Kgl. Sächs. 13. Infanterie-Regiment Nr. IR 187 - Unseren Gefallen - Kamenz 1922

Meissen Böttgermedaille, Durchmesser 38 mm. 


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65,00

Kgl. Sächs. 8. Feld-Artillerie-Regiment Nr. 78 - Unseren Gefallen - Kamenz 1922

Die vorliegende Meissener Böttgermedaille des Königlich Sächsischen 8. Feld-Artillerie-Regiments Nr. 78 stellt ein bedeutendes Zeugnis der deutschen Militärgeschichte und Erinnerungskultur der Zwischenkriegszeit dar. Mit einem Durchmesser von 38 mm und der Aufschrift “Unseren Gefallenen - Kamenz 1922” repräsentiert sie die Gedenktraditionen sächsischer Militärverbände nach dem Ersten Weltkrieg.

Das 8. Feld-Artillerie-Regiment Nr. 78 war Teil der ruhmreichen sächsischen Militärtradition innerhalb des Deutschen Kaiserreiches. Die sächsische Armee, obwohl seit 1867 in die preußisch-deutsche Heeresstruktur integriert, bewahrte ihre eigenen Traditionen, Uniformen und Regimentsstrukturen. Das Regiment war während des Ersten Weltkrieges an verschiedenen Fronten eingesetzt und erlitt wie die meisten deutschen Truppenverbände erhebliche Verluste.

Die Verwendung von Böttgersteinzeug aus Meißen für diese Gedenkmedaille ist von besonderer kulturhistorischer Bedeutung. Johann Friedrich Böttger gelang zu Beginn des 18. Jahrhunderts die Erfindung des europäischen Hartporzellans in Meißen, was die Staatliche Porzellanmanufaktur Meißen zur ältesten Porzellanmanufaktur Europas machte. Das charakteristische rotbraune Böttgersteinzeug, das vor der eigentlichen Porzellanerfindung entwickelt wurde, blieb auch danach ein geschätztes Material für kunsthandwerkliche Objekte.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges 1918 und der Auflösung der kaiserlichen Armee entstand in Deutschland eine ausgeprägte Gefallenengedenkkultur. Veteranenvereinigungen, ehemalige Regimentsangehörige und Garnisonstädte errichteten Denkmäler, veranstalteten Gedenkfeiern und ließen Erinnerungsstücke anfertigen. Die vorliegende Medaille aus dem Jahr 1922 fügt sich in diese Tradition ein und zeigt, wie ehemalige Regimentsangehörige ihrer gefallenen Kameraden gedachten.

Kamenz, eine Stadt in der sächsischen Oberlausitz, spielte offenbar eine wichtige Rolle für das Regiment oder dessen Traditionsverband. Die Stadt war bekannt als Garnisonsstadt und pflegte enge Beziehungen zur sächsischen Armee. Die Datierung auf 1922 deutet darauf hin, dass vier Jahre nach Kriegsende eine formelle Gedenkveranstaltung oder Denkmalsweihe stattfand, bei der vermutlich diese Medaillen ausgegeben oder verkauft wurden.

Die Jahre nach 1918 waren für ehemalige Soldaten in Deutschland eine Zeit der Orientierungslosigkeit und des Verlustes. Die Niederlage, die Revolution und die Abschaffung der Monarchie hatten die alte Ordnung hinweggefegt. Veteranenverbände und Traditionsvereine boten einen Raum der Gemeinschaft und ermöglichten es, die Kriegserfahrungen zu verarbeiten und die gefallenen Kameraden zu ehren, ohne die politischen Umstände des Krieges zu bewerten.

Medaillen und Plaketten aus Meißener Porzellan oder Böttgersteinzeug waren in Sachsen eine etablierte Tradition. Die Manufaktur produzierte seit dem 19. Jahrhundert Gedenkmedaillen, Jubiläumsstücke und militärische Ehrenzeichen. Die Qualität und der kulturelle Wert Meißener Erzeugnisse verliehen solchen Gedenkstücken besondere Wertschätzung.

Die Formulierung “Unseren Gefallenen” war typisch für die Gedenkkultur der Zeit. Sie drückte Verbundenheit und Kameradschaft aus, ohne glorifizierende oder revanchistische Töne anzuschlagen. Diese Form der Erinnerung unterschied sich von späteren, politisch aufgeladenen Gedenkformen der NS-Zeit.

Das 8. Feld-Artillerie-Regiment Nr. 78 gehörte zur 14. Division des VII. Armee-Korps der sächsischen Armee. Während des Ersten Weltkrieges kämpfte das Regiment an der Westfront und später auch an anderen Kriegsschauplätzen. Die genauen Verluststatistiken sächsischer Regimenter zeigen das Ausmaß der Tragödie: Tausende junger Männer kehrten nicht in ihre Heimatstädte zurück.

Solche Gedenkmedaillen dienten mehreren Zwecken: Sie waren Erinnerungsstücke für Veteranen und Angehörige, sie finanzierten oft Denkmalprojekte, und sie stärkten den Zusammenhalt ehemaliger Regimentsangehöriger. Zugleich dokumentieren sie die lokale und regionale Erinnerungskultur der Weimarer Republik.

Heute sind diese Medaillen wichtige historische Quellen für die Erforschung der Erinnerungskultur nach dem Ersten Weltkrieg. Sie zeigen, wie unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen mit Verlust und Trauma umgingen und wie militärische Traditionen in der demokratischen Republik weitergepflegt wurden. Die Verbindung von militärischem Gedenken und hochwertigem sächsischem Kunsthandwerk macht diese Objekte zu bedeutenden kulturhistorischen Zeugnissen.

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