Preußen Koller zur Parade und für den Galaanzug für einen Gefreiten im Regiment der Gardes du Corps
Sehr selten, seit Jahren erstmalig wieder bei uns im Angebot.
Der Koller der Gardes du Corps gehört zu den prächtigsten und historisch bedeutendsten Uniformstücken der preußischen Armee. Das hier beschriebene Exemplar aus der Zeit um 1910 repräsentiert die höchste Qualität preußischer Uniformfertigung und war Teil der Galauniform eines Gefreiten in diesem elitären Regiment.
Das Regiment der Gardes du Corps wurde 1740 von König Friedrich II. gegründet und galt bis zur Auflösung der preußischen Armee 1919 als eines der vornehmsten Kavallerieregimenter. Als Leibgarde des preußischen Königs und späteren deutschen Kaisers nahm es eine Sonderstellung ein. Die Angehörigen dieses Regiments wurden sorgfältig ausgewählt und mussten strenge körperliche Anforderungen erfüllen. Die französische Bezeichnung “Gardes du Corps” geht auf die Tradition zurück, die unter dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. begründet wurde und die enge Verbindung zum französischen Vorbild der königlichen Leibgarde demonstrierte.
Der weiße Koller war das charakteristische Erkennungszeichen der Gardes du Corps und unterschied sie von allen anderen preußischen Kavallerieregimentern. Das verwendete Kirsey (auch Kersey genannt) war ein hochwertiges, dichtes Wollgewebe englischer Herkunft, das sich durch seine Strapazierfähigkeit und seinen edlen Fall auszeichnete. Die weiße Farbe symbolisierte die besondere Reinheit und Vornehmheit des Regiments.
Die roten Kragen und Ärmelaufschläge sowie die charakteristischen Gardelitzen mit roten Durchzügen waren traditionelle Elemente preußischer Uniformierung. Die Gardelitzen, geflochtene Ziertressen, waren ein exklusives Kennzeichen der Garderegimenter und wurden in aufwendiger Handarbeit hergestellt. Die rot-weiß-rote Kollerborte, die an Kragen, Brustleisten und Ärmelaufschlägen angebracht war, bildete ein weiteres distinktives Element dieser Paradebekleidung.
Die Schulterklappen mit roten Vorstößen identifizierten den Träger als Angehörigen des Regiments der Gardes du Corps. Die vernickelten Knöpfe und besonders die Wappenknöpfe am Kragen kennzeichneten den Rang eines Gefreiten, des niedrigsten Unteroffiziersranges. Der Gefreite stand hierarchisch zwischen dem gemeinen Soldaten und dem Unteroffizier und hatte bereits gewisse Führungsaufgaben.
Ein bemerkenswertes Detail ist die Verbandspäckchentasche im Inneren des Kollers. Diese wurde durch die Heeres-Verordnung von 1907 eingeführt und war Teil der Modernisierungsbestrebungen der preußischen Armee im frühen 20. Jahrhundert. Jeder Soldat sollte damit im Gefecht über grundlegende Mittel zur Ersten Hilfe verfügen. Die Einführung dieser Tasche ermöglicht eine präzise Datierung des Stücks auf die Zeit nach 1907.
Die zwei Schlaufen auf der linken Brust dienten zur Befestigung von Orden und Ehrenzeichen. In der wilhelminischen Zeit war das Tragen von Auszeichnungen ein wichtiger Bestandteil der militärischen Kultur. Selbst ein Gefreiter konnte durch langjährigen Dienst oder besondere Leistungen Ehrenzeichen wie das Dienstauszeichnungskreuz oder regimentsinterne Auszeichnungen erhalten.
Die Tatsache, dass dieser Koller ungefüttert ist, mag zunächst überraschen, war aber bei Paradekollers durchaus üblich. Sie wurden über der regulären Uniform getragen und dienten ausschließlich repräsentativen Zwecken bei Paraden, Wachaufzügen und Galaempfängen. Die Kammerfertigung weist darauf hin, dass dieses Stück nicht von der Regimentsschneiderei, sondern von einem privaten, spezialisierten Uniformschneider angefertigt wurde, was auf höhere Qualität und möglicherweise auf eine wohlhabendere Herkunft des Trägers hindeutet.
Die diversen Beschriftungen im Inneren sind typisch für militärische Bekleidungsstücke dieser Epoche und könnten Angaben zum Träger, zur Kammer, zum Schneider oder zur Instandsetzung enthalten. Solche Markierungen sind für die historische Forschung von großem Wert, da sie oft Einblicke in die militärische Verwaltung und in individuelle Soldatenbiographien ermöglichen.
Der Koller wurde in der Zeit kurz vor dem Ersten Weltkrieg gefertigt, in einer Epoche, in der das deutsche Kaiserreich auf dem Höhepunkt seiner Macht stand und militärische Prachtentfaltung eine wichtige Rolle in der öffentlichen Repräsentation spielte. Die Gardes du Corps nahmen an allen wichtigen zeremoniellen Anlässen teil und bildeten bei Staatsbesuchen und kaiserlichen Auftritten eine imposante Kulisse.
Nach dem Ende der Monarchie 1918 und der Auflösung der alten Armee 1919 durch den Versailler Vertrag verloren diese Uniformstücke ihre militärische Funktion. Viele wurden von ehemaligen Soldaten als Erinnerungsstücke bewahrt, andere gelangten in Sammlungen. Die Seltenheit solcher Stücke auf dem Markt unterstreicht ihren historischen und musealen Wert als Zeugnisse einer untergegangenen militärischen und gesellschaftlichen Ordnung.