Pressefoto "Wehr dich" gewann das Deutsche Derby am 25.6.1939 in Hamburg- Klein- Flottbek
Das vorliegende Pressefoto dokumentiert einen bemerkenswerten Moment in der deutschen Pferderennsportgeschichte: den Sieg des Rennpferdes "Wehr dich“ im Deutschen Derby am 25. Juni 1939 in Hamburg-Klein Flottbek. Dieses Dokument ist nicht nur ein Zeugnis sportlicher Leistung, sondern auch ein Fenster in die komplexe Beziehung zwischen Sport, Propaganda und Politik im nationalsozialistischen Deutschland.
Das Deutsche Derby, erstmals 1869 ausgetragen, galt als das bedeutendste Galopprennen Deutschlands und eines der prestigeträchtigsten Pferderennen Europas. Die Rennbahn in Hamburg-Klein Flottbek, heute bekannt als Horner Rennbahn, war seit 1869 Austragungsort dieses gesellschaftlichen Großereignisses. Das Derby zog traditionell Zehntausende von Zuschauern an und vereinte die gesellschaftliche Elite, Pferdesportbegeisterte und das allgemeine Publikum.
Im Jahr 1939 fand das Derby unter besonderen historischen Umständen statt. Das nationalsozialistische Regime hatte den Sport längst als Instrument der Propaganda und Selbstdarstellung erkannt. Sportveranstaltungen wurden genutzt, um das Bild eines starken, erfolgreichen und vereinten Deutschland zu vermitteln. Der Pferdesport mit seiner traditionellen Verbindung zum Adel und zur Oberschicht wurde besonders gefördert, da er auch militärische Relevanz hatte – die Pferdezucht war für die Wehrmacht von strategischer Bedeutung.
Der Name des siegreichen Pferdes "Wehr dich“ ist in diesem Kontext bemerkenswert. Er spiegelt die martialische Rhetorik der Zeit wider und kann als programmatisch für die aggressive Außenpolitik des NS-Regimes verstanden werden. Nur drei Monate nach diesem Derbyrennen, am 1. September 1939, begann mit dem Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg. Die Wahl solcher Namen für Rennpferde war keine Seltenheit und entsprach dem Zeitgeist der militärischen Mobilmachung.
Pressefotos wie das vorliegende spielten eine zentrale Rolle in der Medienlandschaft der 1930er Jahre. Vor dem Zeitalter des Fernsehens waren Zeitungen und illustrierte Magazine die Hauptquellen visueller Information. Sportfotografie war ein wichtiger Bestandteil der Berichterstattung, und Pferderennen gehörten zu den regelmäßig dokumentierten Ereignissen. Die Fotos wurden von Presseagenturen an Zeitungen und Zeitschriften vertrieben, wobei die Rückseite typischerweise mit Bildunterschriften, Datums- und Agenturangaben versehen war.
Die technischen Merkmale des Fotos – das Format von 18 x 13 cm – entspricht den Standardmaßen für Pressefotos dieser Epoche. Diese Größe ermöglichte eine effiziente Verarbeitung in Redaktionen und Archive. Der auf der Rückseite vermittelte Text lieferte den Redakteuren die notwendigen Informationen für die Bildunterschrift und half bei der korrekten Einordnung des Motivs.
Das Jahr 1939 markierte einen Wendepunkt in der deutschen Geschichte. Während im Juni noch Großveranstaltungen wie das Derby stattfanden und eine Fassade der Normalität aufrechterhalten wurde, bereitete sich das Deutsche Reich bereits auf den Krieg vor. Nach Kriegsbeginn wurden viele Sportveranstaltungen eingeschränkt oder ausgesetzt, und die Ressourcen wurden für die Kriegsführung umgeleitet. Auch der Pferdesport wurde davon betroffen, da Pferde für militärische Zwecke requiriert wurden.
Heute sind solche Pressefotos wertvolle historische Dokumente. Sie dokumentieren nicht nur sportliche Ereignisse, sondern auch die gesellschaftlichen Verhältnisse, die mediale Darstellung von Ereignissen und die Alltagskultur einer vergangenen Epoche. Für Sammler von Militaria und historischen Dokumenten sind sie interessant, weil sie die Verbindung zwischen zivilem Leben und militärischer Mobilmachung in der Vorkriegszeit illustrieren.
Die Erhaltung solcher Dokumente ist für die historische Forschung von Bedeutung. Sie ermöglichen es, die Mechanismen der Propaganda zu studieren, die Rolle des Sports in totalitären Systemen zu verstehen und die Kontinuitäten und Brüche in der deutschen Sportgeschichte nachzuvollziehen. Das Pressefoto von "Wehr dich“ ist damit mehr als nur die Aufnahme eines Pferderennens – es ist ein Zeugnis einer Zeit im Übergang zwischen fragiler Friedenszeit und dem verheerenden Weltkrieg, der nur Wochen später beginnen sollte.