Preußen komplette Kinderuniform für den Sohn eines Offiziers im 1. Leib-Husaren-Regiment Nr. 1 

Standort Danzig/Langfuhr. Das Ensemble für einen ca. 10 Jahre alten Jungen im "Mannschaftsdienstgrad" besteht aus originalen in „Kinder-Qualität“ um 1910 gefertigten Teilen, welche teilweise repariert und in zwei Fällen ergänzt wurden. 
Der Korpus der Pelzmütze besteht aus Hartkarton mit einem schwarzem Papierüberzug, außen ist die Pelzmütze mit schwarzen Fasern bezogen, die das Seehundfell der Pelzmütze imitieren. Vorne ist der vorschriftsmäßige Totenkopf angebracht, darüber das vorschriftsmäßige versilberte Bandeau mit der Devise „Mit Gott für König und Vaterland“ in der besonderen Form für die Leibhusaren. Vorschriftsmäßige gewölbte Schuppenketten an Rosetten, rechts die vorschriftsmäßige Reichskokarde. Die Lederunterlage und die Schließe der Schuppenkette wurden ergänzt. Die Fangschnur scheint eine Fertigung der Zeit zu sein, könnte aber auch ergänzt worden sein. Komplett mit einem originalen vorschriftsmäßigen Paradebusch, das Feldzeichen eine Neuanfertigung. Innen mit schwarz lackiertem Schweißband und rotem Tuchfutter, im Deckel eine Papiervignette des Herstellers. Größe ca. 50.
Attila aus feinem schwarzem Tuch mit weißen Schnüren, sowie versilberten Knebeln und Rosetten in „Kindergröße“, auf den Schultern die Schnüre für Mannschaften. Innen mit schwarzem Tuchfutter, am Kragen das Etikett des Herstellers „Arnold Müller, Berlin. …“.
Dolman / Mannschafts-Pelz vom gleichen Hersteller aus feinem schwarzem Tuch mit weißer Verschnürung, „frostig“ versilberten Rosetten und Knebeln und weiß-grauem Pelzbesatz. Innen mit hellgrauem Futter.
Paradebandolier als Fertigung für Kinder. Das Bandelier aus Leder, weiß lackiert, mit schwarzer Tuchunterlage. Der Kartuschkasten eine Extraanfertigung für Kinder, jedoch mit vorschriftsmäßigem Deckel mit aufgelegtem Gardestern.
Schärpe für Offiziere der Husaren. Silbergeflecht mit schwarzen Durchzügen, komplett mit dem Lederverschluss, die Seidenunterlage gelöst. Die Quasten wurden erneuert (!).
Schwarz lackierter Gürtel mit Säbeltasche. Die Säbeltasche selbst wurde ersetzt aus schwarz lackiertem Leder. Das Original war sicherlich aus Pappmaché gefertigt und im Laufe der letzten 120 Jahre kaputt gegangen. Die Auflage „♔FWR“ wurde dabei auf die neue Säbeltasche übernommen.
Die Kinder-Hose eine Fertigung der 1940er/50er Jahre aus schwarzem Stoff. Die Tressen nachträglich aufgenäht. Am Hosenboden die Naht aufgetrennt, um die Hose auf die Puppe ziehen zu können.
Schwarz lackierte Lederstiefel in der Größe 29/30. Fertigung um 1910, jedoch nachlackiert.
Komplett mit den weißen Offiziers-Handschuhen in Kindergröße sowie dem Löwenkopfsäbel für Kinder. Dieser mit anhängendem Wehrmachts-Portepee. Dazu ein Ständer zum dekorativen Aufstellen der Uniform.

Ein sehr schönes Ensemble, welches unseres Wissens einmalig auf den Markt ist!

Das Uniformensemble wurde um 1910 gefertigt. Wahrscheinlich für den Sohn eines wohlhabenden Offiziers im 1. Leib-Husaren-Regiment Nr. 1. In den Wirren der letzten Kriegstage gelangte das Ensemble von Ostpreußen in den Westen, wobei einzelne Teile wohl beschädigt wurden und in den 50 er Jahren ergänzt wurden. Neuanfertigungen sind die Hose und die Säbeltasche, Ergänzt wurden die Schärpe und teilweise die Pelzmütze, die Schuhe wurden neu lackiert.



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Eine vollständige Kinderuniform des 1. Leib-Husaren-Regiments Nr. 1 – Ein einzigartiges Zeugnis der militärischen Kultur des Kaiserreichs

Unter den Sammlungsstücken der wilhelminischen Ära nimmt dieses Ensemble eine außergewöhnliche Stellung ein: eine vollständige Kinderuniform im Stil des 1. Leib-Husaren-Regiments Nr. 1, gefertigt um 1910 in sogenannter „Kinder-Qualität“ für einen etwa zehnjährigen Jungen. Die Uniform wurde von verschiedenen Herstellern angefertigt, darunter Arnold Müller, Berlin, dessen Etikett sowohl in der Attila als auch im Dolman dokumentiert ist. Es handelt sich um eine maßgefertigte Privatanfertigung – ein Luxusobjekt, das die hochmilitarisierte Gesellschaft des Kaiserreichs widerspiegelt, in der rund 20 Millionen Deutsche irgendeine Form von Uniform trugen.

Das Regiment: Von den Schwarzen Husaren zu den Totenkopfhusaren

Das 1. Leib-Husaren-Regiment Nr. 1 wurde am 9. August 1741 von König Friedrich II. von Preußen gegründet und trug zunächst die Bezeichnung „Regiment schwartze Husaren“. Der berühmte Totenkopf – das Schädelsymbol, das auf Pelzmütze und Mützen getragen wurde – geht auf Friedrich II. zurück, der dieses Symbol im Jahr 1741 einführte. Das Regiment erhielt dadurch seinen volkstümlichen Namen „Totenkopfhusaren“.

Im Jahr 1808 wurde das Regiment geteilt, woraus das 1. und das 2. Leib-Husaren-Regiment hervorgingen. Am 7. Mai 1817 verlegte das 1. Regiment in die Garnison nach Danzig, und am 7. Mai 1861 erhielt es offiziell die Bezeichnung 1. Leib-Husaren-Regiment Nr. 1. Von dort aus – genauer aus dem Stadtteil Danzig-Langfuhr (heute Gdańsk-Wrzeszcz, Polen) – diente das Regiment in zahlreichen Feldzügen von den Schlesischen Kriegen bis zum Ersten Weltkrieg, darunter an der Marne, bei Arras, in Riga und in Finnland.

Unter den prominentesten Mitgliedern des Regiments befanden sich Kaiser Wilhelm II. als Regimentschef, Kronprinz Wilhelm, der am 15. September 1911 Regimentskommandeur wurde, sowie Generalfeldmarschall August von Mackensen, dem Wilhelm II. persönlich 1893 das Kommando übertrug und der später Brigadekommandeur beider Leib-Husaren-Regimenter war.

Das Ensemble im Detail

Das Uniformensemble umfasst sämtliche Bestandteile einer Husaren-Paradeuniform in Kindergröße: die Pelzmütze mit einem Korpus aus Hartkarton und schwarzem Papierüberzug, außen bezogen mit schwarzen Fasern, die das Seehundfell der regulären Pelzmütze imitieren. Vorne prangt der vorschriftsmäßige Totenkopf, darüber das versilberte Bandeau mit der Devise „Mit Gott für König und Vaterland“ in der besonderen gewölbten Form, die für die Leibhusaren charakteristisch war und Platz für den großen Totenkopf bot. Die Größe beträgt circa 50, und das Innere ist mit schwarz lackiertem Schweißband, rotem Tuchfutter und einer Papiervignette des Herstellers ausgestattet.

Die Attila aus feinem schwarzem Tuch mit weißen Schnüren sowie versilberten Knebeln und Rosetten in Kindergröße zeigt auf den Schultern die Schnüre für Mannschaften. Der dazugehörige Dolman (Mannschafts-Pelz) des gleichen Herstellers ist ebenfalls aus feinem schwarzem Tuch gefertigt, mit weißer Verschnürung, „frostig“ versilberten Rosetten und Knebeln sowie weiß-grauem Pelzbesatz.

Das Paradebandolier ist eine Sonderanfertigung für Kinder aus weiß lackiertem Leder mit schwarzer Tuchunterlage. Der Kartuschkasten trägt auf dem Deckel einen aufgelegten Gardestern (Stern des Schwarzen Adlerordens). Weiterhin gehören zum Ensemble ein schwarz lackierter Gürtel mit Säbeltasche – die Säbeltasche trägt das Monogramm „FWR“ (Friedrich Wilhelm Rex) –, eine Offiziers-Schärpe in Silbergeflecht mit schwarzen Durchzügen, schwarz lackierte Lederstiefel in Größe 29/30, weiße Offiziershandschuhe in Kindergröße sowie ein Löwenkopfsäbel für Kinder.

Bemerkenswert ist der hybride Charakter der Uniform: Während die Grunduniform (Attila, Dolman) den Mannschaftsdienstgrad repräsentiert, enthält das Ensemble zugleich typische Offiziersattribute wie Schärpe, weiße Handschuhe und Löwenkopfsäbel – eine Mischung, die den besonderen Status als Sohn eines Offiziers widerspiegelt.

Kultureller Kontext: Kinderuniformen im Kaiserreich

Solche Kinderuniformen waren keine Massenartikel, sondern individuell maßgefertigte Privatkommissionen, die von wohlhabenden Offiziersfamilien in Auftrag gegeben wurden. Sie wurden bei formellen Familienanlässen, Militärparaden, Fotografien und gesellschaftlichen Veranstaltungen getragen. Diese Praxis, Offizierssöhne in Miniaturuniformen zu kleiden, war im Kaiserreich um 1900 bis 1914 weit verbreitet und spiegelte die tiefe Durchdringung der Gesellschaft durch militärische Werte wider.

Überlebensgeschichte und spätere Ergänzungen

Das Ensemble wurde um 1910 während der Friedensgarnisonszeit des Regiments in Danzig-Langfuhr gefertigt, in den letzten Jahren vor dem Ersten Weltkrieg. Das Regiment kämpfte im Ersten Weltkrieg und wurde im Frühjahr 1919 in Danzig nach der Demobilisierung aufgelöst. Seine Traditionen wurden von der 1. Schwadron des 5. (Preußischen) Reiter-Regiments in Belgard während der Reichswehrzeit übernommen.

Dieses spezifische Uniformensemble überstand die Wirren der letzten Tage des Zweiten Weltkriegs, als es aus Ostpreußen in den Westen evakuiert wurde. Einzelne Teile wurden dabei beschädigt. In den 1950er Jahren erfolgten Reparaturen und Ergänzungen: Die Hose und die Säbeltasche wurden neu gefertigt, die Schärpe wurde ergänzt, Teile der Pelzmütze restauriert, und die Stiefel wurden neu lackiert. Trotz dieser Eingriffe bewahrt das Ensemble seinen außergewöhnlichen dokumentarischen Wert als seltenes überlebendes Beispiel kaiserlich-deutscher militärischer Kinderkleidung.

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