Preußen 1. Weltkrieg Einzel Schulterklappe feldgrau für Mannschaften im Niedersächsischen Fußartillerie-Regiment Nr. 10
Die vorliegende feldgraue Einzelschulterklappe für Mannschaften repräsentiert ein authentisches Ausrüstungsstück des Niedersächsischen Fußartillerie-Regiments Nr. 10 aus dem Ersten Weltkrieg. Diese Einheit der preußischen Armee hatte ihren Heimatstandort in Straßburg im Elsass, einer strategisch bedeutenden Garnisonsstadt im damaligen Reichsland Elsaß-Lothringen.
Das Fußartillerie-Regiment Nr. 10 wurde als Teil der preußischen Heeresreform aufgestellt und gehörte zur schweren Artillerie der deutschen Streitkräfte. Fußartillerie unterschied sich von der feldartillerie durch ihre schwereren Geschütze und ihre primäre Aufgabe in der Belagerung und Festungskriegführung. Die Einheit war dem XXI. Armeekorps zugeordnet und spielte während des Ersten Weltkriegs an verschiedenen Frontabschnitten eine wichtige Rolle.
Die Schulterklappen dienten im deutschen Heer als wichtigstes Erkennungsmerkmal zur Identifikation der Truppenzugehörigkeit. Jedes Regiment hatte seine eigene spezifische Farbkombination und Nummerierung. Die feldgraue Ausführung wurde mit der Uniformreform von 1907/1910 eingeführt, als die deutsche Armee von den traditionellen bunten Friedensuniformen auf die praktischere, tarnende feldgraue Felduniform überging. Diese Reform war eine Reaktion auf die veränderte Kriegsführung und die zunehmende Bedeutung von Feuerwaffen mit größerer Reichweite.
Für Mannschaften, also Soldaten ohne Unteroffiziersrang, waren die Schulterklappen in der Regel aus Tuch gefertigt und trugen die Regimentsnummer. Im Gegensatz zu Offizieren und Unteroffizieren, deren Schulterklappen häufig Metalltressen oder Litzen aufwiesen, waren die Mannschaftsschulterklappen schlichter gehalten. Die Nummer “10” wurde typischerweise aufgestickt oder aufgenäht.
Der Heimatstandort Straßburg war nach 1871 eine der wichtigsten deutschen Garnisonstädte. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg und der Annexion Elsass-Lothringens baute das Deutsche Reich die Stadt zu einem bedeutenden militärischen Zentrum aus. Die Festung Straßburg und ihre Umgebung beherbergten mehrere Regimenter und militärische Einrichtungen. Die Stationierung von Artillerieeinheiten in Straßburg hatte sowohl symbolische als auch strategische Bedeutung, da die Stadt an der Grenze zu Frankreich lag.
Während des Ersten Weltkriegs (1914-1918) waren Fußartillerie-Regimenter intensiv im Einsatz. Sie waren verantwortlich für den Betrieb schwerer Geschütze, Belagerungsartillerie und Mörser. Im Stellungskrieg, der den größten Teil des Krieges an der Westfront prägte, spielte die schwere Artillerie eine entscheidende Rolle. Die Regimenter wurden häufig aufgeteilt und ihre Batterien verschiedenen Armeekorps oder Divisionen zur Verstärkung zugeteilt.
Die Materialknappheit im Verlauf des Krieges führte zu Veränderungen in der Qualität und Herstellung von Uniformteilen. Während frühe Kriegsjahre noch Schulterklappen von guter Qualität hervorbrachten, wurden später zunehmend Ersatzmaterialien verwendet. Die Kennzeichnung “Zustand 2” deutet auf ein Stück hin, das Gebrauchsspuren aufweist, aber noch gut erhalten ist.
Nach dem Krieg und dem Versailler Vertrag von 1919 wurde die deutsche Armee drastisch reduziert, und das alte Regimentssystem wurde aufgelöst. Straßburg fiel wieder an Frankreich, und die deutschen Garnisonen wurden aufgelöst. Viele Uniformteile und Ausrüstungsgegenstände wurden zu Erinnerungsstücken oder gelangten in Sammlungen.
Solche Schulterklappen sind heute wichtige militärhistorische Dokumente, die Einblick in die Organisation, Uniformierung und Geschichte der kaiserlichen Armee geben. Sie ermöglichen Forschern und Sammlern, die komplexe Struktur des deutschen Heeres im Ersten Weltkrieg nachzuvollziehen und die Schicksale einzelner Einheiten zu rekonstruieren.