Der Helm Modell 1889/90 für Unteroffiziere der Leibgendarmerie repräsentiert eines der seltensten und bedeutendsten Stücke preußischer Militärgeschichte. Dieser außergewöhnliche Helm wurde durch die Allerhöchste Kabinetts-Order vom 21. Januar 1890 eingeführt und ersetzte das schwere Vorgängermodell von 1862. Das vorliegende Exemplar stammt aus der Fertigung der renommierten Berliner Firma C.E. Juncker aus dem Jahr 1913 und trägt die Stempel “C.E. Juncker 1913” auf der Helmglocke sowie “B.A.G. 1913” im Innenfutter, was für Bekleidungsamt des Gardekorps steht.
Die Firma C.E. Juncker wurde ursprünglich 1851 als Geschäft für Militäreffekten gegründet und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Hersteller von Uniformen, Auszeichnungen und Helmen. Das Unternehmen blieb bis in die Zeit des Dritten Reiches aktiv und gehörte zu den produktivsten Herstellern militärischer Ausrüstungsgegenstände.
Die Leibgendarmerie war eine außergewöhnliche Einheit der preußischen Armee, die dem König persönlich zur besonderen Verfügung stand. Die moderne Zweizug-Struktur der Einheit wurde 1889 unter Kaiser Wilhelm II. etabliert, der von 1888 bis 1918 regierte. Ab diesem Zeitpunkt bestand die Leibgendarmerie aus insgesamt 48 Unteroffizieren, aufgeteilt in zwei Züge mit je 24 Mann. Der 1. Zug stand dem Kaiser zur Verfügung, während der 2. Zug, der durch AKO vom 28. Juni 1889 aufgestellt wurde, der Kaiserin Auguste Viktoria diente.
Die Mitglieder dieser Eliteeinheit wurden aus erfahrenen Kavallerie-Unteroffizieren ausgewählt. Ihre Aufgaben umfassten den Ordonnanzdienst, das Überbringen von Briefen und Befehlen aus dem königlichen Kabinett, das Bereithalten wichtiger Unterlagen sowie die Begleitung Ihrer Majestäten bei Staatsbesuchen, Manövern und Reisen. Bei allen Paraden des Gardekorps und den Kaisermanövern führte die Leibgendarmerie die Standarten des Kaisers und der Kaiserin mit. Ein Trompeter der Leibgendarmerie blies bei den alljährlichen Kaisermanövern am Übungsende das Signal “Das Ganze Halt!”
Das Modell 1889/90 stellte eine bedeutende technische Neuerung dar. Die aus vernickeltem Stahl gefertigte Helmglocke war deutlich leichter als ihre Vorgänger. Charakteristisch für dieses Modell sind die geknickten Schirme: der vordere, quadratische Schirm mit Zuspitzung in der Mitte und der ebenfalls geknickte, geschweifte Nackenschirm. Der Vorderschirm war grün, der Nackenschirm schwarz lackiert.
Als Paradehelm für Unteroffiziere verfügte dieses Exemplar über außergewöhnlich prächtige Ausstattungsmerkmale. Der aufgelegte Gardestern mit emailliertem schwarzen Adler im Zentrum und Mottoband war aus Tombak gefertigt. Besonders bemerkenswert ist der vergoldete, abnehmbare Paradeadler aus Tombak mit hochgestellten Flügeln und aufgeschraubter Krone, der auf einer kreuzförmigen Grundplatte befestigt war. Die gewölbten Schuppenketten aus Tombak waren am Knopf 94 befestigt, und beide Kokarden – die Reichs- und die Staatskokarde – waren vorhanden. Das schwarze Lederfutter war gelascht ausgeführt.
Die Leibgendarmerie nahm während des Ersten Weltkrieges eine absolute Sonderstellung ein. Der 1. Zug wurde zum Großen Hauptquartier kommandiert und begleitete den Kaiser. Zusammen mit der Schloßgarde-Kompanie war die Leibgendarmerie die einzige deutsche Einheit, die niemals mit feldgrauer Uniform ausgestattet wurde. Die Friedensuniformen wurden bis Kriegsende 1918 beibehalten, was die besondere zeremonielle Rolle dieser Eliteeinheit unterstreicht.
Mit der Abdankung Kaiser Wilhelms II. am 9. November 1918, dem Waffenstillstand vom 11. November 1918 und dem Zusammenbruch des Deutschen Kaiserreichs und der preußischen Monarchie wurde die Leibgendarmerie aufgelöst. Mit der Gründung der Weimarer Republik wurden alle kaiserlichen Einheiten disbanded.
Die historische Entwicklung des Helms der Leibgendarmerie reicht weiter zurück: Ein früheres Helmmodell wurde bereits 1843 durch AKO vom 28. Juli 1843 mit Messingbeschlägen eingeführt und 1862 durch AKO vom 7. Oktober 1862 modifiziert, wobei dem Gardestern ein Mottoband hinzugefügt wurde. Das Modell 1889/90 stellte die letzte bedeutende Neuentwicklung dar.
Das beschriebene Exemplar stammt aus der legendären Sammlung von Wolfgang Schulze von Mertschinsky und ist in dem Fachbuch “Militaria der deutschen Kaiserzeit - Helme und Uniformen 1871-1914” von Jan K. Kube aus dem Jahr 1977 abgebildet. Die außergewöhnliche Seltenheit dieser Helme wird durch ihre äußerst begrenzte Produktionszahl bestätigt – sie wurden ausschließlich für die 48 Unteroffiziere der Leibgendarmerie gefertigt.