Kraftfahrbewährungsabzeichen in Bronze

Eisenblech bronziert, mit eiserner Unterlegscheibe, in der bedruckten Tüte des Herstellers "Rudolf Souval Wien 62/VII". Ungetragen, Zustand 2+.
511014
95,00

Kraftfahrbewährungsabzeichen in Bronze

Das Kraftfahrbewährungsabzeichen in Bronze stellt eine bedeutende Auszeichnung der deutschen Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs dar, die speziell zur Anerkennung der Leistungen von Kraftfahrern geschaffen wurde. Diese Auszeichnung wurde am 14. Oktober 1942 durch den Oberbefehlshaber der Wehrmacht gestiftet und sollte die besondere Bewährung von Kraftfahrern im Einsatz würdigen.

Die Stiftung dieses Abzeichens erfolgte zu einem Zeitpunkt, als die motorisierte Kriegsführung eine zentrale Rolle in den militärischen Operationen spielte. Kraftfahrer waren unverzichtbar für den Nachschub, den Transport von Truppen und die Beweglichkeit der Wehrmacht an allen Fronten. Das Abzeichen existierte in drei Stufen: Bronze (für Fahrleistungen bis 20.000 km unter Feindeinwirkung), Silber (für 40.000 km) und Gold (für 60.000 km). Die bronzene Stufe stellte die erste Anerkennungsstufe dar.

Das vorliegende Exemplar stammt vom renommierten Hersteller Rudolf Souval aus Wien 62/VII, einer der bekanntesten Manufakturen für militärische Auszeichnungen während der NS-Zeit. Die Firma Souval, die bereits seit dem Ersten Weltkrieg Orden und Ehrenzeichen produzierte, gehörte zu den führenden Herstellern im Großdeutschen Reich. Nach dem Anschluss Österreichs 1938 wurde das Unternehmen in die Produktion von Auszeichnungen für die Wehrmacht eingebunden.

Das Abzeichen selbst besteht aus bronziertem Eisenblech mit einer eisernen Unterlegscheibe, was typisch für die Kriegsproduktion war, als hochwertige Materialien wie echte Bronze zunehmend knapp wurden. Die Gestaltung zeigt üblicherweise ein stilisiertes Kraftfahrzeug, umgeben von einem Eichenlaubkranz, als Symbol deutscher militärischer Tradition.

Die Verleihungsbestimmungen waren streng geregelt: Der Kraftfahrer musste die erforderliche Kilometerleistung unter Feindeinwirkung zurückgelegt haben, was Fahrten in Kampfgebieten, unter Beschuss oder unter anderen gefährlichen Bedingungen einschloss. Die Verleihung erfolgte durch die jeweiligen Truppenkommandeure nach Prüfung der Fahrtenbücher und Bestätigung der Einsatzbedingungen.

Besonders bemerkenswert an diesem Exemplar ist der ungetragene Zustand und die Erhaltung in der Originaltüte des Herstellers. Dies deutet darauf hin, dass das Abzeichen entweder nie verliehen wurde oder vom Empfänger nie getragen wurde. Solche Exemplare in Originalverpackung sind heute äußerst selten und besitzen einen besonderen dokumentarischen Wert für die militärhistorische Forschung.

Die Produktion bei Souval erfolgte unter Kriegsbedingungen, was sich in der Materialwahl widerspiegelt. Während frühe Kriegsauszeichnungen oft aus hochwertigen Materialien gefertigt wurden, zeigen spätere Produktionen zunehmend Sparmaßnahmen. Das bronzierte Eisenblech war eine praktische Lösung, die das Erscheinungsbild beibehielt, aber kostengünstiger und materialsparender war.

Nach Kriegsende 1945 wurden alle nationalsozialistischen Auszeichnungen durch das Kontrollratsgesetz Nr. 1 vom 20. September 1945 verboten. Das Tragen solcher Abzeichen ist in Deutschland nur zu militärhistorischen Forschungs- und Aufklärungszwecken zulässig. Die Firma Souval existierte nach dem Krieg weiter und produzierte Auszeichnungen für die Republik Österreich.

Das Kraftfahrbewährungsabzeichen dokumentiert die zunehmende Mechanisierung der Kriegsführung im 20. Jahrhundert und die Notwendigkeit, auch die Leistungen nicht-kämpfender Einheiten anzuerkennen. Kraftfahrer waren oft erheblichen Gefahren ausgesetzt, von Tieffliegern über Partisanenangriffe bis zu den extremen Witterungsbedingungen an der Ostfront.

Heute sind solche Auszeichnungen wichtige Studienobjekte für Militärhistoriker und Sammler, die sich mit der Auszeichnungspraxis der Wehrmacht befassen. Sie ermöglichen Einblicke in die Organisation, Logistik und Anerkennungskultur der deutschen Streitkräfte während des Zweiten Weltkriegs.