Preußen Tschako Modell 1860 zur Parade für Mannschaften der Jäger-Bataillone Nr. 3,4 und 7-11 aus der Zeit der Einigungskriege 1864, 66 und 70/71

Hoher, schwarzer Lackleder-Tschako, komplett mit allen Beschlägen. Vorne der preußische Linienadler in einer sehr schönen Erhaltung. Leder-Kinnriemen seitlich an geschwärzten Eisenschrauben. Komplett mit dem preußischen Feldzeichen und dem Paradebusch aus schwarzem Büffelhaar mit Messing-Trichter. Innen mit gelaschtem Lederfutter, im Deckel handschriftlich der Name «Dombrow». Größe ca. 54. Zustand 2.

Sehr selten! Die Tschakos Modell 1860 waren noch lange im Gebrauch, wurden später teils gekürzt und/oder mit dem Knopf 91 versehen. Einige Stücke wurden auch an die Landwehr abgegeben. Im Original-Zustand haben sich nur wenige Stücke erhalten.
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Preußen Tschako Modell 1860 zur Parade für Mannschaften der Jäger-Bataillone Nr. 3,4 und 7-11 aus der Zeit der Einigungskriege 1864, 66 und 70/71

Der preußische Tschako Modell 1860 repräsentiert eine faszinierende Übergangsphase in der preußischen Militärgeschichte, die sich zwischen der Heeresreform der 1850er Jahre und der Reichsgründung 1871 erstreckte. Dieses markante Kopfstück wurde während der entscheidenden Einigungskriege getragen – dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864, dem Deutschen Krieg 1866 und dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 – und diente den Mannschaften der Jäger-Bataillone als Paradekopfbedeckung.

Die Einführung des Modells 1860 erfolgte im Rahmen umfassender Uniformreformen unter König Wilhelm I. und seinem Kriegsminister Albrecht von Roon. Die preußische Armee befand sich in einer Phase der Modernisierung, die nicht nur Bewaffnung und Taktik, sondern auch die Uniformierung betraf. Der Tschako – eine aus dem Ungarischen stammende Bezeichnung für diese charakteristische zylindrische Kopfbedeckung – hatte sich seit den napoleonischen Kriegen als Standard-Kopfbedeckung europäischer Armeen etabliert.

Das Modell 1860 zeichnete sich durch seine hohe Form aus schwarzem Lackleder aus, die sowohl repräsentativ als auch praktisch war. Das Lackleder bot Schutz vor Witterungseinflüssen und verlieh der Uniform den erforderlichen militärischen Glanz. Die Konstruktion bestand aus mehreren Lagen verstärkten Leders, die in Form gepresst und anschließend lackiert wurden. Diese aufwendige Herstellung machte den Tschako zu einem kostbaren Ausrüstungsgegenstand.

An der Vorderseite prangte der preußische Linienadler, ein messingenes Beschlagteil, das das Hoheitszeichen des Königreichs Preußen darstellte. Dieser Adler unterschied sich von den Emblemen anderer Truppengattungen und kennzeichnete den Träger eindeutig als Angehörigen der Linieninfanterie. Die seitlichen Beschläge, an denen der Kinnriemen aus Leder befestigt war, bestanden aus geschwärztem Eisen – ein Detail, das die Zugehörigkeit zu den Jäger-Bataillonen unterstrich, die sich durch ihre dunklere Ausstattung von der regulären Linieninfanterie abhoben.

Besonders charakteristisch für die Paradeversion war der Paradebusch aus schwarzem Büffelhaar mit Messingtrichter. Dieser aufwendige Federschmuck wurde nur zu besonderen Anlässen getragen und verlieh dem Träger eine imposante Erscheinung. Das preußische Feldzeichen – eine Kokarde in den schwarz-weißen Landesfarben – komplettierte die Ausstattung und symbolisierte die Treue zur preußischen Krone.

Die Jäger-Bataillone Nr. 3, 4 und 7-11 waren Elite-Einheiten der preußischen Armee, die sich aus besonders tauglichen und häufig besser gebildeten Soldaten rekrutierten. Diese Bataillone hatten ihre Ursprünge in den Freikorps der Befreiungskriege und galten als besonders bewegliche, für Plänklerdienst und leichte Infanterietaktik ausgebildete Truppen. Ihre Uniformierung unterschied sich in Details von der regulären Linieninfanterie, wobei dunklere Farbtöne und spezifische Beschlagformen ihre besondere Stellung unterstrichen.

Während der Einigungskriege spielten die Jäger-Bataillone eine wichtige Rolle. Im Deutsch-Dänischen Krieg 1864 kämpften sie in Schleswig-Holstein, im Deutschen Krieg 1866 gegen Österreich und seine Verbündeten, und im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 trugen sie entscheidend zum preußischen Sieg bei. Der Tschako war dabei primär Paradekopfbedeckung; im Feld trugen die Soldaten meist die praktischere Feldmütze oder später die Pickelhaube für Gefechtsituationen.

Die Innenausstattung des Tschakos war ebenso durchdacht wie das Äußere. Das gelaschte Lederfutter – eine Konstruktion aus vernähten Lederstreifen – sorgte für Stabilität und Tragekomfort. Handschriftliche Einträge im Deckel, wie sie häufig vorkamen, dienten der Kennzeichnung des persönlichen Eigentums und sind heute wertvolle Zeugnisse individueller Militärgeschichte.

Die Langlebigkeit des Modells 1860 ist bemerkenswert. Obwohl nach der Reichsgründung 1871 neue Modelle eingeführt wurden, blieben viele Tschakos im Dienst. Wirtschaftliche Erwägungen führten dazu, dass ältere Bestände weiterverwendet wurden, teilweise mit Modifikationen wie dem Knopf 91, der nach den Bekleidungsvorschriften von 1891 eingeführt wurde. Einige Stücke wurden auch gekürzt, um sie der veränderten Mode anzupassen, oder an die Landwehr – die Reserve-Einheiten der preußischen Armee – abgegeben.

Heute sind originale Tschakos Modell 1860 in unveränderten Zustand äußerst selten. Die meisten erhaltenen Exemplare wurden im Laufe ihrer Dienstzeit modifiziert oder weisen erhebliche Gebrauchsspuren auf. Stücke in gutem Erhaltungszustand mit vollständiger Ausstattung sind daher von besonderem historischen und sammlertechnischen Wert. Sie repräsentieren nicht nur die Militärgeschichte Preußens, sondern auch die Epoche der deutschen Einigung – jene transformative Periode, die zur Gründung des Deutschen Kaiserreichs führte und die politische Landkarte Europas nachhaltig veränderte.