Tapferkeitsauszeichnung für Ostvölker 1. Klasse in Gold
Die Tapferkeits- und Verdienstauszeichnung für Angehörige der Ostvölker repräsentiert eine der bemerkenswertesten pragmatischen Anpassungen der nationalsozialistischen Kriegsführung an die Realitäten des Ostfeldzugs. Nach dem deutschen Einmarsch in die Sowjetunion im Juni 1941 meldeten sich zahlreiche sowjetische Bürger und Kriegsgefangene der Roten Armee freiwillig zum Kampf an der Seite deutscher Streitkräfte gegen den Bolschewismus. Bis 1942 wurden diese Hilfswillige (Hiwis) und Ostfreiwilligen zunehmend in Kampfrollen eingesetzt. Die nationalsozialistische Rassenideologie klassifizierte jedoch die Völker des Ostens als minderwertig, wodurch sie für deutsche Auszeichnungen wie das Eiserne Kreuz nicht in Frage kamen.
Im Februar 1942 stellte das OKH klar, dass diesen Soldaten nur das Infanterie-Sturmabzeichen und das Verwundetenabzeichen verliehen werden konnten. Diese Situation führte zu Unmut sowohl bei den Ostfreiwilligen als auch bei den deutschen Offizieren, die mit ihnen dienten. Als Reaktion stiftete Adolf Hitler am 14. Juli 1942 diese separate Auszeichnung, um die Ostfreiwilligen zu würdigen, ohne gegen die Rassenideologie zu verstoßen. Die Auszeichnung wurde von Elmar Lang der Firma Gebrüder Godet & Co., Berlin entworfen, mit Beteiligung von Unterstaatssekretär Heinrich Doehle der Präsidialkanzlei und Modifikationen nach Hitlers Wünschen.
Die vorliegende Auszeichnung ist die 1. Klasse in Gold der Tapferkeitsauszeichnung, die als Steckkreuz (Ansteckabzeichen) am linken Brusttaschenbereich der Uniform getragen wurde. Die Auszeichnung existierte in zwei Hauptklassen mit jeweils zwei Varianten: Die I. Klasse als Steckkreuz in Gold oder Silber und die II. Klasse zur Trageweise am Band in Bronze, Silber oder Gold. Die Variante mit Schwertern (Tapferkeitsauszeichnung) wurde für Tapferkeit und Kampfhandlungen verliehen, während die Variante ohne Schwerter (Verdienstauszeichnung) für allgemeine Verdienste und Dienstleistungen vorgesehen war.
Die physische Gestaltung zeigt einen achtspitzigen Stern mit einem sechsarmigen, gegen den Uhrzeigersinn rotierenden Sonnenrad in Rosettenform im Zentrum. Bei der Tapferkeitsauszeichnung wurden zwei gekreuzte Schwerter in die Strahlen des Sterns eingefügt. Die Auszeichnung wurde aus vergoldetem Feinzink gefertigt und auf der Rückseite mit Nadel und Verschluss versehen. Wenn Herstellermarkierungen vorhanden waren, befanden sie sich typischerweise unter der Nadel, wie beispielsweise die Markierung “100” für Wächtler & Lange, Mittweida, den größten Hersteller. Weitere bedeutende Produzenten waren Juncker (Berlin), der die meisten Exemplare der 1. Klasse herstellte, sowie Gebrüder Godet & Co. (Berlin) und Friedrich Keller. Die ersten 500 Stücke trafen am 19. August 1942 bei der Präsidialkanzlei ein.
Zur Vergabe berechtigt waren Angehörige der Ostvölker – Personal aus ehemaligen Sowjetgebieten, die als Freiwillige oder Kollaborateure bei deutschen Streitkräften dienten: Kosaken, Turkvölker, Krimtataren, verschiedene eurasische Völker sowie Angehörige der Schutzmannschaft-Bataillone und Sicherungsverbände. Ab Mai 1943 waren auch Angehörige des SD und der Sicherheitspolizei berechtigt. Frauen waren ebenfalls zugelassen, wie das Beispiel von Marij Studenikowa zeigt, der ersten weiblichen Trägerin, die im Januar 1944 die 2. Klasse mit Schwertern für ihren Dienst als Krankenschwester bei der 1. Kosaken-Division erhielt.
Ab dem 29. Oktober 1942 konnten auch deutsche Soldaten die Auszeichnung als Erinnerungsabzeichen erhalten, wenn sie als Kader oder Führungspersonal in Ostvolk-Einheiten dienten. Deutsche benötigten dafür den Besitz des Eisernen Kreuzes: EK II für die Ostvolk 2. Klasse Silber und EK I für die Ostvolk 1. Klasse Silber. Ab Februar 1944 konnten Deutsche mit Kriegsverdienstkreuz die Version ohne Schwerter erhalten. Die 2. Klasse konnte bis zu dreimal verliehen werden, ein einzigartiges Merkmal dieser Auszeichnung. Die 1. Klasse erforderte normalerweise die vorherige Verleihung der 2. Klasse, obwohl beide in Ausnahmefällen gleichzeitig verliehen werden konnten.
Eine bemerkenswerte Besonderheit dieser Auszeichnung war das Fehlen des Hakenkreuzes – sie war einzigartig unter den Auszeichnungen des Dritten Reiches. Dies hatte bedeutende Konsequenzen für die Nachkriegszeit. Während das Tragen von Auszeichnungen aus der NS-Zeit 1945 verboten wurde, genehmigte die Bundesrepublik Deutschland 1957 das Tragen dieser Auszeichnung durch qualifizierte Veteranen. Im Gegensatz zu den meisten NS-Auszeichnungen war keine Modifikation erforderlich, da die Ostvolk-Medaille keine nationalsozialistischen Embleme enthielt. Nach deutschem Gesetz dürfen Orden mit NS-Emblemen nicht getragen, hergestellt, angeboten, verkauft oder anderweitig in Umlauf gebracht werden – diese Auszeichnung war jedoch aufgrund des Fehlens solcher Symbole ausgenommen.
Für die Träger hatte die Zusammenarbeit mit den Besatzungstruppen oft schwerwiegende Konsequenzen nach dem Krieg, insbesondere bei der Rückkehr in ihre Heimatländer unter sowjetischer Kontrolle. Das vorliegende Exemplar aus Feinzink im Zustand 3 dokumentiert diese komplexe historische Episode, in der ideologische Prinzipien und militärische Notwendigkeit aufeinandertrafen.