Elastolin - Heer Handgranatenwerfer im Sprung

7,5 cm, rechter Arm beschädigt, Zustand 2-.
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15,00

Elastolin - Heer Handgranatenwerfer im Sprung

Die vorliegende Elastolin-Figur eines springenden Handgranatwerfers der deutschen Wehrmacht stellt ein faszinierendes Zeugnis der Spielzeugproduktion während der Zeit des Nationalsozialismus dar. Mit einer Höhe von 7,5 cm gehört sie zu den typischen Massefiguren, die die Firma O. & M. Hausser unter der Marke Elastolin von den 1930er bis in die 1940er Jahre produzierte.

Elastolin war ein revolutionäres Material, das die Gebrüder Otto und Max Hausser in ihrer Fabrik in Ludwigsburg entwickelten. Diese Masse bestand hauptsächlich aus Kasein, Kreide, Glycerin und Zellulosefasern, die um einen Drahtkern modelliert wurden. Im Gegensatz zu den traditionellen Bleisoldaten war Elastolin leichter, ungiftig und konnte deutlich detaillierter gestaltet werden. Die Figuren wurden nach dem Formen handbemalt, was jede zu einem individuellen Stück machte.

Die Darstellung eines Handgranatwerfers im Sprung spiegelt die militärische Realität der Wehrmacht wider. Handgranaten waren seit dem Ersten Weltkrieg eine Standardausrüstung der deutschen Infanterie. Die bekannteste deutsche Handgranate war die Stielhandgranate 24, umgangssprachlich auch als “Kartoffelstampfer” bekannt. Diese charakteristische Waffe mit ihrem hölzernen Stiel wurde von 1924 bis 1945 verwendet und war ein ikonisches Symbol der deutschen Streitkräfte.

Die dynamische Pose der Figur – ein Soldat im Sprung – verkörpert die Stosstrupp-Taktik, die im Ersten Weltkrieg entwickelt und in der Zwischenkriegszeit verfeinert wurde. Diese Kampfweise betonte Beweglichkeit, Initiative und aggressive Vorwärtsbewegung. Die Darstellung solcher Aktionsposen war typisch für Elastolin-Figuren und unterschied sie von den statischeren Bleisoldaten früherer Generationen.

Die Hausser-Firma begann 1904 mit der Produktion von Spielzeugfiguren und etablierte sich rasch als führender Hersteller in Deutschland. In den 1930er Jahren produzierte das Unternehmen ein umfangreiches Sortiment militärischer Figuren, das alle Waffengattungen der Wehrmacht umfasste. Diese Spielzeuge dienten nicht nur der Unterhaltung, sondern wurden auch zur vormilitärischen Erziehung der Jugend eingesetzt – ein Aspekt, der im nationalsozialistischen Deutschland besondere Bedeutung erhielt.

Die Produktion dieser Figuren erfolgte in einem komplexen Verfahren. Zunächst wurde ein Drahtgestell gebogen, das die Grundhaltung der Figur vorgab. Dann wurde die Elastolin-Masse um dieses Skelett modelliert. Nach dem Trocknen erfolgte die Bemalung in mehreren Schritten, wobei die Uniformdetails mit großer Sorgfalt wiedergegeben wurden. Die feldgraue Uniform der Wehrmacht, die charakteristischen Ausrüstungsgegenstände wie Stahlhelm, Koppel und Brotbeutel wurden dabei minutiös dargestellt.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Produktion von Spielzeugfiguren zunehmend eingeschränkt, da Rohstoffe und Arbeitskräfte für die Rüstungsproduktion benötigt wurden. Nach 1945 stand die Firma vor großen Herausforderungen. Die Alliierten verboten zunächst die Produktion militärischer Spielzeuge, und die Firma musste sich auf zivile Figuren und andere Produkte umorientieren.

Der Zustand dieser Figur – mit einer beschädigten rechten Hand – ist typisch für Gebrauchsspuren bei Spielzeugfiguren aus dieser Ära. Das Elastolin-Material war zwar robust, aber nicht unzerstörbar. Besonders exponierte Teile wie ausgestreckte Arme oder Waffendetails waren anfällig für Beschädigungen. Dennoch hat die Figur über mehr als acht Jahrzehnte überdauert.

Heute sind Elastolin-Figuren begehrte Sammlerobjekte. Sie dokumentieren nicht nur die Geschichte der Spielzeugherstellung, sondern auch die militärhistorischen und gesellschaftlichen Verhältnisse ihrer Entstehungszeit. Sammler schätzen besonders die detaillierte Ausführung und die handwerkliche Qualität dieser Figuren. Der Erhaltungszustand spielt dabei eine wichtige Rolle für den Sammlerwert, wobei auch Figuren mit kleineren Beschädigungen durchaus gesucht sind, da sie die authentische Nutzungsgeschichte widerspiegeln.

Die wissenschaftliche Betrachtung solcher Objekte erfordert eine kritische Auseinandersetzung mit ihrer historischen Einordnung. Sie sind Zeugnisse einer Zeit, in der militärisches Spielzeug zur Normalität der Kindheit gehörte und gezielt zur ideologischen Beeinflussung eingesetzt wurde. Gleichzeitig dokumentieren sie die hohe handwerkliche Kunstfertigkeit deutscher Spielzeughersteller und die Entwicklung neuer Materialien und Produktionsmethoden.