WHW - 1. Winterhilfswerk des Deutschen Volkes November 1933 " Wir helfen gegen Hunger u. Kälte "

Türplakette 75 mm, Eisenblech mit Zelluloid, Hersteller : Paulmann & Crone Lüdenscheid, Zustand 2-.
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60,00

WHW - 1. Winterhilfswerk des Deutschen Volkes November 1933 " Wir helfen gegen Hunger u. Kälte "

WHW-Türplakette des Winterhilfswerks des Deutschen Volkes, November 1933

Die vorliegende Türplakette aus Eisenblech mit Zelluloidoberfläche repräsentiert eines der frühesten Sammlerstücke des Winterhilfswerks des Deutschen Volkes (WHW), einer nationalsozialistischen Wohlfahrtsorganisation, die im September 1933 gegründet wurde. Mit einem Durchmesser von 75 mm und hergestellt von der renommierten Firma Paulmann & Crone aus Lüdenscheid, dokumentiert dieses Objekt den Beginn einer massiven Propagandakampagne, die bis 1945 andauern sollte.

Das Winterhilfswerk wurde offiziell am 13. September 1933 durch Reichspropagandaminister Joseph Goebbels ins Leben gerufen. Die Organisation sollte angeblich bedürftigen Deutschen während der Wintermonate helfen, diente jedoch primär als Instrument der nationalsozialistischen Propaganda und sozialen Kontrolle. Der Slogan “Wir helfen gegen Hunger und Kälte” auf dieser Plakette verkörpert die propagandistische Rhetorik der frühen NS-Zeit, die soziale Fürsorge mit Volksgemeinschaftsideologie verband.

Die Türplaketten des WHW hatten eine spezifische Funktion im gesellschaftlichen Gefüge des Dritten Reiches. Haushalte, die gespendet hatten, erhielten solche Plaketten zur Anbringung an ihrer Wohnungstür. Dies diente nicht nur als Quittung für die geleistete Spende, sondern auch als öffentlich sichtbares Zeichen der Teilnahme an der “Volksgemeinschaft”. Haushalte ohne Plakette waren sofort als Nicht-Spender erkennbar und setzten sich damit sozialem Druck und möglichen Repressalien aus. Die Teilnahme am WHW war formell freiwillig, faktisch jedoch obligatorisch.

Die Firma Paulmann & Crone in Lüdenscheid gehörte zu den führenden Herstellern von Abzeichen, Plaketten und metallenen Sammelobjekten während der NS-Zeit. Lüdenscheid hatte sich bereits seit dem 19. Jahrhundert als Zentrum der deutschen Metallwarenindustrie etabliert. Die Stadt beherbergte zahlreiche Betriebe, die während der NS-Zeit Propagandamaterial, Orden und Abzeichen fertigten. Die Kombination aus Eisenblech und Zelluloid war typisch für die damalige Produktionstechnik und ermöglichte eine kostengünstige Massenproduktion bei gleichzeitig attraktiver Optik.

Der November 1933 markiert die erste Sammelperiode des WHW. Die Organisation führte jährlich von September bis März intensive Spendenaktionen durch, wobei monatlich wechselnde Abzeichen, Plaketten und Sammelobjekte ausgegeben wurden. Die erste Winterhilfsaktion 1933/34 sollte das System etablieren und die Bevölkerung an die regelmäßigen “Opfer für die Volksgemeinschaft” gewöhnen. Die Einnahmen des WHW erreichten bereits im ersten Jahr beträchtliche Summen, wobei die tatsächliche Verwendung der Gelder oft intransparent blieb.

Die visuelle Gestaltung solcher frühen WHW-Plaketten folgte noch relativ schlichten Designprinzipien. Die Betonung lag auf der direkten Botschaft und der Erkennbarkeit als offizielles WHW-Produkt. In späteren Jahren wurden die Sammelobjekte zunehmend aufwendiger und thematisch vielfältiger gestaltet, umfassten historische Motive, regionale Trachten, Märchenfiguren und andere Themen, die heute bei Sammlern gesucht sind.

Aus historischer Perspektive dokumentieren WHW-Türplaketten wie diese die Durchdringung des Alltags durch nationalsozialistische Organisationen. Sie zeigen, wie das Regime soziale Kontrolle ausübte und gleichzeitig eine Fassade von Wohltätigkeit und Gemeinschaftssinn aufrechterhielt. Die öffentliche Sichtbarkeit der Plaketten an Wohnungstüren schuf ein System gegenseitiger Überwachung, bei dem Nachbarn die Teilnahme oder Nicht-Teilnahme ihrer Mitbewohner unmittelbar erkennen konnten.

Für Sammler und Historiker sind WHW-Objekte aus dem Jahr 1933 besonders interessant, da sie die Anfangsphase der nationalsozialistischen Herrschaft dokumentieren. Sie zeigen die schnelle Etablierung von Kontroll- und Propagandamechanismen bereits im ersten Jahr nach der Machtübernahme. Die Erhaltung solcher Objekte dient heute der historischen Forschung und Bildung, indem sie materielle Zeugnisse einer Epoche bewahrt, deren Mechanismen verstanden werden müssen, um Wiederholungen zu verhindern.

Die Bewahrung und wissenschaftliche Untersuchung solcher Objekte bleibt wichtig für das Verständnis der Alltagsgeschichte des Nationalsozialismus und der Funktionsweise totalitärer Systeme.