III. Reich - Türplakette - " Mitglied der NS-Volkswohlfahrt Gau Bayerische Ostmark "

glasierte Porzellanplakette, 75 mm, mit 3 Bohrungen, hergestellt im Notstandsgebiet der bayrischen Ostmark 1, Zustand 2.
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160,00

III. Reich - Türplakette - " Mitglied der NS-Volkswohlfahrt Gau Bayerische Ostmark "

Die vorliegende glasierte Porzellanplakette mit den Maßen 75 mm und drei Bohrungen zur Befestigung an Türen repräsentiert ein bedeutendes Zeugnis der nationalsozialistischen Wohlfahrtsorganisation in der Bayerischen Ostmark. Diese Türplakette diente als sichtbares Kennzeichen der Mitgliedschaft in der NS-Volkswohlfahrt (NSV), einer der größten Massenorganisationen des Dritten Reiches.

Die NS-Volkswohlfahrt wurde am 3. Mai 1933 als eingetragener Verein gegründet und entwickelte sich rasch zur zentralen Wohlfahrtsorganisation des nationalsozialistischen Regimes. Unter der Leitung von Erich Hilgenfeldt wuchs die Organisation bis 1943 auf über 17 Millionen Mitglieder an und beschäftigte etwa 500.000 ehrenamtliche Helfer. Die NSV übernahm systematisch die Aufgaben traditioneller Wohlfahrtsverbände und integrierte diese in die nationalsozialistische Volksgemeinschaftsideologie.

Die Bezeichnung Gau Bayerische Ostmark verweist auf eine spezifische regionale Verwaltungseinheit der NSDAP. Dieser Gau entstand 1933 durch die Umbenennung des Gaues Niederbayern-Oberpfalz und umfasste Gebiete Niederbayerns und der Oberpfalz mit der Gauhauptstadt Bayreuth. Der Begriff “Ostmark” sollte die Grenzlage zum damaligen Tschechoslowakischen Staat betonen und wurde bewusst propagandistisch eingesetzt.

Die Herstellung dieser Plakette im Notstandsgebiet der Bayerischen Ostmark ist von besonderer historischer Bedeutung. Die Grenzregionen zu Böhmen litten seit den 1920er Jahren unter erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die Weltwirtschaftskrise verschärfte die Lage dramatisch, besonders in den traditionellen Industrien wie Porzellan-, Glas- und Textilindustrie. Die NS-Propaganda nutzte diese Notlage geschickt für ihre Zwecke und präsentierte die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen als Beweis für die Fürsorge des Regimes.

Die Porzellanherstellung hatte in dieser Region eine jahrhundertelange Tradition. Manufakturen in Selb, Weiden und anderen Städten der Oberpfalz waren weltweit bekannt. Die Produktion solcher Plaketten diente einem doppelten Zweck: Einerseits wurden Arbeitsplätze in notleidenden Gebieten geschaffen, andererseits entstanden propagandistisch wirksame Objekte, die den nationalsozialistischen Fürsorgegedanken visualisierten.

Die glasierte Porzellanausführung war typisch für offizielle NS-Organisationsabzeichen dieser Art. Das Material war witterungsbeständig und repräsentativ, während die drei Bohrungen eine dauerhafte Befestigung an Haustüren oder Eingangsbereichen ermöglichten. Solche Türplaketten waren im öffentlichen Raum sichtbare Bekenntnisse zur NS-Bewegung und erfüllten damit auch eine soziale Kontrollfunktion innerhalb der “Volksgemeinschaft”.

Die NSV organisierte zahlreiche Sammelaktionen und Hilfsprogramme, darunter das berüchtigte Winterhilfswerk (WHW), die Kinderlandverschickung und die Müttererholung. Mitglieder trugen durch monatliche Beiträge zur Finanzierung bei. Die Mitgliedschaft war formal freiwillig, doch sozialer Druck und berufliche Nachteile bei Nichtmitgliedschaft führten zu einem faktischen Zwang. Die sichtbare Anbringung einer Mitgliedsplakette demonstrierte die Konformität mit dem Regime.

Die Wohlfahrtsaktivitäten der NSV waren allerdings keineswegs universell oder humanitär. Sie folgten strikt der nationalsozialistischen Rassenideologie und unterstützten ausschließlich “Volksgenossen”, die den rassischen und politischen Kriterien des Regimes entsprachen. Juden, politisch Verfolgte und als “asozial” stigmatisierte Menschen waren systematisch von jeglicher Unterstützung ausgeschlossen.

Nach 1945 wurde die NSV als verbrecherische Organisation eingestuft und aufgelöst. Objekte wie diese Türplakette wurden zu historischen Zeugnissen einer Zeit, in der selbst Wohlfahrt und soziale Fürsorge in den Dienst einer menschenverachtenden Ideologie gestellt wurden. Heute dienen solche Artefakte in Museen und Sammlungen der historischen Aufklärung über die Durchdringung aller Lebensbereiche durch das NS-Regime.

Die Erhaltung in gutem Zustand zeeugt von der Qualität der Porzellanherstellung und möglicherweise auch davon, dass diese Plakette nach 1945 rasch entfernt und verwahrt wurde, als öffentliche NS-Symbole verboten wurden.