Elastolin - Luftwaffe Fliegertruppe Offizier und Soldat mit Gewehr und Stahlhelm marschierend
Die vorliegende Elastolin-Figur eines Offiziers und Soldaten der Luftwaffe Fliegertruppe repräsentiert ein faszinierendes Beispiel der deutschen Spielzeugherstellung während der Zeit des Dritten Reiches. Mit einer Höhe von 7,5 cm und einem originalen Verkaufspreis von 20 Reichspfennig dokumentiert dieses Objekt nicht nur militärgeschichtliche Aspekte, sondern auch die Alltagskultur und Propagandabestrebungen der nationalsozialistischen Ära.
Die Firma Elastolin wurde von der Hausser-Familie in Ludwigsburg gegründet und entwickelte sich zu einem der führenden Hersteller von Massefiguren in Deutschland. Der Name “Elastolin” bezieht sich auf das verwendete Material, eine elastische Masse aus Kasein, Kreide, Glycerin und anderen Zusätzen, die auf Drahtgerüste aufgebracht wurde. Diese Technik ermöglichte die Herstellung detaillierter, aber dennoch robuster Spielfiguren, die sich großer Beliebtheit erfreuten.
Die Luftwaffe wurde offiziell am 26. Februar 1935 gegründet, nachdem das Deutsche Reich die militärischen Beschränkungen des Versailler Vertrages abgelegt hatte. Unter der Führung von Hermann Göring entwickelte sich die Luftwaffe rasch zur modernsten Luftstreitmacht ihrer Zeit. Die Fliegertruppe bildete das Herzstück dieser Waffengattung und umfasste Jagd-, Bomber- und Aufklärungseinheiten.
Die Uniformierung der Luftwaffe unterschied sich deutlich von der anderer Wehrmachtsteile. Die charakteristische blaugraue Farbe war einzigartig und sollte die technologische Modernität dieser Waffengattung unterstreichen. Der Stahlhelm Modell 35, der in der Figurenbeschreibung erwähnt wird, war die Standardkopfbedeckung für Bodenpersonal und Flaksoldaten. Fliegendes Personal trug hingegen spezielle Fliegerhauben.
Der Preis von 20 Reichspfennig ordnet diese Figur in die Kategorie der erschwinglichen Massenware ein. Zum Vergleich: Ein Industriearbeiter verdiente in den 1930er Jahren durchschnittlich 30-35 Reichsmark pro Woche. Solche Spielzeugfiguren waren daher für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich und wurden gezielt als Mittel der Militarisierung der Jugend eingesetzt.
Die Darstellung marschierender Soldaten mit Gewehr entsprach dem militärischen Ideal der Zeit. Das Karabiner 98k, die Standardwaffe der Wehrmacht, wurde häufig in solchen Miniaturen abgebildet. Die Marschhaltung symbolisierte Disziplin, Ordnung und militärische Stärke – Werte, die das NS-Regime intensiv propagierte.
Elastolin-Figuren wurden in großen Serien produziert und umfassten das gesamte Spektrum der Wehrmacht sowie politischer und paramilitärischer Organisationen. Neben einzelnen Soldaten wurden auch Fahrzeuge, Geschütze und sogar ganze Dioramen angeboten. Die Firma belieferte nicht nur den zivilen Markt, sondern erhielt auch Aufträge für Ausbildungszwecke und Propagandaausstellungen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg musste die Produktion militärischer Figuren eingestellt werden. Die Hausser-Firma stellte auf zivile Themen um, konnte jedoch nie wieder an frühere Erfolge anknüpfen. Heute sind originale Elastolin-Figuren aus der NS-Zeit begehrte Sammlerstücke, die sowohl militärgeschichtlich als auch kulturhistorisch dokumentiert werden.
Der Zustand 2 in der Objektbeschreibung entspricht sammlerterminologisch einem sehr guten bis guten Erhaltungszustand mit minimalen Gebrauchsspuren. Dies ist bemerkenswert für Objekte aus einem Material, das anfällig für Temperaturschwankungen und Feuchtigkeit ist.
Aus heutiger wissenschaftlicher Perspektive sind solche Objekte wichtige Quellen für die Erforschung der NS-Propaganda und der Alltagskultur im Dritten Reich. Sie dokumentieren, wie militärische Werte bereits im Kindesalter vermittelt wurden und wie die Spielzeugindustrie in die ideologische Erziehung eingebunden war. Museen und Forschungseinrichtungen bewahren solche Objekte als Zeugnisse einer dunklen Epoche deutscher Geschichte auf.