Zaristisches Russland - Einzel Kokarde für die Schirmmütze Mannschaften

Aluminium, rückseitig mit Splint. Höhe 3,9 cm. Zustand 2
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75,00

Zaristisches Russland - Einzel Kokarde für die Schirmmütze Mannschaften

Die Einzel-Kokarde für Schirmmützen der Mannschaften aus dem Zaristischen Russland stellt ein faszinierendes Zeugnis der militärischen Uniformkunde des russischen Kaiserreichs dar. Diese aus Aluminium gefertigte Kokarde mit einer Höhe von 3,9 cm und rückseitiger Splintbefestigung repräsentiert die standardisierte militärische Abzeichen, die von einfachen Soldaten und Unteroffizieren der kaiserlich-russischen Streitkräfte getragen wurden.

Die Kokarde als militärisches Rangabzeichen hat in Russland eine lange Tradition, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht. Unter Peter dem Großen (1682-1725) wurden erstmals systematische Uniformvorschriften eingeführt, die auch die Kennzeichnung von Kopfbedeckungen umfassten. Die klassische russische Militärkokarde entwickelte sich jedoch erst während der Regierungszeit von Katharina der Großen und erreichte ihre charakteristische Form unter Zar Paul I. (1796-1801).

Im 19. Jahrhundert wurden die Uniformvorschriften mehrfach überarbeitet und präzisiert. Die Kokarde in ihrer ovalen Form, die typisch für die russische Armee war, unterschied sich deutlich von den kreisrunden Kokarden anderer europäischer Armeen. Die Farbgebung - traditionell in den russischen Nationalfarben Schwarz, Orange und Weiß bzw. Silber - symbolisierte die Loyalität zum Zaren und zum russischen Reich.

Die Verwendung von Aluminium für Kokarden wurde erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts üblich, als dieses Material industriell verfügbar und kostengünstig herzustellen war. Zuvor wurden Kokarden aus vergoldetem oder versilbertem Messing, Bronze oder anderen Metallen gefertigt. Aluminium bot mehrere Vorteile: Es war leicht, korrosionsbeständig, kostengünstig in der Massenproduktion und ließ sich gut bearbeiten. Diese Eigenschaften machten es besonders geeignet für die Ausrüstung der Mannschaften, also der einfachen Soldaten, während Offizierskokarden häufig aus wertvolleren Materialien gefertigt wurden.

Die Schirmmütze (russisch: фуражка, Furaschka) wurde in der russischen Armee im Laufe des 19. Jahrhunderts zur Standardkopfbedeckung für den täglichen Dienst und die Ausgehuniform. Sie ersetzte allmählich ältere Kopfbedeckungsformen und wurde mit der entsprechenden Kokarde versehen, die Regiment, Waffengattung und Rang des Trägers kennzeichnete.

Die Splintbefestigung auf der Rückseite war die gängigste Methode zur Befestigung von Kokarden an Stoffmützen. Der Splint wurde durch das Gewebe der Mütze gesteckt und auf der Innenseite umgebogen, wodurch eine sichere Verbindung entstand, die bei Bedarf auch wieder gelöst werden konnte - etwa bei der Reinigung der Uniform oder beim Austausch beschädigter Kokarden.

Während der Regierungszeit von Zar Nikolaus II. (1894-1917), dem letzten russischen Zaren, erreichte das System der militärischen Rangabzeichen und Uniformvorschriften seine ausgereifteste Form. Die kaiserlich-russische Armee war zu dieser Zeit eine der größten Streitkräfte der Welt mit mehreren Millionen Soldaten. Entsprechend groß war der Bedarf an standardisierten Ausrüstungsgegenständen wie Kokarden.

Die verschiedenen Waffengattungen - Infanterie, Kavallerie, Artillerie, Pioniere und technische Truppen - verwendeten unterschiedliche Varianten von Kokarden, wobei sich die Unterschiede in Details wie Größe, exakter Form und manchmal auch in zusätzlichen Emblemen manifestierten. Die hier beschriebene Kokarde für Mannschaften repräsentiert die grundlegende, standardisierte Form ohne die zusätzlichen Verzierungen, die Offiziers- oder Gardeeinheiten vorbehalten waren.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 stieg die Produktion militärischer Ausrüstungsgegenstände dramatisch an. Die Mobilisierung von Millionen Soldaten erforderte eine massive Ausweitung der Uniformproduktion. Gleichzeitig führten Materialknappheit und die Notwendigkeit der Rationalisierung zu Vereinfachungen in der Herstellung.

Die Februarrevolution 1917 und die darauf folgende Oktoberrevolution bedeuteten das Ende des zaristischen Russlands und damit auch das Ende der traditionellen kaiserlichen Kokarden. Die Provisorische Regierung versuchte zunächst, modifizierte Versionen der alten Abzeichen einzuführen, doch mit der Machtübernahme der Bolschewiki wurden diese Symbole der Zarenherrschaft systematisch abgeschafft und durch neue sowjetische Abzeichen mit dem roten Stern ersetzt.

Heute sind originale zaristische Kokarden gesuchte Sammlerstücke, die wichtige Zeugnisse einer untergegangenen Epoche darstellen. Sie dokumentieren nicht nur die militärische Organisation des Zarenreichs, sondern auch die handwerkliche Qualität und die Produktionsmethoden jener Zeit. Der Erhaltungszustand solcher Objekte variiert stark, abhängig von den Lagerungsbedingungen über mehr als ein Jahrhundert hinweg.