Elastolin - " Der Duce " Benito Mussolini marschierend
Elastolin-Figur "Der Duce" Benito Mussolini - Historischer Kontext und Sammlerwert
Die vorliegende Elastolin-Figur des italienischen Diktators Benito Mussolini in marschierender Haltung mit beweglichem Grußarm stellt ein faszinierendes Zeugnis der deutschen Spielzeugproduktion während der Zeit des Faschismus dar. Mit einer Höhe von 7,5 cm gehört sie zur Standard-Größe der Elastolin-Massefiguren, die von der Firma O. & M. Hausser in Ludwigsburg hergestellt wurden.
Die Firma Hausser und Elastolin
Die Gebrüder Otto und Max Hausser gründeten ihre Spielwarenfabrik im Jahr 1904 in Ludwigsburg, Württemberg. Der Markenname "Elastolin" wurde 1926 eingetragen und bezeichnete eine spezielle Masse aus Kasein, Kreide, Leim und anderen Zusätzen, die über Drahtgerüste modelliert wurde. Diese Technik ermöglichte die Herstellung detaillierter, relativ robuster Figuren, die im Gegensatz zu reinen Bleifiguren weniger gesundheitsschädlich waren.
In den 1930er Jahren entwickelte sich Hausser zu einem der führenden Hersteller militärischer Spielzeugfiguren in Deutschland. Das Sortiment umfasste nicht nur deutsche Wehrmacht-Soldaten, sondern auch Figuren ausländischer Armeen und politischer Führer der Zeit.
Benito Mussolini und der italienisch-deutsche Faschismus
Benito Mussolini (1883-1945) war von 1922 bis 1943 italienischer Ministerpräsident und Diktator. Er begründete den Faschismus als politische Ideologie und etablierte einen totalitären Staat in Italien. Seine charakteristische marschierenden Auftritte und der steife Grußarm wurden zum Symbol seiner Herrschaft.
Die Beziehung zwischen dem faschistischen Italien und dem nationalsozialistischen Deutschland intensivierte sich besonders nach 1936. Die Achse Rom-Berlin, proklamiert von Mussolini im Oktober 1936, bildete die Grundlage für die militärische und politische Allianz, die 1939 zum Stahlpakt führte. Diese politische Nähe spiegelte sich auch in der deutschen Spielzeugproduktion wider.
Propagandaspielzeug im Dritten Reich
Spielzeug diente im nationalsozialistischen Deutschland als Instrument der Indoktrination. Die Darstellung ausländischer faschistischer Führer wie Mussolini sollte bei Kindern Bewunderung für die Achsenmächte wecken. Diese Figuren wurden nicht nur als Spielzeug verkauft, sondern auch als Sammelobjekte für Erwachsene produziert.
Die bewegliche Konstruktion des Grußarms ist ein technisches Detail, das die Figur interaktiver machte und gleichzeitig die charakteristische Grußgeste Mussolinis nachbildete. Solche mechanischen Features waren typisch für hochwertigere Elastolin-Produkte dieser Periode.
Produktion und Zeitraum
Mussolini-Figuren von Elastolin wurden hauptsächlich zwischen 1933 und 1943 produziert, wobei die Hauptproduktionszeit in den späten 1930er Jahren lag. Nach Mussolinis Sturz 1943 und dem Kriegsende 1945 wurde die Produktion solcher Figuren eingestellt. Die Firma Hausser selbst erlitt während des Krieges erhebliche Schäden und stellte nach 1945 zunächst keine militärischen Figuren mehr her.
Erhaltungszustand und Sammlerwert
Der angegebene Zustand 2 entspricht in der Sammlerterminologie einem sehr guten bis guten Erhaltungszustand. Dies bedeutet, dass die Figur weitgehend vollständig ist, die Bemalung größtenteils erhalten blieb und nur geringfügige Gebrauchsspuren aufweist. Die Beweglichkeit des Grußarms ist ein wichtiges Merkmal, das bei vielen überlebenden Exemplaren durch jahrzehntelange Lagerung oder Spielgebrauch verloren ging.
Elastolin-Figuren aus dieser Periode sind heute begehrte Sammlerobjekte, wobei politische Führerfiguren besonders gesucht sind. Sie dokumentieren nicht nur die Spielzeugproduktion ihrer Zeit, sondern auch die politischen Verhältnisse und die Propagandamechanismen des Faschismus.
Historische Bedeutung und museale Relevanz
Solche Objekte besitzen heute vor allem dokumentarischen Wert. Sie illustrieren, wie totalitäre Regime versuchten, bereits Kinder durch Alltagsgegenstände ideologisch zu beeinflussen. In musealen Sammlungen dienen sie als Anschauungsmaterial für die Alltagskultur und Propagandapraxis der 1930er und 1940er Jahre.
Die Elastolin-Figuren sind auch technologiegeschichtlich relevant, da sie eine wichtige Entwicklungsstufe in der Spielzeugherstellung repräsentieren - den Übergang von reinen Metallgussfiguren zu Masse- und später Kunststofffiguren.
Sammlungsethik
Der Umgang mit derartigen Objekten erfordert historische Sensibilität. Sie sind Zeugnisse einer dunklen Epoche europäischer Geschichte und sollten im Kontext von Aufklärung und historischer Bildung betrachtet werden, nicht als Verherrlichung totalitärer Systeme.