III. Reich Reichsbund Deutscher Kleingärtner - Reichsfachgruppe Reisebrieftaubenwesen e.V. Auszeichnungsmedaille "Für hervorragende Flugleistung 1936"

Feinzink, Durchmesser 39 mm, im schwarzen Verleihungsetui. Zustand 2.
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III. Reich Reichsbund Deutscher Kleingärtner - Reichsfachgruppe Reisebrieftaubenwesen e.V. Auszeichnungsmedaille "Für hervorragende Flugleistung 1936"

Die Auszeichnungsmedaille "Für hervorragende Flugleistung" des Reichsbundes Deutscher Kleingärtner - Reichsfachgruppe Reisebrieftaubenwesen e.V. aus dem Jahr 1936 repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der deutschen Vereinsgeschichte während der Zeit des Nationalsozialismus. Diese Medaille, gefertigt aus Feinzink mit einem Durchmesser von 39 mm, wurde an Züchter und Halter von Brieftauben verliehen, deren Tiere außergewöhnliche Leistungen im Flugwettbewerb erbracht hatten.

Die Brieftaubenzucht hatte in Deutschland eine lange Tradition, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Während des Ersten Weltkrieges wurden Brieftauben bereits militärisch genutzt, was ihre Bedeutung für die Nachrichtenübermittlung unter Beweis stellte. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurden zahlreiche Vereine und Organisationen gleichgeschaltet und in das nationalsozialistische System eingegliedert. Dies betraf auch scheinbar unpolitische Vereinigungen wie Kleingärtnervereine und Brieftaubenzüchterorganisationen.

Der Reichsbund Deutscher Kleingärtner war eine dieser gleichgeschalteten Organisationen, die verschiedene Fachgruppen unter ihrem Dach vereinte. Die Reichsfachgruppe Reisebrieftaubenwesen organisierte die Brieftaubenzüchter im gesamten Deutschen Reich. Das Jahr 1936, in dem diese Medaille ausgegeben wurde, war ein bedeutsames Jahr für das NS-Regime: Die Olympischen Spiele fanden in Berlin statt, und Deutschland präsentierte sich der Welt als moderne, organisierte Nation.

Die Vergabe von Auszeichnungen und Medaillen war ein charakteristisches Element der nationalsozialistischen Herrschaft. Durch ein umfassendes System von Ehrungen und Abzeichen sollte die Leistungsbereitschaft gefördert und die Bindung der Bürger an das Regime verstärkt werden. Selbst in scheinbar unpolitischen Bereichen wie der Brieftaubenzucht wurden solche Auszeichnungen eingesetzt, um die Volksgemeinschaft zu fördern und individuelle Leistungen im Dienste der Gemeinschaft zu würdigen.

Die technische Ausführung aus Feinzink war für Auszeichnungen dieser Art typisch. Zink war ein kostengünstiges Material, das sich gut bearbeiten ließ und durch verschiedene Oberflächenbehandlungen veredelt werden konnte. Die Präsentation im schwarzen Verleihungsetui unterstreicht den offiziellen Charakter der Auszeichnung und zeigt, dass selbst solche Vereinsmedaillen mit einer gewissen Zeremonie verliehen wurden.

Die Brieftaubenzucht hatte auch eine militärische Dimension. Das Reichsluftfahrtministerium erkannte früh den potentiellen militärischen Nutzen gut trainierter Brieftauben für die Nachrichtenübermittlung, insbesondere in Situationen, in denen andere Kommunikationsmittel versagten. Züchter, die hervorragende Flugleistungen ihrer Tauben nachweisen konnten, trugen indirekt zur Entwicklung eines Reservoirs an leistungsfähigen Nachrichtentauben bei, auf das im Ernstfall zurückgegriffen werden konnte.

Die Flugleistungen der Brieftauben wurden in organisierten Wettflügen gemessen, bei denen die Tiere über verschiedene Distanzen zu ihrem Heimatschlag zurückfinden mussten. Die Geschwindigkeit, mit der sie diese Strecken bewältigten, sowie die Zuverlässigkeit ihrer Heimkehr waren die entscheidenden Kriterien für die Bewertung. Nur die besten Leistungen wurden mit Medaillen wie dieser ausgezeichnet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele Organisationen und Vereine, die während der NS-Zeit bestanden hatten, aufgelöst oder mussten sich neu gründen. Die Brieftaubenzucht selbst überlebte jedoch als unpolitisches Hobby und Sport und wird bis heute in Deutschland und vielen anderen Ländern betrieben. Die historischen Auszeichnungen aus der NS-Zeit sind heute Sammlerstücke, die ein Zeugnis der umfassenden Durchdringung aller Lebensbereiche durch das nationalsozialistische Regime ablegen.

Für Sammler und Historiker sind solche Objekte wichtige Dokumente der Alltagsgeschichte. Sie zeigen, wie das NS-Regime selbst scheinbar unpolitische Freizeitaktivitäten instrumentalisierte und in sein System der Kontrolle und Mobilisierung einband. Die Erhaltung solcher Auszeichnungen in ihrem originalen Verleihungsetui erhöht ihren dokumentarischen und historischen Wert erheblich.