III. Reich - Originalunterschrift von S.A. Obergruppenführer Prinz August Wilhelm von Preussen

auf Fotopostkarte, der Kronprinz in der Uniform als SA-Obergruppenführer, mit Tintensignatur ".. 1939 August Wilhelm Prinz v. Preußen S.A. Ogruf.", rückseitig mit eigenhändiger Widmung "Potsdam...". . Zustand 2+.
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250,00

III. Reich - Originalunterschrift von S.A. Obergruppenführer Prinz August Wilhelm von Preussen

Die vorliegende signierte Fotopostkarte aus dem Jahr 1939 zeigt Prinz August Wilhelm von Preußen in seiner Uniform als SA-Obergruppenführer und stellt ein bemerkenswertes Zeitdokument der Verbindungen zwischen dem preußischen Hochadel und der nationalsozialistischen Bewegung dar.

August Wilhelm von Preußen (1887-1949), genannt “Auwi”, war der vierte Sohn des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. und damit Mitglied des Hauses Hohenzollern. Nach dem Ende der Monarchie 1918 und der Abdankung seines Vaters entwickelte sich August Wilhelm zu einem der prominentesten Vertreter des Hochadels, die sich der NSDAP anschlossen. Bereits 1930 trat er der Partei bei (Mitgliedsnummer 24), was zu dieser Zeit noch vor der Machtergreifung lag und als bemerkenswert früh galt.

Seine Mitgliedschaft in der Sturmabteilung (SA) begann ebenfalls früh in der nationalsozialistischen Bewegung. Die SA, 1920 gegründet, fungierte zunächst als paramilitärische Kampforganisation der NSDAP. August Wilhelm stieg rasch in den Rängen auf und wurde 1933 zum SA-Gruppenführer ernannt. Die Ernennung zum SA-Obergruppenführer, dem zweithöchsten Rang innerhalb der SA-Hierarchie, erfolgte später und unterstreicht seine prominente Stellung innerhalb der Organisation.

Die Uniform des SA-Obergruppenführers war präzise durch Vorschriften geregelt. Sie bestand aus dem charakteristischen braunen Hemd der SA, ergänzt durch besondere Rangabzeichen. Der Obergruppenführer trug drei Eichenblätter am Kragenspiegel sowie entsprechende Schulterstücke mit Rangkennzeichnung. Die Uniform symbolisierte nicht nur den militärischen Rang, sondern auch die ideologische Verbundenheit mit dem Regime.

Das Jahr 1939, in dem diese Postkarte signiert wurde, markiert einen bedeutenden historischen Wendepunkt. Es war das Jahr des Beginns des Zweiten Weltkriegs mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September. Zu diesem Zeitpunkt hatte die SA bereits erheblich an politischer Bedeutung verloren. Nach der “Röhm-Affäre” oder dem “Röhm-Putsch” vom 30. Juni 1934, bei dem die SA-Führung unter Ernst Röhm liquidiert wurde, war die Organisation weitgehend entmachtet worden. Die SS unter Heinrich Himmler hatte die SA als wichtigste paramilitärische Organisation des Regimes abgelöst.

Dennoch behielt die SA eine zeremonielle und repräsentative Funktion. Hochrangige SA-Führer wie August Wilhelm dienten dem Regime als Aushängeschilder, besonders wenn sie aus aristokratischen Kreisen stammten. Der Prinz wurde für Propagandazwecke eingesetzt und vertrat das Regime bei verschiedenen offiziellen Anlässen. Seine Anwesenheit sollte der nationalsozialistischen Bewegung Legitimität und gesellschaftliche Akzeptanz verleihen.

Die Erwähnung von Potsdam in der rückseitigen Widmung ist ebenfalls von historischer Bedeutung. Potsdam, die frühere Residenzstadt der preußischen Könige und deutschen Kaiser, besaß hohe symbolische Bedeutung für die Hohenzollern. Der berühmte “Tag von Potsdam” am 21. März 1933 in der Potsdamer Garnisonkirche markierte die propagandistische Verbindung zwischen der alten preußischen Monarchie und dem neuen nationalsozialistischen Staat. August Wilhelm nahm an dieser Zeremonie teil und symbolisierte diese Kontinuitätsbehauptung.

Signierte Fotopostkarten waren in der Zeit des Dritten Reiches ein verbreitetes Medium zur Selbstdarstellung und Propaganda. Hochrangige Funktionäre, Militärs und Parteimitglieder ließen sich auf professionellen Porträts ablichten, die dann als Postkarten vervielfältigt wurden. Diese wurden signiert und an Anhänger, Sammler oder Bittsteller verteilt. Sie dienten der Personalisierung der Herrschaft und der Schaffung direkter Verbindungen zwischen Führungspersönlichkeiten und Bevölkerung.

Die Tintensignatur mit Datumsangabe, Rang und vollständigem Titel entspricht den üblichen Praktiken dieser Zeit. Die Authentizität solcher Signaturen wurde damals wie heute geschätzt, und sie erhöhen den dokumentarischen wie sammlerischen Wert erheblich.

Nach dem Kriegsende wurde August Wilhelm von Preußen verhaftet und in einem Entnazifizierungsverfahren als “Mitläufer” eingestuft. Er starb 1949 in Stuttgart. Seine Rolle als hochrangiger SA-Führer und seine enge Verbindung zum NS-Regime bleiben historisch dokumentiert und werden in der Geschichtsforschung zur Geschichte des deutschen Adels im Nationalsozialismus intensiv untersucht.

Solche signierten Dokumente sind heute wichtige historische Quellen für die Erforschung der gesellschaftlichen Strukturen des Dritten Reiches, der Verbindungen zwischen traditionellen Eliten und dem NS-Regime sowie der Propaganda- und Repräsentationspraktiken jener Zeit.