Erinnerungsmedaille an den Feldzug im Südosten 1941 "Wir werden England schlagen wo wir es treffen"

Meissen Böttgermedaille 53 mm, Zustand 2
495014
120,00

Erinnerungsmedaille an den Feldzug im Südosten 1941 "Wir werden England schlagen wo wir es treffen"

Die Erinnerungsmedaille an den Feldzug im Südosten 1941 mit der Inschrift "Wir werden England schlagen wo wir es treffen" stellt ein bemerkenswertes Zeugnis der nationalsozialistischen Propagandabestrebungen während des Zweiten Weltkrieges dar. Diese als Meissener Böttgermedaille gefertigte Auszeichnung mit einem Durchmesser von 53 mm vereint künstlerisches Handwerk mit ideologischer Botschaft.

Die Meissener Porzellan-Manufaktur, gegründet 1710 durch Johann Friedrich Böttger, genoss international höchstes Ansehen für ihre keramischen Erzeugnisse. Während des Dritten Reiches wurde diese traditionsreiche Institution zunehmend für propagandistische Zwecke instrumentalisiert. Die Herstellung von Porzellanmedaillen, bekannt als Böttgermedaillen, verband die jahrhundertealte Handwerkskunst mit der nationalsozialistischen Symbolik und Rhetorik.

Der Balkanfeldzug von 1941, offiziell als "Unternehmen Marita" und "Unternehmen 25" bezeichnet, begann am 6. April 1941 mit dem gleichzeitigen Angriff auf Jugoslawien und Griechenland. Diese militärische Operation war teilweise eine Konsequenz des gescheiterten italienischen Angriffs auf Griechenland im Oktober 1940, der das Eingreifen deutscher Truppen erforderlich machte. Die Wehrmacht eroberte innerhalb weniger Wochen beide Länder: Jugoslawien kapitulierte am 17. April 1941, Griechenland am 23. April 1941.

Die Inschrift "Wir werden England schlagen wo wir es treffen" bezieht sich auf die strategische Dimension des Balkanfeldzuges im Kontext des andauernden Konflikts mit Großbritannien. Nach dem gescheiterten Unternehmen Seelöwe (der geplanten Invasion Großbritanniens) im Herbst 1940 verlagerte sich die deutsche Strategie auf indirekte Ansätze. Die Besetzung Griechenlands sollte unter anderem verhindern, dass britische Streitkräfte auf dem Balkan Fuß fassten und von dort aus Rumäniens Ölfelder in Ploiești bedrohten, die für die deutsche Kriegsführung von vitaler Bedeutung waren.

Die Gestaltung solcher Medaillen folgte den typischen Mustern nationalsozialistischer Ikonographie. Meissener Böttgermedaillen zeichneten sich durch ihre materiellen Eigenschaften aus: Das weißbeige Böttger-Steinzeug, eine Vorform des späteren Porzellans, verlieh den Stücken eine charakteristische Optik. Mit 53 mm Durchmesser gehörte diese Medaille zu den größeren Ausführungen, was ihre repräsentative Bedeutung unterstreicht.

Die Herstellung von Erinnerungsmedaillen hatte im deutschen Militärwesen eine lange Tradition. Während des Ersten Weltkrieges und in der Weimarer Republik wurden zahlreiche Kriegsdenkmünzen ausgegeben. Das NS-Regime knüpfte an diese Tradition an, instrumentalisierte sie jedoch systematisch für propagandistische Zwecke. Im Gegensatz zu offiziellen staatlichen Auszeichnungen, die durch Verordnungen und Statuten geregelt waren, handelte es sich bei solchen Erinnerungsmedaillen oft um private oder halboffizielle Produktionen, die dennoch die offizielle Propaganda widerspiegelten.

Die Zustandsbeurteilung 2 nach numismatischen Standards deutet auf ein sehr gut erhaltenes Exemplar hin, das nur minimale Gebrauchsspuren aufweist. Dies ist bei Porzellan- und Steinzeugmedaillen bemerkenswert, da diese Materialien empfindlicher sind als Metall.

Der Balkanfeldzug hatte weitreichende historische Konsequenzen. Die militärische Operation verzögerte den für Mai 1941 geplanten Angriff auf die Sowjetunion um mehrere entscheidende Wochen. Operation Barbarossa begann schließlich am 22. Juni 1941, wodurch der deutschen Wehrmacht weniger Zeit blieb, ihre Ziele vor dem Einsetzen des russischen Winters zu erreichen. Historiker diskutieren bis heute, inwieweit diese Verzögerung den Ausgang des Krieges beeinflusste.

Die Besetzung des Balkans führte zu jahrelangen Partisanenkämpfen, besonders in Jugoslawien unter Josip Broz Tito, die erhebliche deutsche Kräfte banden. Die brutale Besatzungspolitik und zahlreiche Kriegsverbrechen prägten die Region nachhaltig.

Heute sind solche Medaillen wichtige historische Quellen für die Erforschung der NS-Propaganda und der Militärgeschichte. Sie dokumentieren, wie das Regime versuchte, militärische Ereignisse zu glorifizieren und in seine ideologische Weltanschauung einzubetten. Für Sammler und Historiker bieten sie Einblicke in die Materialkunde, die künstlerische Gestaltung und die propagandistische Zielsetzung der Zeit. Die Verbindung von traditionellem Kunsthandwerk der Meissener Manufaktur mit nationalsozialistischer Ideologie zeigt exemplarisch die Durchdringung aller gesellschaftlichen Bereiche durch das Regime.