Österreich/K.u.K.-Monarchie 1. Weltkrieg Patronentasche für das Gewehr M 1908

Um 1918. Braunes Leder mit Metallbeschlägen, im Deckel Zettel eingeklebt "Lampert E. Rev.", darunter Kammerstempel M11a 1918 R. 13. SB WZ". Nähte teils geweitet bzw. gerissen, eine Lederzunge ersetzt. Zustand 2-.
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Österreich/K.u.K.-Monarchie 1. Weltkrieg Patronentasche für das Gewehr M 1908

Die Patronentasche für das Gewehr M 1908 stellt ein charakteristisches Ausrüstungsstück der k.u.k. Armee während des Ersten Weltkriegs dar. Dieses konkrete Exemplar aus dem Jahr 1918 dokumentiert die Standardausrüstung der österreichisch-ungarischen Infanterie in der Spätphase des Krieges und gibt Einblick in die industrielle Fertigung militärischer Ausrüstung unter den schwierigen Bedingungen der letzten Kriegsjahre.

Das Mannlicher M 1895/08, für welches diese Patronentasche konzipiert wurde, war eine Weiterentwicklung des bewährten Mannlicher M 1895. Die Modifikation von 1908 betraf hauptsächlich die Visiereinrichtung und kleinere technische Verbesserungen. Das Gewehr verschoss die 8×50mmR Patrone und wurde mittels Ladestreifen mit je fünf Patronen geladen. Die Soldaten trugen üblicherweise mehrere dieser Patronentaschen am Koppel, um ausreichend Munition für den Gefechtsfall bei sich zu führen.

Die Konstruktion der Patronentasche folgte den k.u.k. Militärvorschriften und war aus robustem braunem Leder gefertigt. Die Metallbeschläge dienten sowohl der Befestigung am Koppel als auch dem sicheren Verschluss des Deckels. Im Inneren bot die Tasche Platz für mehrere Ladestreifen, die so angeordnet waren, dass der Soldat schnell darauf zugreifen konnte. Die praktische Gestaltung ermöglichte es, die Munition auch unter Gefechtsbedingungen zügig zu entnehmen.

Der im Deckel eingeklebte Zettel mit der Aufschrift “Lampert E. Rev.” weist auf den Revisor oder die Kontrolle hin, während der Kammerstempel “M11a 1918 R. 13. SB WZ” wichtige Informationen über die Herstellung liefert. Solche Stempel waren im k.u.k. Militärwesen obligatorisch und dienten der Nachvollziehbarkeit der Produktion. Die Kennzeichnung “M11a” bezieht sich auf die Kammeramtliche Abteilung, “1918” gibt das Produktionsjahr an, während die weiteren Kürzel auf die spezifische Produktionsstätte und Kontrollinstanz hinweisen.

Das Jahr 1918 markiert das letzte und verzweifeltste Kriegsjahr der Donaumonarchie. Die industrielle Produktion stand unter enormem Druck, Rohstoffe wurden knapp, und die Qualität der Fertigung litt zunehmend unter den Kriegsbedingungen. Dies erklärt möglicherweise auch den Erhaltungszustand des vorliegenden Stücks mit geweiteten und gerissenen Nähten sowie einer ersetzten Lederzunge. Solche Reparaturen waren im Feld durchaus üblich, da Ersatz nicht immer zeitnah verfügbar war.

Die Lederverarbeitung für militärische Ausrüstung folgte in der k.u.k. Monarchie strengen Qualitätsstandards. Verschiedene Zulieferbetriebe in der gesamten Monarchie – von Wien über Prag bis Budapest – waren mit der Produktion beauftragt. Die braune Färbung des Leders war nicht nur ästhetisch, sondern auch praktisch, da sie Verschmutzungen weniger sichtbar machte und das Material widerstandsfähiger gegen Witterungseinflüsse war.

Im taktischen Einsatz war die Munitionsversorgung von entscheidender Bedeutung. Ein Infanterist der k.u.k. Armee trug üblicherweise 90 bis 100 Patronen bei sich, verteilt auf mehrere Patronentaschen. Bei Angriffen oder längeren Gefechten konnte dieser Vorrat schnell erschöpft sein, weshalb die Munitionsnachschublinien von größter Wichtigkeit waren. Die Patronentaschen mussten daher nicht nur funktional, sondern auch langlebig sein.

Der Zustand des Objekts – mit Gebrauchsspuren, Reparaturen und dem Stempel aus dem letzten Kriegsjahr – macht es zu einem authentischen Zeitzeugnis der materiellen Kultur des Ersten Weltkriegs. Solche Ausrüstungsgegenstände wurden nach Kriegsende oft entsorgt, umgearbeitet oder gingen verloren, weshalb erhaltene Exemplare heute von historischem Wert sind. Sie dokumentieren nicht nur die militärische Ausrüstung, sondern auch die industriellen Kapazitäten, Versorgungsprobleme und den Alltag der Soldaten an der Front.

Die k.u.k. Armee löste sich im Herbst 1918 mit dem Zusammenbruch der Monarchie auf. Die Ausrüstungsgegenstände wurden auf die Nachfolgestaaten verteilt oder von den Soldaten mit nach Hause genommen. Viele Stücke fanden in der Zwischenkriegszeit noch zivile oder militärische Verwendung in den neuen Staaten Österreich, Ungarn, Tschechoslowakei und Jugoslawien. Diese Patronentasche überlebte mehr als ein Jahrhundert und bewahrt die Erinnerung an eine untergegangene Epoche europäischer Geschichte.

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