Preußen Artillerie Säbel M 48 .
Der Preußen Artillerie Säbel Modell 1848 repräsentiert einen bedeutenden Abschnitt deutscher Militärgeschichte und diente als Standardwaffe für Mannschaften der preußischen Artillerieeinheiten vom Jahr 1848 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. Dieser Säbel wurde als verbesserte Version des früheren Blücher-Säbels von 1811 eingeführt, wobei die Modifikationen unter anderem die Änderung der Klingenspitze von einer aufgebogenen Form zu einer Speerspitze sowie die Anpassung des Hohlkehlenstils umfassten.
Das vorliegende Exemplar wurde von Simson & Co. Suhl hergestellt, einem Waffenherstellungsunternehmen, das 1856 von den jüdischen Brüdern Löb und Moses Simson in Suhl gegründet wurde. Die Firma produzierte Stahl- und geschmiedete Waffen für die preußische Armee und das sächsische Kriegsministerium. Die auf der Klinge angebrachte Abnahmemarke W 15 – gekröntes W mit der Zahl 15 – weist darauf hin, dass dieser Säbel 1915 unter preußisch-deutscher Inspektion während der Regierungszeit von Wilhelm II. (1888-1918) zur Verwendung angenommen wurde.
Technisch gesehen verfügt das Modell 1848 über eine gekrümmte, einschneidige Säbelklinge mit Hohlkehlen auf beiden Seiten und einer Speerspitze. Das Stahlgefäß weist einen einfachen Parierbügel mit Parierlappen auf. Bei diesem späteren Exemplar besteht der Griff aus braunem Kautschuk, einer synthetischen Materialentwicklung, die bei Produktionen aus der Zeit um den Ersten Weltkrieg üblich wurde. Frühere Exemplare verwendeten hingegen Holz mit Lederumwicklung. Die typischen Abmessungen des M1848 umfassen eine Klingenlänge von etwa 75 bis 76 Zentimetern und eine Gesamtlänge von ungefähr 89 bis 93 Zentimetern mit Scheide. Das Gewicht beträgt etwa 970 Gramm ohne Scheide und 1560 Gramm mit Scheide.
Der historische Kontext des M1848 ist eng mit der militärischen Entwicklung Preußens und später des Deutschen Kaiserreichs verbunden. Das Modell wurde um 1848 eingeführt und diente als Standard-Artilleriesäbel für Mannschaften während der gesamten Zeit des Königreichs Preußen und später des Deutschen Kaiserreichs (1871-1918). Der Säbel kam in mehreren Konflikten zum Einsatz, darunter der Deutsch-Französische Krieg (1870-71) und der Erste Weltkrieg (1914-1918). Die Produktion wurde über diesen gesamten Zeitraum von verschiedenen Herstellern fortgesetzt, darunter Simson & Co. Suhl, Weyersberg und andere.
Im Laufe der Produktionszeit entstanden verschiedene Varianten des Modells. Frühe Exemplare wiesen Scheiden mit zwei Ringen auf, während spätere Exemplare wie das vorliegende mit einem einzelnen festen Tragering ausgestattet wurden. Die Griffmaterialien entwickelten sich von Holz mit Lederüberzug zu synthetischen Materialien bei Exemplaren aus der Zeit näher am Ersten Weltkrieg. Es gab auch sogenannte Extra-Versionen mit dekorativen Ätzungen für Reserve- oder Präsentationszwecke.
Nach dem Ersten Weltkrieg und der Niederlage Deutschlands wurden überschüssige M1848-Artilleriesäbel neu verteilt. Einige wurden an Kavallerieeinheiten der Weimarer Republik (1919-1933) ausgegeben, da die Reichswehr unter den Beschränkungen des Versailler Vertrags über begrenzte Neuproduktionskapazitäten verfügte. Exemplare mit Eigentumsmarken aus dem Jahr 1920 und Einheitsstempeln von Reiter-Regimentern sind dokumentiert. Andere wurden an deutsche Polizeikräfte ausgegeben. Während der Zeit des Dritten Reiches wurden einige Exemplare aufgearbeitet und neu gekennzeichnet für den weiteren Dienst. Das Modell 1848 repräsentiert im Wesentlichen die letzte Generation von Kampfsäbeln, die von deutschen Streitkräften verwendet wurden, da Kavallerieattacken und Blankwaffen während und nach dem Ersten Weltkrieg obsolet wurden.
Das vorliegende Exemplar von 1915 dokumentiert damit einen wichtigen Übergangsmoment in der Militärgeschichte, als traditionelle Blankwaffen ihren letzten Einsatz im industrialisierten Kriegsgeschehen des Ersten Weltkriegs erlebten. Die Herstellermarke Simson & Co. Suhl und die Abnahmemarke W 15 machen diesen Säbel zu einem authentischen Zeugnis der preußisch-deutschen Militärproduktion im letzten Jahr vor dem Zusammenbruch der kaiserlichen Ordnung.