Hermann und Emmy Göring: große Porzellanplatte aus dem KPM Geschenkservice,  Hochzeitsgeschenk 1935

um 1935. Große Porzellan Vorlegeplatte für Fleisch bzw. Braten. Weiß glasiertes Porzellan mit umlaufendem blauen Zierband mit Goldrand, oben auf dem Spiegel in Gold aufgelegt die Wappen Görings und Emmy Sonnemanns, Breite 43,5 cm, auf der Unterseite mit Porzellanmarke von KPM sowie laufende Nr. "1/41". Nur leichte Gebrauchsspuren, unbeschädigt, Zustand 2.

Emmy Göring (* 24. März 1893 in Hamburg; † 8. Juni 1973 in München, geborene Emma Johanna Henny Sonnemann) wuchs als Tochter eines wohlhabenden Fabrikantenehepaares auf und genoss die Ausbildung zur Schauspielerin bei Leopold Jessner in Hamburg. Ab 1910 folgten Engagements in Hamburg, München, Wien, Stuttgart und Weimar. Im Jahr 1932 machte sie die Bekanntschaft des 1931 verwitweten Hermann Görings. In der Funktion des preußischen Ministerpräsidenten verlieh er ihr im Herbst 1934 den Titel einer preußischen Staatsschauspielerin und verschaffte ihr ein Engagement am Preußischen Staatstheater Berlin. Als Minna von Barnhelm nahm sie 1935 Abschied vom Berliner Staatstheater. Mit großem Pomp wurde am 10. April 1935 die Hochzeit von Hermann und Emmy Göring gefeiert. Emmy Göring fungierte, weil Adolf Hitler unverheiratet war, als „Hohe Frau“ des Deutschen Reiches, oft in Konkurrenz zu Magda Goebbels. 
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Hermann und Emmy Göring: große Porzellanplatte aus dem KPM Geschenkservice,  Hochzeitsgeschenk 1935

Die monumentale Porzellanvorlegeplatte aus dem Geschenkservice zur Hochzeit von Hermann und Emmy Göring im Jahr 1935 repräsentiert ein faszinierendes Zeugnis der repräsentativen Kultur des nationalsozialistischen Deutschlands. Mit ihren beeindruckenden Maßen von 43,5 cm Breite verkörpert diese von der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM) gefertigte Platte die Verbindung von traditionellem Kunsthandwerk und politischer Symbolik im Dritten Reich.

Die Hochzeit am 10. April 1935 zwischen dem damaligen Reichsminister Hermann Göring und der Schauspielerin Emmy Sonnemann war eines der gesellschaftlichen Großereignisse der NS-Zeit. Adolf Hitler persönlich fungierte als Trauzeuge, und die Zeremonie im Berliner Dom sowie der anschließende Empfang in der Reichskanzlei wurden zu einem Staatsakt von enormer propagandistischer Bedeutung. Zu diesem Anlass wurden zahlreiche kostbare Geschenke überreicht, darunter vollständige Porzellanservices, die eigens für diesen Zweck bei der renommierten KPM in Auftrag gegeben wurden.

Die KPM Berlin, gegründet 1763 durch Friedrich den Großen, war seit ihrer Gründung eng mit der preußischen Monarchie und später mit der deutschen Staatselite verbunden. Ihre Erzeugnisse galten als Inbegriff deutscher Handwerkskunst und wurden für diplomatische Geschenke sowie für die Ausstattung staatlicher Repräsentationsräume verwendet. Die Manufaktur fertigte während der NS-Zeit verschiedene Services für hochrangige Funktionäre an, wobei die Gestaltung oft traditionelle Elemente mit zeitgenössischer Symbolik verband.

Das vorliegende Stück zeichnet sich durch seine klassische Formgebung aus: Weißes, feinglasiertes Porzellan bildet die Grundlage, umrahmt von einem umlaufenden blauen Zierband mit Goldrand – eine Farbkombination, die an preußische Traditionen anknüpft. Besonders bedeutsam ist die goldene Applikation der beiden Wappen auf dem Plattenspiegel: das Wappen Hermann Görings und jenes der Familie Sonnemann. Diese heraldische Darstellung folgte der Tradition aristokratischer Hochzeitsgeschenke und sollte die Verbindung der beiden Familien symbolisieren.

Die Nummerierung "1/41" auf der Unterseite deutet darauf hin, dass es sich um das erste Stück einer Serie von 41 Exemplaren handelte – vermutlich ein komplettes Service oder mehrere koordinierte Geschenksets. Diese Art der Nummerierung war bei KPM-Sonderanfertigungen üblich und dokumentiert die exklusive Natur der Produktion.

Emmy Göring, geboren als Emma Johanna Henny Sonnemann am 24. März 1893 in Hamburg, entstammte einem wohlhabenden bürgerlichen Elternhaus. Ihre Karriere als Schauspielerin führte sie durch bedeutende deutschsprachige Theater, bevor sie 1932 Hermann Göring kennenlernte. Als "Erste Dame" des Dritten Reiches – eine Rolle, die sie aufgrund von Hitlers Junggesellenstatus einnahm – stand sie oft in Konkurrenz zu Magda Goebbels. Ihr Status manifestierte sich in der aufwendigen Hofhaltung auf Carinhall, Görings repräsentativem Landsitz, sowie in zahlreichen gesellschaftlichen Verpflichtungen.

Objekte wie diese Porzellanplatte dienten nicht nur praktischen Zwecken bei offiziellen Banketten, sondern waren auch Statussymbole und Herrschaftsinsignien. Sie dokumentieren die Selbstinszenierung der NS-Elite, die sich bewusst in die Tradition preußischer und deutscher Staatsrepräsentation stellte. Die Verwendung von KPM-Porzellan knüpfte dabei an monarchische Traditionen an und sollte Legitimität und Kontinuität suggerieren.

Aus kunsthistorischer Perspektive repräsentiert das Stück die konservative Ästhetik, die in der offiziellen NS-Kunst vorherrschte. Experimentelle oder avantgardistische Gestaltungsformen wurden zugunsten traditioneller, als "deutsch" empfundener Formensprache abgelehnt. Die klare, symmetrische Komposition mit ihrer Betonung von Gold und Blau entspricht dieser Vorstellung von repräsentativer Würde.

Der erhaltene Zustand des Objekts – nur leichte Gebrauchsspuren, unbeschädigt – lässt darauf schließen, dass es entweder selten verwendet oder sorgfältig aufbewahrt wurde. Nach 1945 wurden viele solcher Objekte vernichtet, versteckt oder gelangten als Beutegut in verschiedene Sammlungen. Ihr Überleben macht sie zu wichtigen materiellen Zeugnissen einer historischen Epoche, deren Artefakte heute eine komplexe Rolle zwischen geschichtlicher Dokumentation und problematischer Erinnerung einnehmen.

Für Historiker und Museen stellen solche Objekte wertvolle Quellen dar, um die Alltagskultur, Repräsentationspraktiken und materiellen Dimensionen der NS-Elite zu erforschen. Sie illustrieren, wie politische Macht sich in ästhetischen Formen manifestierte und wie traditionelle Kunsthandwerksbetriebe in das System integriert wurden.