Preußen Reservisten-Trinkflasche eines Ehemaligen des 2. Westfälischen Husarenregiments Nr. 11, 1. Eskadron
Das Regiment war bis 1906 in Düsseldorf stationiert, dann in Crefeld.
Die hier beschriebene Reservisten-Trinkflasche eines ehemaligen Angehörigen des 2. Westfälischen Husaren-Regiments Nr. 11 aus der 1. Eskadron dokumentiert eindrucksvoll die militärische Erinnerungskultur des Kaiserreichs in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts. Solche Trinkflaschen waren keine offiziellen Ausrüstungsgegenstände, sondern persönliche Andenken, die Reservisten zum Abschluss ihrer aktiven Dienstzeit anfertigen ließen.
Das 2. Westfälische Husaren-Regiment Nr. 11 wurde am 1. Oktober 1866 in Düsseldorf aufgestellt und stand unter der Regimentsherrschaft des Königs von Preußen. Die Garnison befand sich bis 1906 in Düsseldorf, bevor das Regiment nach Crefeld (heute Krefeld) verlegt wurde. Die Regimentsfarben waren charakteristisch: dunkelblaue Attila mit gelben Schnüren und Verschlüssen, sowie eine rote Czapka (Tschapka). Diese Farben fanden sich in verschiedenen Erinnerungsstücken der Soldaten wieder, einschließlich der Tragekordeln an Trinkflaschen.
Der auf der Flasche vermerkte Reservist Brinker diente von 1896 bis 1899 in der 1. Eskadron. Diese dreijährige Dienstzeit entsprach der damals üblichen Wehrpflicht in der preußischen Kavallerie. Nach Ableistung der aktiven Dienstzeit wurden die Soldaten in die Reserve entlassen, wo sie weitere Jahre dienstpflichtig blieben. Die Überführung in den Reservistenstand war ein bedeutsames Ereignis, das häufig mit der Anfertigung persönlicher Erinnerungsstücke gefeiert wurde.
Reservisten-Andenken entwickelten sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem bedeutenden Phänomen der deutschen Militärkultur. Neben Trinkflaschen gehörten dazu auch bemalte Reservistenkrüge, geschnitzte Tabakspfeifen, Fotobücher und verschiedene andere Gegenstände. Diese Objekte erfüllten mehrere Funktionen: Sie dienten als persönliche Erinnerung an die Militärzeit, als Statussymbol in der zivilen Gesellschaft und als Ausdruck der Verbundenheit mit Kameraden und Regiment.
Die hier beschriebene Trinkflasche weist die typischen Merkmale dieser Objektgattung auf: einen Metallrahmen mit herzförmiger Scheibe, eine Glasflasche im Inneren und eine aufwendige Bemalung. Die herzförmige Gestaltung war besonders bei Kavallerieregimentern beliebt. Die Innenbemalung zeigt üblicherweise militärische Motive wie Reiterszenen, Regimentsabzeichen, Garnisonansichten oder patriotische Symbole. Häufig wurden auch Kameradschaftsszenen oder humorvolle Darstellungen des Soldatenlebens abgebildet.
Die Rückseite der Flasche war mit grünem Stoff bezogen, auf dem in Silberschrift die Dienstdaten und die Regimentszugehörigkeit aufgebracht waren. Die Farbwahl des Stoffbezugs korrespondierte häufig mit den Regimentsfarben oder hatte symbolische Bedeutung. Die Tragekordel in den Regimentsfarben vervollständigte das Ensemble und ermöglichte das Tragen der Flasche bei Reservistentreffen und anderen festlichen Anlässen.
Solche Trinkflaschen wurden von spezialisierten Handwerkern und Künstlern in den Garnisonsstädten hergestellt. In Düsseldorf, einer bedeutenden preußischen Garnisonsstadt am Rhein, existierte ein florierendes Gewerbe für militärische Andenken. Die Anfertigung erforderte verschiedene Fertigkeiten: Metallverarbeitung für den Rahmen, Glasmalerei für die Dekoration, Textilverarbeitung für den Stoffbezug und Gravur- oder Malereiarbeiten für die Beschriftung.
Die Qualität und Ausführung solcher Andenken variierte erheblich je nach finanziellen Möglichkeiten des Käufers. Die hier beschriebene Flasche mit ihrer aufwendigen Bemalung und dem kompletten Originalzubehör deutet auf eine gehobene Ausführung hin. Der Trinkbecherdeckel, der als praktisches Element zum eigentlichen Trinken diente, gehörte zur Standardausstattung solcher Flaschen.
Das Jahr 1899, in dem Reservist Brinker seinen Dienst beendete, fällt in die Regierungszeit Kaiser Wilhelms II., eine Epoche, die durch verstärkten Militarismus und Nationalismus geprägt war. Die Verehrung des Militärs durchdrang alle Gesellschaftsschichten, und der Reservistenstatus genoss hohes Ansehen. Veteranenvereine und Kriegervereine spielten eine wichtige Rolle im sozialen Leben, und die Reservisten-Andenken wurden bei Treffen dieser Organisationen stolz präsentiert.
Heute sind solche Reservisten-Trinkflaschen wertvolle historische Dokumente, die Einblicke in die Militärkultur, die Sozialgeschichte und die materielle Kultur des Kaiserreichs bieten. Sie dokumentieren nicht nur die formale Militärgeschichte einzelner Regimenter, sondern auch die persönlichen Erfahrungen und die emotionale Bindung der Soldaten an ihre Dienstzeit. Als Objekte der Alltagskultur ergänzen sie die offizielle Militärgeschichte um wichtige Perspektiven.
Die Erhaltung solcher Objekte ist aufgrund ihrer gemischten Materialien eine Herausforderung. Glas, Metall, Textilien und bemalte Oberflächen reagieren unterschiedlich auf Umwelteinflüsse. Die hier beschriebene Flasche mit ihrer gut erhaltenen Bemalung stellt ein erfreuliches Beispiel für den Überlebenserfolg eines über 120 Jahre alten Erinnerungsstücks dar.