Reichsbund Deutscher Kleingärtner ( RDK ) - Jubiläumsabzeichen für 25jährige Mitgliedschaft

an Nadel, Zustand 2.
516414
€ 100,00

Reichsbund Deutscher Kleingärtner ( RDK ) - Jubiläumsabzeichen für 25jährige Mitgliedschaft

Das Jubiläumsabzeichen für 25-jährige Mitgliedschaft des Reichsbundes Deutscher Kleingärtner steht als greifbares Zeugnis für die tiefgreifende Gleichschaltung der deutschen Zivilgesellschaft während der nationalsozialistischen Herrschaft. Dieses Abzeichen verkörpert nicht nur die Anerkennung langjähriger Vereinstreue, sondern auch die systematische Unterwerfung einer ehemals demokratischen Bewegung unter die totalitäre Ideologie des Dritten Reiches.

Die Geschichte des Reichsbundes beginnt mit der gewaltsamen Umgestaltung der deutschen Kleingärtnervereine im Jahr 1933. Am 29. Juli 1933 wurden auf dem Reichskleingärtnertag in Nürnberg die zuvor unabhängigen und demokratischen Kleingartenvereine zwangsweise in den Reichsbund der Kleingärtner und Kleinsiedler Deutschlands e.V. überführt. Diese Gleichschaltung erfasste etwa 530.000 deutsche Kleingärtner, die nun in eine zentral geführte Organisation integriert wurden. Die demokratisch gewählten Vorstände wurden abgeschafft und durch ernannte Vereinsführer nach dem nationalsozialistischen Führerprinzip ersetzt.

Die treibende Kraft hinter dieser Gleichschaltung war Karl Freytag, ein fanatischer Nationalsozialist, der im März 1933 der NSDAP beigetreten war. Im Jahr 1934 diente Hans Kammler als Leiter der Organisation – eine Figur, die später als SS-Obergruppenführer für den Bau von Konzentrationslagern und das V-2-Raketenprogramm berüchtigt werden sollte. Seine administrative Rolle in der frühen Phase der Organisation zeigt die enge Verzahnung zwischen scheinbar harmloser Vereinstätigkeit und dem verbrecherischen NS-Apparat. Im Jahr 1938 erfolgte eine weitere Umbenennung in Reichsbund Deutscher Kleingärtner e.V., unter welchem Namen die Organisation bis 1945 fortbestand.

Das Jubiläumsabzeichen wurde an Mitglieder verliehen, die 25 Jahre dem Kleingärtnerbund angehört hatten. Das System der Jubiläumsabzeichen umfasste verschiedene Stufen für 10, 20, 25 und 50 Jahre Mitgliedschaft, wobei das 25-jährige Abzeichen eine mittlere Stufe der Langzeitmitgliedschaft darstellte. Neben diesen Jubiläumsabzeichen existierten auch Standard-Mitgliedsabzeichen sowie regionale Varianten für spezifische Provinzgruppen wie Schleswig-Holstein. Einige Abzeichen trugen Nummerierungen.

Das vorliegende Abzeichen aus Metall, typischerweise mit Emaildetails versehen, wurde an einer Nadel getragen und misst etwa 28-30 Millimeter in der Länge. Die Vorderseite zeigt die Inschrift “Reichsbund Deutscher Kleingärtner” um ein Adleremblem herum, ergänzt durch die Jahresbezeichnung für die 25-jährige Mitgliedschaft. Die Rückseite trägt üblicherweise die Herstellermarke, da verschiedene Firmen diese Abzeichen produzierten, darunter B.H. Mayer in Pforzheim, Carl Poellath in Schrobenhausen, Frank & Reif in Stuttgart und Wilh. Deumer in Lüdenscheid.

Die ideologische Dimension dieser Organisation war fundamental. Die Kleingärtner wurden in die nationalsozialistische Propagandamaschinerie und die Ernährungsschlacht – die Kampagne zur Nahrungsmittelproduktion – eingebunden. Programmatisch durfte der “heilige deutsche Boden” nur von Ariern bearbeitet werden; Juden war das Halten von Kleingärten verboten. Die Mitgliedschaft in der Organisation war für organisierte Kleingärtner nach 1933-1934 verpflichtend. Was ursprünglich als friedliche Freizeitaktivität begonnen hatte, wurde zu einem Instrument nationalsozialistischer Rassenideologie und Kriegswirtschaft umfunktioniert.

Mit dem Zusammenbruch des Dritten Reiches 1945 wurde der Reichsbund Deutscher Kleingärtner zusammen mit allen NS-Organisationen von den alliierten Besatzungsbehörden verboten. In den Besatzungszonen erfolgte ab 1945-1946 eine Neuorganisation der Kleingartenvereine. In Westdeutschland wurde 1949 der Verband Deutscher Kleingärtner (VDK) gegründet, der 1973 in Bundesverband Deutscher Gartenfreunde (BDG) umbenannt wurde. In der DDR entstand 1959 der Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter (VKSK). Diese Nachkriegsorganisationen lehnten die nationalsozialistische Ideologie explizit ab und kehrten zu demokratischen Prinzipien zurück.

Das Jubiläumsabzeichen für 25-jährige Mitgliedschaft dokumentiert somit nicht nur individuelle Vereinstreue, sondern steht exemplarisch für die Perversion einer harmlosen Bürgerbewegung durch totalitäre Machthaber. Es erinnert daran, wie selbst der Anbau von Gemüse im eigenen Garten zu einem Instrument von Rassenpolitik und Kriegswirtschaft werden konnte.