Wehrpaß für einen späteren Stabsgefreiten der Heeres-Flak Abt.299 (1.Panzerdivision)
Der vorliegende Wehrpass dokumentiert den militärischen Werdegang eines deutschen Soldaten, der während des Zweiten Weltkriegs in verschiedenen Einheiten der Wehrmacht diente und schließlich den Rang eines Stabsgefreiten in der Heeres-Flak-Abteilung 299 erreichte. Diese Einheit war der berühmten 1. Panzerdivision zugeordnet, einer der erfahrensten und kampfstärksten Divisionen der deutschen Wehrmacht.
Der Wehrpass, dessen Zweitschrift am 10. November 1944 in Lübeck ausgestellt wurde, ist ein zentrales Dokument der deutschen Militärverwaltung. Jeder Wehrpflichtige erhielt bei seiner Musterung einen solchen Pass, der alle wichtigen militärischen Daten enthielt: Einberufungen, Versetzungen, Beförderungen, Auszeichnungen und Kampfeinsätze. Die Zweitschrift deutet darauf hin, dass das Original verloren ging oder zerstört wurde, was angesichts der intensiven Kampfhandlungen gegen Kriegsende nicht ungewöhnlich war.
Die militärische Laufbahn begann am 8. Februar 1938 beim Artillerie-Regiment 56, noch vor Kriegsausbruch. Dies war die Zeit der massiven Aufrüstung der Wehrmacht nach der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht 1935. Die weitere Verwendung beim Artillerie-Regiment 66 und später bei verschiedenen Flak-Einheiten zeigt die typische Entwicklung eines Artilleristen, der sich auf die Flugabwehr spezialisierte.
Besonders bemerkenswert ist die Ausbildung an der 8,8-cm-Flak, der legendären “Acht-Acht”, die nicht nur als Flugabwehrgeschütz, sondern auch erfolgreich gegen Panzer eingesetzt wurde. Die zusätzliche Ausbildung an der 2-cm-Flak und Pak unterstreicht die Vielseitigkeit der Ausbildung. Diese leichte Flak diente zur Nahbereichsverteidigung gegen tieffliegende Flugzeuge und Bodenziele.
Die Heeres-Flak-Abteilung (mot) 299 war eine motorisierte Flak-Einheit des Heeres, die der 1. Panzerdivision organisch zugeordnet war. Im Gegensatz zu den Flak-Einheiten der Luftwaffe, die Hermann Görings Befehl unterstanden, waren Heeres-Flak-Abteilungen direkt den Heeresverbänden unterstellt und bewegten sich mit diesen. Die 1. Panzerdivision gehörte zu den Eliteverbänden der Wehrmacht und war an nahezu allen großen Operationen beteiligt.
Die dokumentierten Kampfeinsätze lesen sich wie eine Chronik des Zweiten Weltkriegs: Der Polenfeldzug 1939 war die erste Bewährungsprobe der neu aufgestellten Wehrmacht. Es folgten die Operationen in Belgien und Frankreich 1940, wo die deutsche Blitzkrieg-Taktik ihren größten Triumph feierte. Die “Sicherung Dänemark” bezieht sich auf die Besatzungsaufgaben nach der kampflosen Besetzung des Landes im April 1940.
Besonders erwähnenswert ist die Bekämpfung der Bandenbewegung in Griechenland. Nach der Eroberung Griechenlands 1941 entwickelte sich dort ein intensiver Partisanenkrieg. Die Wehrmacht musste erhebliche Kräfte zur Sicherung der Verbindungswege und zur Bekämpfung der Widerstandsbewegung einsetzen. Die späteren Abwehrschlachten in der Süd-Ukraine und Stellungskämpfe im Bereich der Heeresgruppe Nordukraine gehören zur Phase der sowjetischen Großoffensiven 1943-1944, die zur schrittweisen Zurückdrängung der Wehrmacht führten.
Das verliehene Kraftfahrer-Bewährungsabzeichen in Bronze, ausgestellt am 1. August 1944, war eine Auszeichnung für bewährte Kraftfahrer der Wehrmacht. Es wurde in drei Stufen (Bronze, Silber, Gold) verliehen und setzte eine bestimmte Anzahl unfallfreier Kilometer voraus. Das erhaltene Abzeichen und das beschädigte Dokument sind authentische Zeugnisse dieser Auszeichnung.
Die Erkennungsmarke 5.A.R.66 identifizierte den Träger als Angehörigen des 5. Bataillons des Artillerie-Regiments 66. Diese ovalen Aluminiummarken wurden in der Mitte perforiert getragen, sodass im Todesfall eine Hälfte beim Gefallenen verblieb und die andere zur Registrierung verwendet wurde.
Der Ärmelwinkel für Stabsgefreite war ein Rangabzeichen, das am rechten Oberarm getragen wurde. Der Stabsgefreite war der höchste Mannschaftsdienstgrad vor den Unteroffizieren und setzte besondere Bewährung voraus. Das Mützenabzeichen der 1. Panzerdivision in Aluminium zeigt die Zugehörigkeit zu diesem traditionsreichen Verband.
Die Begleitdokumente wie der FAD-Pass des Arbeitsgaues 7, Abteilung 7/78, verweisen auf die Dienstzeit beim Reichsarbeitsdienst (RAD), der vor dem Wehrdienst obligatorisch war. Der Werksausweis der Drägerwerke Lübeck von 1938 und der zivile Führerschein von 1936 dokumentieren das Leben vor und möglicherweise nach dem Militärdienst. Die Drägerwerke waren ein wichtiger Rüstungsbetrieb, der unter anderem Gasmasken und Atemschutzgeräte herstellte.
Diese Sammlung von Dokumenten und Objekten bietet einen seltenen, authentischen Einblick in das Leben eines deutschen Soldaten während des Zweiten Weltkriegs. Der stark gebrauchte Zustand der Stücke unterstreicht ihre Authentizität und die harten Bedingungen, unter denen sie über Jahre hinweg mitgeführt wurden. Sie sind wichtige historische Quellen für die Militärgeschichtsforschung und dokumentieren die Organisation, Ausbildung und Einsatzgeschichte der Wehrmacht.