Preußischer Landeskriegerverband Ehrenkreuz 2.Klasse "Preussens tapferen Kriegern" 1914-1918

Buntmetall versilbert teils vergoldet und emailliert, ohne Band, Zustand 2.
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200,00

Preußischer Landeskriegerverband Ehrenkreuz 2.Klasse "Preussens tapferen Kriegern" 1914-1918

Das Ehrenkreuz 2. Klasse des Preußischen Landeskriegerverbandes mit der Inschrift “Preußens tapferen Kriegern” stellt eine bedeutende Erinnerungsauszeichnung aus der Zeit des Ersten Weltkrieges dar. Diese Auszeichnung wurde nicht vom preußischen Staat selbst, sondern vom Preußischen Landeskriegerverband gestiftet, einer der größten und einflussreichsten Veteranenorganisationen der Weimarer Republik.

Der Preußische Landeskriegerverband wurde bereits im 19. Jahrhundert gegründet und entwickelte sich zu einer mächtigen Organisation, die nach dem Ersten Weltkrieg mehrere Millionen Mitglieder zählte. Als Dachorganisation vereinigte er lokale Kriegervereine und Veteranenverbände in ganz Preußen. Nach dem verlorenen Krieg und der Auflösung der Monarchie übernahmen solche Verbände eine wichtige Rolle bei der Pflege des Andenkens an die gefallenen Kameraden und der Unterstützung von Kriegsversehrten und Hinterbliebenen.

Das vorliegende Ehrenkreuz wurde in zwei Klassen verliehen, wobei die 2. Klasse die niedrigere Stufe darstellte. Die Auszeichnung richtete sich an Veteranen des Ersten Weltkrieges, die dem Landeskriegerverband angehörten oder besondere Verdienste um die Veteranenarbeit erworben hatten. Die Inschrift “Preußens tapferen Kriegern” verweist auf die traditionelle preußische Militärtradition und den Stolz auf die militärische Leistung, die trotz der Niederlage hochgehalten wurde.

Die Herstellung und Gestaltung dieser Verbandsauszeichnung erfolgte typischerweise aus Buntmetall, das teils versilbert und teils vergoldet wurde. Die Emaillierung einzelner Bereiche verlieh der Auszeichnung ihre charakteristische farbige Gestaltung. Diese Fertigungstechnik war in den 1920er Jahren weit verbreitet und ermöglichte eine relativ kostengünstige Produktion bei dennoch ansprechendem Aussehen. Die Kombination aus Versilberung und Vergoldung sollte den Wert und die Bedeutung der Auszeichnung unterstreichen, auch wenn es sich nicht um eine staatliche Dekoration handelte.

Im Gegensatz zu staatlichen Ordensauszeichnungen des Kaiserreichs oder der Weimarer Republik waren Verbandsauszeichnungen wie das Ehrenkreuz des Landeskriegerverbandes private Stiftungen. Sie konnten ohne staatliche Genehmigung verliehen werden und unterlagen nicht den strengen Verleihungsbestimmungen offizieller Orden. Dies führte zu einer Vielzahl verschiedener Veteranenabzeichen und Ehrenkreuze, die von unterschiedlichen Organisationen gestiftet wurden.

Die historische Einordnung dieser Auszeichnung ist untrennbar mit der Veteranenbewegung der Weimarer Republik verbunden. Die Kriegervereine spielten eine ambivalente Rolle in der ersten deutschen Demokratie. Einerseits boten sie wichtige soziale Unterstützung für Kriegsteilnehmer und deren Familien, andererseits pflegten viele dieser Verbände einen ausgeprägten Militarismus und standen der demokratischen Ordnung skeptisch gegenüber. Der Preußische Landeskriegerverband gehörte zu den konservativen Organisationen, die die monarchistische Tradition hochhielten.

Die Jahre 1914-1918, die auf der Auszeichnung vermerkt sind, markieren die Dauer des Ersten Weltkrieges, in dem das Deutsche Kaiserreich gemeinsam mit Österreich-Ungarn gegen die Entente-Mächte kämpfte. Für Preußen als größten Bundesstaat des Kaiserreichs bedeutete dieser Krieg eine enorme Belastung. Millionen preußischer Soldaten dienten in den Streitkräften, hunderttausende fielen oder wurden verwundet.

Das Fehlen des Bandes bei dem beschriebenen Exemplar ist nicht ungewöhnlich, da viele dieser Auszeichnungen im Laufe der Jahrzehnte ihre ursprünglichen Bänder verloren haben. Die Bänder waren typischerweise in den preußischen Farben Schwarz-Weiß oder in anderen symbolträchtigen Farbkombinationen gehalten.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurden viele traditionelle Veteranenverbände gleichgeschaltet oder aufgelöst. Der Preußische Landeskriegerverband verlor seine Eigenständigkeit und wurde in die nationalsozialistischen Organisationen eingegliedert. Dies markierte das Ende einer Ära der traditionellen Kriegervereine.

Heute stellen solche Verbandsauszeichnungen wichtige historische Quellen dar, die Einblick in die Erinnerungskultur der Zwischenkriegszeit geben. Sie dokumentieren, wie die Veteranen des Ersten Weltkrieges ihre Erfahrungen verarbeiteten und welche Bedeutung militärische Traditionen in der Weimarer Republik behielten. Sammler und Museen bewahren diese Stücke als Zeugnisse einer komplexen und widersprüchlichen Epoche deutscher Geschichte.