Preußen kleines Kabinettfoto eines Reservisten im 3. Garde-Regiment zu Fuß, II. Companie

Sehr schöne Aufnahme um 1890, handkoloriert, aufgenommen in Berlin.
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25,00

Preußen kleines Kabinettfoto eines Reservisten im 3. Garde-Regiment zu Fuß, II. Companie

Das vorliegende handkolorierte Kabinettfoto zeigt einen Reservisten des 3. Garde-Regiments zu Fuß, II. Companie, aufgenommen um 1890 in Berlin. Solche Fotografien stellen wichtige zeitgeschichtliche Dokumente dar, die nicht nur militärhistorische Aspekte beleuchten, sondern auch sozial- und kulturgeschichtliche Einblicke in das Deutsche Kaiserreich gewähren.

Das 3. Garde-Regiment zu Fuß gehörte zur preußischen Garde und wurde 1860 als drittes Infanterieregiment der Garde-Korps aufgestellt. Die Garde-Regimenter genossen innerhalb der preußischen Armee ein besonderes Ansehen und rekrutierten ihre Mannschaften bevorzugt aus den Kernprovinzen Preußens. Das Regiment war in Berlin stationiert, wo auch die meisten Garde-Einheiten ihren Standort hatten, um in der Reichshauptstadt präsent zu sein und zeremonielle Aufgaben wahrzunehmen.

Die Aufnahme entstand in der Zeit nach der Reichsgründung von 1871, einer Periode, in der das Deutsche Kaiserreich seine militärische Macht und seinen Stolz demonstrierte. Die Reservisten spielten im preußisch-deutschen Wehrsystem eine zentrale Rolle. Nach ihrer aktiven Dienstzeit von in der Regel zwei bis drei Jahren wurden die Soldaten in die Reserve entlassen, wo sie weitere Jahre dienstpflichtig blieben. Dies ermöglichte es dem Deutschen Reich, im Kriegsfall auf eine große Zahl ausgebildeter Soldaten zurückzugreifen.

Die fotografische Darstellung von Reservisten war ein weit verbreitetes Phänomen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das Kabinettformat, das um 1866 eingeführt wurde und etwa 16,5 x 10,8 cm maß, etablierte sich schnell als Standardformat für Portraitfotografie. Diese Fotografien wurden typischerweise am Ende der Dienstzeit oder bei besonderen militärischen Anlässen angefertigt und dienten als Erinnerungsstücke.

Die Handkolorierung solcher Fotografien war um 1890 eine gängige Praxis, um den ansonsten monochromen Aufnahmen Leben einzuhauchen. Spezialisierte Koloristen trugen mit feinen Pinseln Farben auf, um Uniformdetails, Abzeichen, Rangabzeichen und persönliche Merkmale hervorzuheben. Dies war ein aufwendiger Prozess, der die Fotografien deutlich verteuerte, aber besonders bei militärischen Portraitaufnahmen beliebt war.

Die Uniform des 3. Garde-Regiments zu Fuß folgte den preußischen Uniformvorschriften der Zeit. Die Garde-Infanterie trug einen dunkelblauen Waffenrock mit roten Aufschlägen und Kragen. Die Kompaniezugehörigkeit zur II. Companie war durch spezifische Abzeichen erkennbar. Die Garde-Regimenter unterschieden sich durch besondere Distinktionen von der Linien-Infanterie, darunter der charakteristische Gardestern auf der Kopfbedeckung.

Berliner Fotostudios spezialisierten sich auf militärische Portraitfotografie und befanden sich häufig in der Nähe von Kasernen. Diese Studios verfügten über entsprechende Requisiten und Hintergründe, die den militärischen Charakter der Aufnahmen unterstrichen. Fotografen wie Carl Günther, Hermann Rückwardt oder andere bekannte Berliner Atelierbetreiber fertigten Tausende solcher Aufnahmen an.

Der soziale Kontext dieser Fotografien ist bemerkenswert. Der Militärdienst war für junge Männer im Kaiserreich nicht nur Pflicht, sondern auch eine Frage der Ehre und des gesellschaftlichen Ansehens. Ein Reservistenfoto in Uniform zu besitzen und zu präsentieren, war Ausdruck von Vaterlandstreue und männlicher Identität. Diese Fotografien wurden in bürgerlichen Haushalten ausgestellt und an Familienmitglieder verschenkt.

Die Reservistenzeit wurde oft mit besonderen Bräuchen und Traditionen begangen. Reservisten trugen häufig spezielle Reservistenkrüge, ließen Reservistenbilder anfertigen oder trugen bei Feierlichkeiten besondere Dekorationen. Diese Traditionen pflegten den Korpsgeist und die Verbundenheit mit der militärischen Einheit.

Fotografien wie diese sind heute wertvolle Quellen für die Uniformkunde und Militärgeschichte. Sie dokumentieren authentisch die Trageweise der Uniformen, die Ausrüstung und die Erscheinung der Soldaten jener Zeit. Für Sammler und Historiker bieten sie Einblicke in die materielle Kultur des Kaiserreichs und ergänzen schriftliche Quellen und offizielle Uniformvorschriften.

Das 3. Garde-Regiment zu Fuß nahm an den bedeutenden militärischen Konflikten des 19. Jahrhunderts teil, darunter der Deutsche Krieg von 1866 und der Deutsch-Französische Krieg 1870/71. Die Angehörigen dieser Elite-Einheit trugen ihre Zugehörigkeit mit besonderem Stolz und die Fotografien dokumentieren diesen militärischen Esprit der Epoche.