III. Reich - 5. Deutscher Reichskriegertag des Kyffhäuserbundes - Kassel 6.-8. Juli 1935

Eisenblechabzeichen, an Nadel, Zustand 2.
505313
25,00

III. Reich - 5. Deutscher Reichskriegertag des Kyffhäuserbundes - Kassel 6.-8. Juli 1935

Das Abzeichen des 5. Deutschen Reichskriegertages des Kyffhäuserbundes, das vom 6. bis 8. Juli 1935 in Kassel stattfand, repräsentiert einen bedeutenden Moment in der Geschichte der deutschen Veteranenorganisationen während der NS-Zeit. Dieses Eisenblechabzeichen dokumentiert die zunehmende Gleichschaltung traditioneller Veteranenverbände unter nationalsozialistischer Herrschaft.

Der Kyffhäuserbund, offiziell als “Kyffhäuserbund der Deutschen Landeskriegerverbände” bekannt, war die größte deutsche Veteranenorganisation der Zwischenkriegszeit. Gegründet im Jahr 1900, vereinte der Bund Veteranen der Einigungskriege von 1864, 1866 und 1870/71 sowie später des Ersten Weltkrieges. Mit über 3 Millionen Mitgliedern in den 1920er Jahren stellte der Kyffhäuserbund eine bedeutende gesellschaftliche Kraft dar.

Nach der Machtergreifung 1933 unterlag auch der Kyffhäuserbund der systematischen Gleichschaltung durch das NS-Regime. Der bisherige Bundesführer wurde durch den SA-Obergruppenführer Wilhelm Reinhard ersetzt, der die Organisation in die nationalsozialistische Herrschaftsstruktur integrierte. Die Reichskriegertage, die bereits seit der Kaiserzeit regelmäßig stattfanden, wurden nun zu Propagandaveranstaltungen des Dritten Reiches umfunktioniert.

Der 5. Deutsche Reichskriegertag in Kassel im Juli 1935 war eine Großveranstaltung, die mehrere Ziele verfolgte: die Demonstration militärischer Tradition, die Verherrlichung des Soldatentums und die Mobilisierung der Veteranenschaft für die Ziele des Nationalsozialismus. Die Wahl von Kassel als Austragungsort war symbolisch bedeutsam, da die Stadt in Nordhessen eine lange militärische Tradition besaß und verkehrstechnisch gut erreichbar war.

Das Eisenblechabzeichen selbst ist typisch für die Erinnerungs- und Teilnehmerabzeichen jener Zeit. Die Verwendung von Eisenblech als Material war einerseits kostengünstig und ermöglichte die Produktion großer Stückzahlen, andererseits knüpfte sie symbolisch an die Tradition der “Eisernen” Auszeichnungen an, die besonders im Ersten Weltkrieg propagandistisch aufgeladen waren. Die Nadelbefestigung auf der Rückseite ermöglichte das Tragen an der Kleidung während der Veranstaltung.

Solche Abzeichen dienten mehreren Funktionen: Sie waren Teilnahmebestätigung, Erinnerungsstück und Erkennungszeichen zugleich. Während der mehrtägigen Veranstaltung ermöglichten sie die Identifikation berechtigter Teilnehmer und schufen ein Gefühl der Zusammengehörigkeit. Nach der Veranstaltung wurden sie oft aufbewahrt und sammelten sich in den Erinnerungskollektionen der Veteranen.

Die Reichskriegertage umfassten typischerweise militärische Aufmärsche, Kranzniederlegungen, Festumzüge und Propagandareden führender Nationalsozialisten. Die Veranstaltungen dienten der Vorbereitung der Bevölkerung auf die geplante militärische Expansion des Deutschen Reiches. Im Jahr 1935, dem Jahr der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht durch das “Gesetz für den Aufbau der Wehrmacht” vom 16. März 1935, hatte die Mobilisierung der Veteranenverbände besondere Bedeutung.

Der Kyffhäuserbund wurde 1943 offiziell aufgelöst, nachdem er vollständig in die NS-Organisationsstruktur integriert worden war. Nach 1945 wurde der Bund in der Bundesrepublik Deutschland als “Verband Deutscher Soldaten” und später wieder als Kyffhäuserbund neugegründet, nun jedoch mit demokratischer Ausrichtung und unter strikter Distanzierung vom Nationalsozialismus.

Aus militärhistorischer Sicht dokumentieren solche Abzeichen die Instrumentalisierung traditioneller Veteranenkultur durch totalitäre Regime. Sie zeigen, wie bestehende soziale Strukturen und Traditionen für politische Zwecke vereinnahmt wurden. Für Sammler und Historiker sind diese Objekte wichtige Quellen zum Verständnis der gesellschaftlichen Durchdringung durch die NS-Ideologie.

Der Erhaltungszustand dieses Exemplars wird mit “Zustand 2” angegeben, was nach gängiger Sammlernomenklatur einen sehr guten bis guten Zustand mit geringen Gebrauchsspuren bedeutet. Dies ist für ein fast 90 Jahre altes Blechabzeichen bemerkenswert und spricht für eine sorgfältige Aufbewahrung über die Jahrzehnte.