III. Reich - Tschecheslowakei - Narodni Sourucenstvi ( NS ) - Mitgliedsausweis für einen Jungen des Jahrgangs 1913

ausgestellt am 15.4.1940; anbei eine Bescheinigung des Mannes zur Aufnahme vom 2.5.1939; gebrauchter Zustand.
Vlasti Zdar = Alles für das Vaterland
Národní souručenství ( NS ), deutsch etwa "Nationale Gemeinschaft", war während der Existenz des Protektorats Böhmen und Mähren auf dem Teilgebiet der ehemaligen Tschechoslowakei die einzige politische parteiähnliche Organisation. ( Tschechische NSDAP )
309811
75,00

III. Reich - Tschecheslowakei - Narodni Sourucenstvi ( NS ) - Mitgliedsausweis für einen Jungen des Jahrgangs 1913

Der vorliegende Mitgliedsausweis des Národní součenství (NS) aus dem Protektorat Böhmen und Mähren stellt ein bedeutendes zeitgeschichtliches Dokument der nationalsozialistischen Besatzungsherrschaft in der zerschlagenen Tschechoslowakei dar. Ausgestellt am 15. April 1940 für einen 1913 geborenen Mann, dokumentiert dieser Ausweis die Eingliederung der tschechischen Bevölkerung in das politische System des Protektorats.

Nach dem Münchner Abkommen vom September 1938 und der anschließenden vollständigen Zerschlagung der Tschechoslowakei im März 1939 errichtete das Deutsche Reich das Protektorat Böhmen und Mähren. Am 15. März 1939 marschierten deutsche Truppen in Prag ein, und Adolf Hitler proklamierte noch am selben Tag die Errichtung des Protektorats. Die tschechischen Gebiete wurden damit faktisch dem Deutschen Reich einverleibt, behielten jedoch eine nominelle Autonomie unter deutscher Oberhoheit.

Das Národní součenství, auf Deutsch etwa “Nationale Gemeinschaft”, wurde im März 1939 als einzige zugelassene politische Organisation für die tschechische Bevölkerung im Protektorat gegründet. Die Organisation entstand nach dem Vorbild der NSDAP und sollte als Instrument der Kontrolle und Gleichschaltung der tschechischen Gesellschaft dienen. Unter der Führung von Rudolf Beran, dem letzten Ministerpräsidenten der Zweiten Tschechoslowakischen Republik, und später unter Adolf Hrubý, fungierte das NS als Bindeglied zwischen der deutschen Besatzungsmacht und der tschechischen Bevölkerung.

Der Slogan “Vlasti Zdar” (Alles für das Vaterland) sollte eine patriotische Loyalität suggerieren, verschleierte jedoch die tatsächliche Unterwerfung unter die nationalsozialistische Herrschaft. Die Mitgliedschaft im Národní součenství war für viele Tschechen eine pragmatische Notwendigkeit, um in der Verwaltung, im öffentlichen Dienst oder in anderen Bereichen arbeiten zu können. Die Organisation umfasste zeitweise mehrere Millionen Mitglieder, wobei die Mitgliedschaft oft mehr aus Zwang als aus Überzeugung erfolgte.

Das Protektorat wurde von Konstantin von Neurath als erstem Reichsprotektor geleitet, dem ab September 1941 Reinhard Heydrich folgte. Unter Heydrichs brutaler Herrschaft verschärfte sich die Unterdrückung massiv. Nach Heydrichs Ermordung durch tschechische Widerstandskämpfer im Juni 1942 übernahm Kurt Daluege und später Wilhelm Frick das Amt. Die tschechische Marionettenregierung unter Emil Hácha als Staatspräsident besaß kaum reale Macht.

Der vorliegende Ausweis von 1940 stammt aus einer frühen Phase des Protektorats, als die deutsche Besatzungsmacht noch versuchte, durch scheinbare Autonomie und Einbindung der Tschechen eine ruhige Verwaltung zu gewährleisten. Die beigefügte Bescheinigung vom 2. Mai 1939 dokumentiert den Beitrittsprozess kurz nach der Gründung der Organisation. Der Inhaber, Jahrgang 1913, war zum Zeitpunkt der Ausstellung 27 Jahre alt und gehörte damit zur Generation, die sowohl die erste tschechoslowakische Republik als auch deren Untergang erlebt hatte.

Die Struktur des Národní součenství umfasste verschiedene Untergliederungen, darunter Jugendorganisationen, Berufsverbände und lokale Gruppen. Die Organisation versuchte, alle Aspekte des gesellschaftlichen Lebens zu durchdringen und kontrollierte Veranstaltungen, Versammlungen und öffentliche Äußerungen. Trotz der äußeren Loyalitätsbekundungen entwickelte sich im Protektorat ein aktiver Widerstand, der von der Exilregierung in London unter Edvard Beneš koordiniert wurde.

Nach der Befreiung der Tschechoslowakei 1945 wurde das Národní součenství aufgelöst, und viele seiner Funktionäre wurden vor Gericht gestellt. Die Mitgliedschaft in der Organisation wurde differenziert bewertet: Während führende Funktionäre als Kollaborateure bestraft wurden, wurde einfachen Mitgliedern, die aus beruflicher Notwendigkeit beigetreten waren, in der Regel keine schweren Vergehen zur Last gelegt.

Dokumente wie der vorliegende Mitgliedsausweis sind heute wichtige historische Quellen für die Erforschung des Protektorats Böhmen und Mähren. Sie dokumentieren die bürokratischen Mechanismen der Besatzungsherrschaft und das komplexe Verhältnis zwischen Anpassung, Überlebensnotwendigkeit und Kollaboration, mit dem die tschechische Bevölkerung während der nationalsozialistischen Herrschaft konfrontiert war.