbeitsdienst RAD-Mann im Marsch mit Sense

7,5 cm, Sense abnehmbar, Zustand 2.
481811
180,00

Elastolin - Reichsarbeitsdienst RAD-Mann im Marsch mit Sense

Die vorliegende Elastolin-Figur eines Reichsarbeitsdienstmannes im Marsch mit Sense repräsentiert ein bedeutendes Sammlerstück aus der Zeit des Dritten Reiches und dokumentiert die Darstellung paramilitärischer Organisationen in der deutschen Spielzeug- und Sammlerfigurenproduktion der 1930er Jahre.

Der Reichsarbeitsdienst (RAD) wurde am 26. Juni 1935 durch das Reichsarbeitsdienstgesetz als staatliche Organisation etabliert, nachdem er aus dem 1931 gegründeten Freiwilligen Arbeitsdienst (FAD) hervorgegangen war. Unter der Leitung von Konstantin Hierl entwickelte sich der RAD zu einer obligatorischen Einrichtung für alle jungen Deutschen. Ab 1935 mussten alle Männer im Alter zwischen 18 und 25 Jahren einen sechsmonatigen Arbeitsdienst absolvieren, bevor sie zum Wehrdienst eingezogen werden konnten. Ab 1939 wurde diese Pflicht auch auf junge Frauen ausgedehnt.

Die charakteristische Ausstattung der RAD-Männer umfasste den geschulterten Spaten als symbolisches “Arbeitsgewehr” sowie praktische Arbeitsgeräte wie die hier dargestellte Sense. Die Uniform bestand aus braunen Hemden, dunklen Hosen und dem typischen RAD-Barett oder einer Schirmmütze. Der RAD war streng hierarchisch und nach militärischem Vorbild organisiert, obwohl er formal als zivile Organisation galt.

Die Firma Elastolin, mit vollständigem Namen O. & M. Hausser, war einer der führenden deutschen Hersteller von Massefiguren. Das 1904 in Ludwigsburg gegründete Unternehmen entwickelte um 1920 das Material “Elastolin”, eine Masse aus Kasein, Kreide, Glyzerin und anderen Bestandteilen, die um einen Drahtkern modelliert wurde. Diese Technik ermöglichte die Herstellung detaillierter und relativ stabiler Figuren in verschiedenen Größen, wobei die 7,5-cm-Größe der vorliegenden Figur dem gängigen Standardmaßstab für Hausser-Figuren entsprach.

In den 1930er Jahren produzierte Elastolin umfangreiche Serien von Figuren, die das zeitgenössische Deutschland darstellten. Neben Wehrmacht-Soldaten, SA- und SS-Formationen gehörten auch RAD-Figuren zum Produktsortiment. Diese Figuren dienten nicht nur als Spielzeug für Kinder, sondern auch als Sammlerobjekte und erfüllten propagandistische Funktionen durch die Normalisierung und Idealisierung der nationalsozialistischen Organisationen im Alltag.

Die Darstellung des RAD-Mannes “im Marsch” mit abnehmarer Sense zeigt die typische Bewegungspose, wie sie bei Aufmärschen und Paraden üblich war. Der RAD führte regelmäßig Aufmärsche durch, bei denen die Arbeitsmänner ihre Spaten wie Gewehre schultern mussten. Die Sense als landwirtschaftliches Gerät unterstreicht die Hauptaufgaben des RAD: Landgewinnung, Meliorationsarbeiten, landwirtschaftliche Hilfe und infrastrukturelle Bauprojekte.

Die Bewertung mit Zustand 2 nach der üblichen Sammlerskala (1 = neuwertig bis 6 = stark beschädigt) weist auf eine gut erhaltene Figur mit möglicherweise leichten Gebrauchsspuren, aber ohne wesentliche Beschädigungen hin. Die abnehmbare Sense ist ein typisches Merkmal der Elastolin-Produktion, die oft separate Ausrüstungsteile verwendete, um die Figuren variabler und spielfähiger zu gestalten.

Aus historischer Perspektive dokumentieren solche Figuren die Durchdringung der Gesellschaft mit nationalsozialistischer Symbolik und Organisation. Der RAD selbst war zwar offiziell für zivile Arbeitsprojekte zuständig, diente jedoch der vormilitärischen Erziehung und wurde während des Zweiten Weltkrieges zunehmend in kriegsnahe Aufgaben eingebunden, einschließlich des Baus von Befestigungsanlagen und ab 1944 sogar des direkten Kampfeinsatzes.

Heute sind Elastolin-Figuren gesuchte Sammlerobjekte, die sowohl spielzeughistorisch als auch zeitgeschichtlich von Bedeutung sind. Sie erlauben Einblicke in die Alltagskultur und Propaganda der NS-Zeit. Der Umgang mit solchen Objekten erfordert historische Kontextualisierung und ein Bewusstsein für ihre ursprüngliche Funktion als Mittel der Indoktrination, während sie gleichzeitig wertvolle Zeugnisse der Sozial- und Kulturgeschichte darstellen.