Wehrmacht Heer (WH) Extraseitengewehr .

Ausführung mit langer Klinge und breiter Hohlkehle, Herstellerstempel "E.Pack & Söhne Solingen", vernickeltes Zinkgefäß mit verschraubten Griffschalen aus gewaffeltem Kunststoff, die Scheide brüniert, getragenes Stück mit einigen Gebrauchsspuren. Zustand 2
494613
250,00

Wehrmacht Heer (WH) Extraseitengewehr .

Das Seitengewehr der Wehrmacht stellt eines der charakteristischen Ausrüstungsstücke der deutschen Streitkräfte während des Zweiten Weltkriegs dar. Bei dem vorliegenden Objekt handelt es sich um ein Extraseitengewehr des Heeres mit langer Klinge und breiter Hohlkehle, gefertigt von der renommierten Solinger Firma E. Pack & Söhne.

Die Tradition der Blankwaffen in der deutschen Militärgeschichte reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Mit der Gründung der Wehrmacht 1935 wurden neue Regularien für die Ausrüstung der Streitkräfte erlassen. Das Heeresseitengewehr 84/98, eingeführt in den 1920er Jahren und von der Wehrmacht übernommen, diente primär als Hieb- und Stichwaffe sowie als Werkzeug im Felddienst. Die lange Klingenform mit breiter Hohlkehle folgte dabei bewährten Konstruktionsprinzipien, die Gewichtsreduktion bei gleichzeitiger Stabilität ermöglichten.

E. Pack & Söhne aus Solingen gehörte zu den etablierten Herstellern von Blankwaffen für die Wehrmacht. Solingen, seit Jahrhunderten als Zentrum der deutschen Klingenproduktion bekannt, beherbergte zahlreiche Manufakturen, die während der Aufrüstungsphase ab Mitte der 1930er Jahre umfangreiche Aufträge erhielten. Die Firma Pack produzierte neben Seitengewehren auch Bajonette und andere militärische Schneidwaren nach den exakten Vorgaben der Heereswaffenämter.

Die technische Ausführung des Seitengewehrs entspricht den typischen Spezifikationen der Zeit: Das vernickelte Zinkgefäß mit verschraubten Griffschalen aus gewaffeltem Kunststoff (Bakelit oder ähnliche Materialien) repräsentiert die Materialsparmaßnahmen, die zunehmend während des Krieges notwendig wurden. Während frühere Ausführungen oft aufwendigere Materialien wie Messing verwendeten, ging man ab Ende der 1930er Jahre verstärkt zu kostengünstigeren Legierungen über. Die brünierte Scheide diente dem Korrosionsschutz und war Standard bei Heeresblankwaffen.

Die Hohlkehle in der Klinge erfüllte mehrere Funktionen: Sie reduzierte das Gewicht der Waffe, erhöhte die Steifigkeit durch den I-Träger-Effekt und erleichterte das Herausziehen der Klinge aus Wundkanälen. Diese Konstruktionsmerkmale waren Resultat jahrhundertelanger Entwicklung im europäischen Waffenbau.

Im militärischen Alltag wurde das Seitengewehr am Koppelschuh getragen und war fester Bestandteil der Ausgehuniform sowie der Feldausrüstung. Während des Kriegsverlaufs veränderte sich allerdings die praktische Bedeutung: Im modernen mechanisierten Krieg spielten Blankwaffen eine zunehmend untergeordnete Rolle. Dennoch blieben sie bis Kriegsende Bestandteil der Ausrüstung und dienten praktischen Zwecken wie dem Öffnen von Konserven, als Werkzeug oder zur Selbstverteidigung im Nahkampf.

Die Gebrauchsspuren am vorliegenden Stück zeugen von tatsächlichem Einsatz. Anders als Paradewaffen, die oft in nahezu neuwertigem Zustand erhalten blieben, zeigen Feldausrüstungen die Realität militärischer Verwendung. Abnutzungen an Griff und Scheide, mögliche Beschädigungen der Brünierung und Gebrauchsspuren an der Klinge sind typisch für Stücke, die über längere Zeit getragen und eingesetzt wurden.

Nach Kriegsende 1945 wurden Millionen dieser Seitengewehre von den Alliierten beschlagnahmt, vernichtet oder als Souvenirs mitgenommen. Heute stellen sie wichtige militärhistorische Dokumente dar, die Einblick in Produktionstechniken, Materialverwendung und die Alltagsrealität deutscher Soldaten geben. Für Sammler und Museen sind insbesondere Stücke mit eindeutigen Herstellermarkierungen und dokumentierter Provenienz von Interesse.

Die Zustandsbewertung “2” deutet auf ein gut erhaltenes Stück mit altersbedingten Gebrauchsspuren hin, das sowohl seinen historischen Charakter bewahrt hat als auch seine wesentlichen funktionalen und ästhetischen Merkmale zeigt. Solche Objekte dienen der historischen Forschung und Bildung, indem sie materielle Zeugnisse einer bedeutenden, wenn auch düsteren Epoche der deutschen und europäischen Geschichte darstellen.