Preußen Erinnerungsteller "Zum Andenken v. m. Bruder..." im Infanterie-Regiment von Horn (3. Rheinisches) Nr. 29

Standort Trier, 1910. Porzellan, teils koloriert, mit Goldrand. Durchmesser 16,5 cm. Zustand 2.
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65,00

Preußen Erinnerungsteller "Zum Andenken v. m. Bruder..." im Infanterie-Regiment von Horn (3. Rheinisches) Nr. 29

Historischer Kontext: Erinnerungsteller des Infanterie-Regiments von Horn (3. Rheinisches) Nr. 29

Der vorliegende Erinnerungsteller aus dem Jahr 1910 repräsentiert eine bedeutende Tradition der preußischen Militärkultur des Kaiserreichs. Solche Andenkenteller dienten als persönliche Erinnerungsstücke an die Militärdienstzeit und waren im frühen 20. Jahrhundert weit verbreitet unter Soldaten und ihren Familien.

Das Infanterie-Regiment von Horn (3. Rheinisches) Nr. 29 war eine traditionsreiche Einheit der preußischen Armee mit Standort in Trier, einer Stadt von großer strategischer Bedeutung im Rheinland. Das Regiment wurde im Zuge der Heeresreform nach den Befreiungskriegen aufgestellt und trug seit 1860 den Namen seines Inhabers. Die Nummerierung “Nr. 29” ordnete das Regiment in die Rangfolge der preußischen Infanterieverbände ein.

Die Inschrift “Zum Andenken v. m. Bruder...” (Zum Andenken von meinem Bruder) deutet auf eine Schenkung zwischen Geschwistern hin, wobei einer der Brüder vermutlich im Regiment diente. Solche persönlichen Widmungen waren charakteristisch für Militärandenken dieser Epoche und unterstreichen die enge Verbindung zwischen Soldaten und ihren Familien. Die Militärdienstzeit, die in Friedenszeiten zwei Jahre für Infanteristen betrug, stellte einen bedeutenden Lebensabschnitt dar, der durch solche Andenken gewürdigt wurde.

Die technische Ausführung als Porzellanteller mit partieller Kolorierung und Goldrand entspricht der üblichen Qualität kommerziell hergestellter Militärandenken. Zahlreiche Porzellanmanufakturen spezialisierten sich um die Jahrhundertwende auf die Produktion solcher Erinnerungsstücke. Die Teller wurden meist mit Regimentswappen, Garnisonsansichten oder militärischen Symbolen dekoriert und trugen häufig personalisierte Inschriften.

Das Jahr 1910 markiert eine Zeit relativer Stabilität im Deutschen Kaiserreich, nur vier Jahre vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Die preußische Armee befand sich in einer Phase der Modernisierung und Expansion. Das Rheinland, wo das Regiment stationiert war, hatte besondere strategische Bedeutung als westliche Grenzregion des Reiches. Trier selbst war seit römischer Zeit eine bedeutende Militärstadt und beherbergte neben dem Infanterie-Regiment weitere militärische Einrichtungen.

Die Tradition der Militärandenken hatte im 19. Jahrhundert eine besondere Blüte erlebt. Neben Tellern wurden auch Bierkrüge, Reservistenpfeifen, Lithographien und andere Objekte als Erinnerungsstücke gefertigt. Sie dokumentieren nicht nur die individuelle Militärbiographie, sondern auch die gesellschaftliche Bedeutung des Militärdienstes im wilhelminischen Deutschland, wo der Soldatenstand hohes Ansehen genoss.

Das Infanterie-Regiment von Horn Nr. 29 nahm später am Ersten Weltkrieg teil und kämpfte an verschiedenen Fronten. Die Erinnerungsteller aus der Vorkriegszeit erlangten dadurch zusätzliche historische Bedeutung als Zeugnisse einer untergegangenen Epoche. Nach dem Krieg und dem Ende der Monarchie 1918 wurden solche Andenken zu wertvollen Dokumenten der preußisch-deutschen Militärgeschichte.

Für Sammler und Historiker bieten derartige Objekte wichtige Einblicke in die Alltagskultur der kaiserlichen Armee, die Regimentsgeschichte und die sozialgeschichtlichen Aspekte des Militärdienstes. Der Erhaltungszustand “Zustand 2” deutet auf eine gut erhaltene Kondition mit nur geringen Gebrauchsspuren hin, was bei über 110 Jahre alten Porzellanobjekten bemerkenswert ist.

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