Säbel M 1913 für Offiziere der russischen Infanterie, mit aufgelegtem St. Georgs-Orden, verliehen für Tapferkeit .

Beidseitig dreifach gekehlte und vernickelte Klinge, geätzte Floralkartuschen mit Zarenchiffre "N II" und russischem Doppeladler. Auf der Fehlschärfe Herstellermarke "F. W. Höller Solingen". Vergoldetes Messingbügelgefäß mit floralem Dekor, Chiffre "N II". Auf der Parierstange beidseitige kyrillische Gravur "Für Tapferkeit" sowie Herstellerstempel "Slava Moskva". Auf dem Knauf aufgelegte emaillierte Miniatur des St. Georgs-Ordens, möglicherweise Exilfertigung. Mit passender, allerdings nicht vorschriftsmäßiger Scheide aus vernickeltem Stahl, partiell etwas verdellt. Länge 99 cm.

Preis auf Anfrage.
216811

Säbel M 1913 für Offiziere der russischen Infanterie, mit aufgelegtem St. Georgs-Orden, verliehen für Tapferkeit .

Der russische Infanterieoffizierssäbel Modell 1913 stellt einen bedeutenden Abschnitt in der Entwicklung der russischen Blankwaffengeschichte dar und markiert gleichzeitig das Ende einer Ära. Als einer der letzten offiziell eingeführten Säbeltypen des Kaiserreichs Russland vor dem Ersten Weltkrieg verkörpert er die militärische Tradition der Zarenzeit in ihrer spätesten Form.

Das Modell 1913 wurde im Zuge der Militärreformen unter Zar Nikolaus II. (regierte 1894-1917) eingeführt, dessen Chiffre “N II” charakteristisch auf den Klingen dieser Waffen erscheint. Die Einführung erfolgte in einer Zeit intensiver Modernisierung der russischen Streitkräfte nach den bitteren Erfahrungen des Russisch-Japanischen Krieges (1904-1905). Während Feuerwaffen zunehmend die Schlachtfelder dominierten, behielt der Offizierssäbel seine Bedeutung als Statussymbol und Zeichen militärischer Autorität.

Die Konstruktion des M 1913 folgte bewährten europäischen Standards. Die dreifach gekehlte Klinge war ein technisches Merkmal, das Stabilität mit reduziertem Gewicht verband. Die Kehlen (längliche Vertiefungen in der Klinge) verringerten das Gewicht, ohne die strukturelle Integrität zu beeinträchtigen. Die Vernicklung diente dem Korrosionsschutz und verlieh der Waffe ein repräsentatives Aussehen.

Besonders bemerkenswert ist die Herstellermarkierung “F. W. Höller Solingen”. Die Stadt Solingen im Rheinland war seit Jahrhunderten das Zentrum europäischer Klingenproduktion. Russland bezog traditionell hochwertige Klingen aus Solingen, die dann in russischen Werkstätten mit Gefäßen versehen wurden. Diese deutsch-russische Handelsbeziehung war bis zum Ersten Weltkrieg fest etabliert. Die Firma Höller war einer von mehreren Solinger Herstellern, die für verschiedene europäische Armeen produzierten.

Das Messingbügelgefäß mit seiner Vergoldung und dem floralen Dekor entspricht der typischen russischen Ästhetik der Periode. Das Bügelgefäß bot Handschutz und wurde seit dem späten 19. Jahrhundert zur Standardform bei russischen Offizierssäbeln. Die Zarenchiffre auf dem Gefäß unterstrich die Loyalität zum Monarchen und die Stellung des Offiziers als direkter Diener der Krone.

Von besonderer historischer Bedeutung ist die kyrillische Gravur “За Храбрость” (Za Chrabrost - Für Tapferkeit) auf der Parierstange. Diese Inschrift weist den Säbel als Ehrenwaffe aus. In der russischen Armee war die Verleihung von Waffen “Für Tapferkeit” eine bedeutende Auszeichnung, die persönlichen Mut im Gefecht würdigte. Solche Verleihungen waren streng reglementiert und wurden in den Dienstakten des Offiziers vermerkt.

Der Herstellerstempel “Slava Moskva” (Slava = Ruhm) deutet auf eine Moskauer Werkstatt hin, die möglicherweise die Montage und Fertigstellung vornahm. Moskau beherbergte mehrere bedeutende Waffenmanufakturen, die für die Armee produzierten.

Das außergewöhnlichste Merkmal dieses Säbels ist die emaillierte Miniatur des St. Georgs-Ordens auf dem Knauf. Der Kaiserliche Militärorden des Heiligen Georg war die höchste militärische Auszeichnung Russlands für Offiziere, gestiftet 1769 von Katharina der Großen. Der Orden war in vier Klassen unterteilt, wobei die vierte Klasse am häufigsten verliehen wurde. Die Aufbringung des Ordens auf eine Waffe war ungewöhnlich und könnte auf eine spätere Modifikation hinweisen, möglicherweise im Exil.

Nach der Oktoberrevolution 1917 und dem darauffolgenden Bürgerkrieg flohen Hunderttausende von Offizieren, Soldaten und Zivilisten aus Russland. Diese Weiße Emigration verteilte sich über Europa, Asien und Amerika. Emigrierte Offiziere bewahrten oft ihre Uniformen und Waffen als letzte materielle Verbindung zur verlorenen Heimat. In den Exilgemeinden, besonders in Paris, Berlin und Belgrad, entstanden Werkstätten, die militärische Insignien und Auszeichnungen für Veteranen anfertigten - teils als Ersatz für verlorene Originale, teils zur Pflege der militärischen Tradition.

Die erwähnte “Exilfertigung” der emaillierten Miniatur könnte auf diese Praxis hinweisen. Viele Emigranten ließen ihre Waffen mit zusätzlichen Verzierungen versehen, um ihre Auszeichnungen zu dokumentieren oder ihre Identität als zaristische Offiziere zu bekräftigen.

Die nicht vorschriftsmäßige Scheide ist ebenfalls typisch für die turbulente Geschichte solcher Objekte. Während der Revolution, des Bürgerkriegs und der Emigration gingen oft Originalscheiden verloren und wurden durch verfügbare Alternativen ersetzt.

Heute sind solche Säbel wichtige Zeugnisse einer untergegangenen Welt. Sie dokumentieren nicht nur die militärische Ausrüstung des zaristischen Russlands, sondern auch die persönlichen Geschichten von Tapferkeit, Verlust und Exil, die das 20. Jahrhundert prägten.