XI. Olympischen Spiele 1936 Berlin - offizielle Autoplakette für die Segelwettkämpfe in Kiel

farbig emailliert, 68 x 68 mm, Hersteller " M. Hansen, Kiel ", mit 4 Bohrungen zum Befestigen, auf schildförmiger Holzplakette, mit Wandhalterung, Zustand 2.
356611
200,00

XI. Olympischen Spiele 1936 Berlin - offizielle Autoplakette für die Segelwettkämpfe in Kiel

Die offizielle Autoplakette für die Segelwettkämpfe in Kiel bei den XI. Olympischen Spielen 1936 in Berlin stellt ein bemerkenswertes Zeugnis der deutschen Sportgeschichte und der aufwendigen Organisation dieser politisch bedeutsamen Olympiade dar. Diese farbig emaillierte Plakette mit den Maßen 68 x 68 mm wurde vom Hersteller M. Hansen aus Kiel gefertigt und diente als offizielles Erkennungszeichen für Fahrzeuge, die im Rahmen der olympischen Segelwettbewerbe zugelassen waren.

Die Olympischen Spiele 1936 fanden vom 1. bis 16. August in Berlin statt, wobei die Segelwettbewerbe vom 4. bis 12. August auf der Kieler Förde ausgetragen wurden. Dies war nicht ungewöhnlich, da Segelwettbewerbe aufgrund ihrer besonderen Anforderungen oft an separaten Austragungsorten stattfanden. Kiel bot mit seiner maritimen Tradition und den hervorragenden Segelbedingungen auf der Ostsee ideale Voraussetzungen für die Wettkämpfe.

Das NS-Regime nutzte die Olympischen Spiele als Propagandainstrument von beispiellosem Ausmaß. Unter der Leitung des Reichssportführers Hans von Tschammer und Osten und des Organisationskomitees unter Theodor Lewald wurden die Spiele zu einer gewaltigen Inszenierung deutscher Leistungsfähigkeit und vermeintlicher Überlegenheit. Jedes Detail wurde sorgfältig geplant, von der monumentalen Architektur des Reichssportfelds bis hin zu solchen scheinbar nebensächlichen Elementen wie Autoplaketten.

Die Autoplaketten erfüllten mehrere wichtige Funktionen: Sie dienten der Zugangskontrolle zu den Wettkampfstätten, der Identifizierung offizieller Fahrzeuge und symbolisierten die Teilhabe an diesem historischen Ereignis. Die Emaillearbeit, wie sie bei dieser Plakette zum Einsatz kam, war eine traditionelle Handwerkskunst, die besonders in Deutschland eine lange Tradition hatte. Die Firma M. Hansen in Kiel war offenbar als lokaler Hersteller ausgewählt worden, was der Verbindung der Segelwettbewerbe zu dieser Stadt Rechnung trug.

Die Segelwettbewerbe 1936 umfassten verschiedene Bootsklassen: die Olympia-Jolle, die Star-Klasse, die 6-Meter-Klasse und die 8-Meter-Klasse. Teilnehmer aus 26 Nationen wetteiferten um die Medaillen. Die deutsche Mannschaft erzielte dabei beachtliche Erfolge, was von der NS-Propaganda entsprechend ausgeschlachtet wurde. Die Organisation in Kiel war aufwendig, mit speziellen Unterkünften für Athleten, Funktionäre und Journalisten sowie umfangreichen Sicherheits- und Verkehrsregelungen.

Die vorliegende Plakette mit ihren vier Bohrungen zur Befestigung war vermutlich an der Karosserie eines Fahrzeugs angebracht, möglicherweise an einem offiziellen Wagen der Organisatoren, der Funktionäre oder der Presse. Solche Plaketten waren streng kontrolliert und wurden nur an berechtigte Personen ausgegeben. Nach den Spielen wurden viele dieser Plaketten als Erinnerungsstücke aufbewahrt, was erklärt, warum sie heute oft auf dekorativen Holzplaketten mit Wandhalterung montiert zu finden sind.

Die historische Einordnung dieser Objekte ist komplex. Einerseits sind sie Zeugnisse sportlicher Höchstleistungen und internationaler Begegnung, andererseits untrennbar verbunden mit der Propaganda des NS-Regimes. Die Olympischen Spiele 1936 fanden in einer Zeit statt, in der das Regime bereits die Nürnberger Gesetze erlassen hatte und die systematische Verfolgung von Juden, politischen Gegnern und anderen Minderheiten voranschritt. Für die Dauer der Spiele wurden antisemitische Schilder entfernt und die Propaganda vorübergehend gemäßigt, um das internationale Ansehen zu wahren.

Aus sammlungshistorischer Sicht sind solche Autoplaketten heute seltene Dokumente der Olympiageschichte. Sie wurden in limitierter Auflage hergestellt und viele gingen im Laufe der Jahrzehnte verloren. Der Erhaltungszustand ist bei Emaillearbeiten besonders wichtig, da das Material zwar grundsätzlich haltbar ist, aber empfindlich auf mechanische Einwirkungen reagiert. Die angegebene Zustandsbewertung “2” deutet auf einen sehr guten bis guten Erhaltungszustand hin.

Die Plakette repräsentiert damit ein vielschichtiges historisches Artefakt: ein Zeugnis deutscher Handwerkskunst, ein Dokument der Olympiageschichte, ein Symbol für die Instrumentalisierung des Sports durch das NS-Regime und ein Sammlerobjekt, das heute an ein komplexes und problematisches Kapitel der deutschen Geschichte erinnert.

r