Luftwaffe - Originalunterschrift von Ritterkreuzträger Hauptmann Werner Baumbach
Die vorliegende Willrich-Postkarte mit der Originalsignatur von Hauptmann Werner Baumbach repräsentiert ein faszinierendes Zeugnis der deutschen Militärgeschichte während des Zweiten Weltkriegs und verbindet zwei bedeutende Aspekte der nationalsozialistischen Propagandamaschinerie: die künstlerische Heroisierung von Kriegshelden und die persönliche Verbindung zwischen Soldaten und der Heimatfront.
Wolfgang Willrich (1897-1948) war ein deutscher Maler und Grafiker, der sich auf die Porträtierung von Soldaten und Kriegshelden spezialisierte. Seine Postkartenserie mit Darstellungen von Ritterkreuzträgern wurde ab 1940 herausgegeben und erfreute sich großer Beliebtheit. Die Karten trugen fortlaufende Nummern, wobei die vorliegende Karte die Nummer N/0912 trägt. Willrichs Stil war geprägt von einer idealisierenden, heroischen Darstellung der Soldaten, die perfekt in das Propagandaschema des NS-Regimes passte.
Werner Baumbach (1916-1953) war einer der erfolgreichsten deutschen Kampffliegerpiloten des Zweiten Weltkriegs. Geboren am 27. Dezember 1916 in Cloppenburg, trat er 1936 in die neu formierte Luftwaffe ein. Seine militärische Karriere war außergewöhnlich: Er diente zunächst bei verschiedenen Kampfgeschwader-Einheiten und zeichnete sich besonders bei Angriffen auf Schiffsziele aus. Am 14. Juli 1941 erhielt Baumbach das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes, eine der höchsten militärischen Auszeichnungen des Deutschen Reiches. Seine späteren Erfolge führten zur Verleihung des Eichenlaubs (1942), der Schwerter (1943) und schließlich der Brillanten (1944) zum Ritterkreuz, womit er zu den wenigen Soldaten gehörte, die diese höchste Stufe erreichten.
Die Signatur mit Kopierstift auf der Karte ist charakteristisch für die Zeit. Kopierstifte, auch Tintenstifte genannt, waren weit verbreitet, da ihre Schrift bei Befeuchtung kopiert werden konnte. Sie wurden besonders im militärischen und administrativen Bereich verwendet. Die Signatur “Baumbach” in schöner, klarer Ausführung deutet darauf hin, dass der Pilot die Karte persönlich signierte, vermutlich auf Anfrage eines Bewunderers oder Sammlers. Solche signierten Karten wurden häufig von der Heimatfront erbeten und dienten als persönliche Verbindung zu den an der Front kämpfenden Helden.
Die Praxis des Sammelns von Autogrammen von Ritterkreuzträgern war während des Krieges weit verbreitet. Junge Menschen, insbesondere Mitglieder der Hitlerjugend und des Bundes Deutscher Mädel, sammelten begeistert Unterschriften und Fotografien von militärischen Helden. Diese Sammlungen dienten sowohl der persönlichen Erbauung als auch der propagandistischen Verstärkung des Heldenkultes. Die Willrich-Postkarten waren hierfür ideal geeignet, da sie bereits eine künstlerische Darstellung des jeweiligen Soldaten zeigten.
Nach dem Krieg setzte Baumbach seine fliegerische Laufbahn fort, arbeitete zunächst in Argentinien und entwickelte Flugzeugprojekte. Er kam 1953 bei einem mysteriösen Flugzeugabsturz ums Leben. Seine Kriegserinnerungen veröffentlichte er 1949 unter dem Titel “Zu spät?”, ein bedeutendes Zeitzeugnis über die deutsche Luftkriegsführung.
Die rückseitigen Klebereste auf der Karte deuten darauf hin, dass sie einst in einem Sammelalbum eingeklebt war, was die typische Aufbewahrungsmethode solcher Memorabilia darstellte. Der angegebene Zustand 2- entspricht einem guten bis sehr guten Erhaltungszustand mit nur geringen Gebrauchsspuren, was für ein über 80 Jahre altes Sammlerstück bemerkenswert ist.
Heute sind solche signierten Willrich-Postkarten gesuchte Sammlerobjekte der Militaria und zeitgeschichtlichen Dokumentation. Sie dienen als materielle Zeugnisse einer vergangenen Epoche und ermöglichen Historikern und Sammlern Einblicke in die Propaganda- und Erinnerungskultur des Dritten Reiches. Der dokumentarische Wert solcher Objekte liegt in ihrer Authentizität als Primärquellen der Zeitgeschichte.