Wehrmacht M40 Feldbluse für einen Feldwebel der Infanterie
Die Wehrmacht M40 Feldbluse stellt einen bedeutenden Entwicklungsschritt in der deutschen Militäruniformgeschichte des Zweiten Weltkriegs dar. Diese spezielle Feldbluse für einen Feldwebel der Infanterie aus dem Jahr 1940 dokumentiert nicht nur die standardisierten Uniformvorschriften der Wehrmacht, sondern auch die besonderen Umstände der Kriegswirtschaft während der frühen Kriegsjahre.
Das vorliegende Exemplar wurde 1940 in Amsterdam gefertigt und verwendete sogenanntes holländisches Beutetuch. Nach der deutschen Besetzung der Niederlande im Mai 1940 während des Westfeldzugs wurden erhebliche Mengen an Textilmaterialien beschlagnahmt und für die Herstellung deutscher Uniformen verwendet. Diese Praxis war Teil der systematischen Ausbeutung der besetzten Gebiete und diente der Entlastung der deutschen Textilindustrie, die bereits unter Rohstoffmangel litt.
Die M40-Feldbluse wurde als Weiterentwicklung der M36-Feldbluse eingeführt und zeichnete sich durch verschiedene Vereinfachungen aus, die der Rationalisierung der Produktion dienten. Im Vergleich zum Vorgängermodell wurden bei der M40-Version bereits erste Materialeinsparungen vorgenommen, wobei das äußere Erscheinungsbild weitgehend erhalten blieb. Die Feldbluse war aus feldgrauem Wolltuch gefertigt und verfügte über einen dunklen blaugrünen Kragen.
Der Bevo-gewebte Brustadler auf dunkelgrünem Grund wurde per Hand vernäht und entspricht den Vorschriften der Heeresdienstvorschrift (HDV). Die Firma Bevo (Bandfabrik Ewald Vorsteher) aus Wuppertal war einer der Hauptlieferanten für gewebte Hoheitsabzeichen der Wehrmacht. Diese maschinell gewebten Adler waren qualitativ hochwertiger und haltbarer als gestickte Varianten.
Die Kragenspiegel mit Tuchunterlage, jedoch ohne Waffenfarbe, sind maschinell vernäht. Dies ist ungewöhnlich, da Infanterie-Einheiten normalerweise die Waffenfarbe Weiß trugen. Das Fehlen der Waffenfarbe könnte auf verschiedene Gründe zurückzuführen sein, möglicherweise auf eine spätere Kriegsphase oder besondere Verwendungsumstände.
Um den Kragen verläuft die charakteristische Unteroffizierslitze, die den Rang des Trägers als Feldwebel kennzeichnet. Der Feldwebel war der höchste Unteroffiziersrang vor den Portepée-Unteroffizieren und spielte eine zentrale Rolle in der Truppenführung. Als erfahrene Unteroffiziere waren Feldwebel oft das Rückgrat ihrer Einheiten und verantwortlich für die Ausbildung und Führung der Mannschaften.
Die Schulterklappen zum Schlaufen ermöglichten ein einfaches Auswechseln bei Versetzungen oder Beförderungen. Am Knopfloch ist das Band zum Eisernen Kreuz 2. Klasse 1939 vernäht, was darauf hinweist, dass der Träger mit dieser bedeutenden Auszeichnung dekoriert wurde. Das Eiserne Kreuz 2. Klasse war eine der häufigsten Tapferkeitsauszeichnungen der Wehrmacht und wurde für besondere Verdienste im Kampf verliehen.
Der innere Kammerstempel “A 40” weist auf die Ausgabe durch eine militärische Bekleidungskammer im Jahr 1940 hin. Diese Stempel dienten der Bestandskontrolle und Nachverfolgung der Uniformteile. Der Herstellerstempel “Konersmann” identifiziert den Hersteller dieser Feldbluse. Die Firma Konersmann war einer von zahlreichen Bekleidungsherstellern, die für die Wehrmacht produzierten.
Der minimale Gebrauchszustand dieser Feldbluse ist bemerkenswert und deutet darauf hin, dass sie entweder nur kurz getragen wurde oder als Reserveuniform diente. Die Maße (Armlänge 63 cm, Brustumfang 84 cm, Länge 68 cm) entsprechen den standardisierten Größenordnungen der Wehrmacht-Bekleidungsvorschriften.
Die M40-Feldbluse blieb bis zur Einführung der noch stärker vereinfachten M43-Feldbluse im Jahr 1943 im Einsatz. Mit fortschreitendem Kriegsverlauf wurden die Uniformen zunehmend vereinfacht und mit Ersatzmaterialien gefertigt, da die deutschen Ressourcen immer knapper wurden.
Heute sind gut erhaltene M40-Feldblusen mit vollständiger Ausstattung und nachvollziehbarer Provenienz gesuchte militärhistorische Dokumente, die wichtige Einblicke in die Uniformgeschichte, Rangabzeichen und Produktionsmethoden der Wehrmacht bieten.