Luftwaffe Winterfellmütze

Um 1942. Fertigung aus Fell, mit Vorderschirm und seitlichen Klappen. Mit aufgenähtem Luftwaffenadler und Kokarde, Größe ca. 55. Fleckig, Stoßkanten beschädigt, Zustand 2.

Eine typische Mütze für die Luftwaffen Felddivision, nach den Erfahrungen im Winterfeldzug in Russland entworfen.
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600,00

Luftwaffe Winterfellmütze – Ein Zeugnis des Winterkrieges an der Ostfront

Die hier vorgestellte Luftwaffe Winterfellmütze, datiert auf circa 1942, ist ein eindrucksvolles Beispiel jener Ausrüstungsgegenstände, die als direkte Reaktion auf die katastrophalen Erfahrungen des ersten Kriegswinters in Russland entwickelt wurden. Diese Mütze aus Fell, ausgestattet mit Vorderschirm und seitlichen Klappen sowie aufgenähtem Luftwaffenadler und Kokarde in der Größe 55, erzählt eine Geschichte von Improvisation, Notwendigkeit und der harten Realität des Ostfrontkrieges.

Historischer Hintergrund: Der Winter 1941/42

Die extreme Kälte, der die deutschen Truppen an der russischen Front im Winter 1941/42 ausgesetzt waren, traf die Wehrmacht völlig unvorbereitet. Es mangelte nicht nur an wärmespeichernder Winterbekleidung, sondern auch an Schneetarnmitteln. Die Folge war eine Vielzahl von hastig improvisierten und behelfsmäßigen Wärmeschutz- und Schneetarnartikeln – von ziviler Winterkleidung bis hin zu weißen Bettlaken wurde alles verwendet, was irgendwie Schutz vor der tödlichen Kälte bot.

Aus dieser bitteren Erfahrung heraus erkannte das Oberkommando der Wehrmacht die dringende Notwendigkeit einer besseren Winterausrüstung. Bereits im Frühjahr 1942 begannen umfangreiche Tests neuer Winterbekleidung. Im April 1942 genehmigte Adolf Hitler persönlich das ausgewählte Design der Winterfellmütze, deren Vorbild die sowjetische Feldmütze war. Die ersten Exemplare wurden im Herbst 1942 an die Truppe ausgegeben.

Konstruktion und Varianten

Es gab kein offizielles Standardmodell der Winterfellmütze, was zu einer bemerkenswerten Vielfalt an Konstruktionsvarianten führte. Der am häufigsten anzutreffende Typ folgte dem Grundschnitt der Gebirgsmütze und der M43-Mütze mit herunterklappbaren Rücken- und Seitenklappen, die zum Schutz von Ohren und Nacken des Trägers dienten. Die Mütze verfügte über einen vorderen Schirm und Seiten- bzw. Rückenklappen, die entweder heruntergeklappt oder mit einer Fadenschlaufe und einem Knopf hochgehalten werden konnten.

Die Materialvielfalt war beträchtlich: Es existierten Exemplare aus grauem Kunstfell mit blaugrauem Stoff und Seitenklappen, Ausführungen aus Luftwaffe-blauem Stoff mit Schaffell-Klappen sowie Varianten aus feldgrauer Wolle mit Kunstseidenfutter und Kaninchenfellfütterung an Schirm und Ohrklappen. Verbreitet war auch die Verwendung von Naturleder außen mit Schafwolle oder Kaninchenfell im Inneren. Darüber hinaus gab es geweißte Schaffellversionen in Patchwork-Konstruktion sowie Varianten nach dem Muster der sowjetischen Uschanka.

Die seitlichen Klappen wiesen jeweils einen kleinen kreisrunden Ausschnitt mit einem überlappenden, horizontalen, U-förmigen Verschlusspanel auf, das mit einem braun lackierten „Prym“-Druckknopf aus Blech gesichert wurde. Die Insignien bestanden aus dem Luftwaffe-Stoffadler und der Nationalkokarde, wobei der Adler entweder aus feinem Zink gefertigt oder gestickt sein konnte. Verschiedene Hersteller produzierten diese Mützen, darunter August Schellenberg (Bromberg), G.A. Hoffmann und Lago Berlin. Im Inneren fanden sich häufig Herstellerstempel und Abnahmestempel, darunter dokumentierte L.B.A.-Stempel.

Ausgabe und Verwendung

Die Winterfellmützen waren ein regulärer Ausrüstungsgegenstand, der allen Mannschaften und Unteroffizieren für die Wintersaison vom 15. September bis zum 15. April zusammen mit anderen Winterbekleidungsstücken ausgegeben wurde. Nach Ende der Saison mussten sie an das Magazin der Einheit zurückgegeben werden, wo sie gelagert, repariert und gereinigt wurden, um im folgenden September erneut ausgegeben zu werden. Ursprünglich waren Offiziere und dienstältere Unteroffiziere, die ihre Uniformen und Kopfbedeckungen selbst beschaffen mussten, verpflichtet, die neuen Winterbekleidungsstücke auf eigene Kosten zu erwerben. Erst Vorschriften vom Dezember 1942 erweiterten die Ausgabe von Winterbekleidung auf alle Dienstgrade in den kälteren Einsatzgebieten.

Die Luftwaffen-Felddivisionen

Die Luftwaffen-Felddivisionen wurden im Oktober 1942 offiziell autorisiert, nachdem Vorschläge laut geworden waren, die deutsche Armee durch die Versetzung von Personal aus anderen Teilstreitkräften zu verstärken. Der Chef der Luftwaffe, Hermann Göring, formulierte einen alternativen Plan, eigene Infanterieformationen unter dem Kommando von Luftwaffenoffizieren aufzustellen. Die Divisionen wurden aus 200.000 bis 250.000 Luftwaffen-Boden-, Unterstützungs- und sonstigem überschüssigem Personal gebildet.

Die meisten dieser Einheiten verbrachten einen Großteil ihrer Existenz an der Ostfront. Luftwaffen-Felddivisionen waren an bedeutenden Kampfhandlungen beteiligt, darunter das als „Kleines Stalingrad des Nordens“ bekannte Geschehen – der Versuch, Weliki Luki von November 1942 bis Januar 1943 zu entsetzen – sowie die Schlacht um Newel. Die Divisionen wurden mit der regulären Luftwaffe-feldblauen Uniform ausgestattet und waren dadurch so leicht zu identifizieren, dass sie angeblich von gegnerischen Kräften oft gezielt ins Visier genommen wurden.

Zunächst verblieben die Luftwaffen-Felddivisionen unter Luftwaffenkommando, doch Ende 1943 wurden diejenigen, die nicht bereits aufgelöst worden waren, an das Heer übergeben und als reguläre Infanteriedivisionen reorganisiert.

Bedeutung für Sammler

Die Winterfellmützen wurden bis zum Kriegsende überall dort eingesetzt, wo deutsche Streitkräfte winterlichen Bedingungen ausgesetzt waren. Nach dem Krieg wurden diese Mützen zu begehrten Sammlerstücken, wobei viele Exemplare von alliierten Veteranen als Kriegssouvenirs mit nach Hause gebracht wurden. Die vorliegende Mütze, mit ihren Gebrauchsspuren und ihrer Größe 55, ist ein authentisches Zeugnis der Bemühungen, die deutschen Soldaten an der Ostfront gegen die mörderische Kälte zu schützen – ein stummer Zeuge einer der brutalsten Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges.