Zaristisches Russland - Einzel Kokarde für die Schirmmütze Mannschaften

Aluminium, rückseitig mit Splint. Zustand 2-
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75,00

Zaristisches Russland - Einzel Kokarde für die Schirmmütze Mannschaften

Die Kokarde für Schirmmützen der Mannschaften aus dem zaristischen Russland stellt ein faszinierendes Zeugnis der militärischen Uniformtradition des Russischen Kaiserreiches dar. Diese Einzelkokarde aus Aluminium mit rückseitigem Splint repräsentiert einen wesentlichen Bestandteil der militärischen Kopfbedeckung der einfachen Soldaten und Unteroffiziere im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert.

Historischer Kontext und Entwicklung

Die Kokarde als militärisches Abzeichen hat in der russischen Armee eine lange Tradition, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht. Unter Peter dem Großen begann die Modernisierung und Europäisierung der russischen Streitkräfte, wobei westeuropäische Uniformstandards übernommen wurden. Die Kokarde in den russischen Nationalfarben Schwarz-Orange-Weiß (später Schwarz-Gelb-Weiß) wurde zu einem unverwechselbaren Erkennungszeichen der kaiserlichen Truppen.

Die hier beschriebene Kokarde aus Aluminium deutet auf eine Herstellung im späten zaristischen Zeitalter hin, vermutlich zwischen 1890 und 1917. Die Verwendung von Aluminium anstelle von Messing oder anderen Metallen war eine praktische Entscheidung, die sowohl wirtschaftliche als auch produktionstechnische Gründe hatte. Aluminium war leichter, kostengünstiger in der Massenproduktion und oxidierte weniger als andere Metalle.

Rangunterscheidungen und Uniformvorschriften

Im zaristischen Heer gab es strikte Unterscheidungen zwischen den Kokarden für Offiziere und jenen für Mannschaften (einfache Soldaten und Unteroffiziere). Während Offiziere oft aufwendigere Kokarden aus hochwertigeren Materialien trugen, teilweise mit Email- oder Goldverzierungen, erhielten die Mannschaften einfachere, funktionale Ausführungen. Die Kokarde wurde auf der Schirmmütze (Feldmütze oder Dienstmütze) getragen, die Teil der täglichen Uniform war.

Die russischen Uniformvorschriften wurden regelmäßig durch kaiserliche Erlasse präzisiert. Besonders unter Zar Alexander III. (1881-1894) und Zar Nikolaus II. (1894-1917) erfolgten mehrere Uniformreformen, die auch die genaue Ausgestaltung der Kokarden regelten. Diese Vorschriften legten Material, Größe, Farben und Trageweise fest.

Technische Merkmale und Herstellung

Der rückseitige Splint war das typische Befestigungssystem für Kokarden dieser Zeit. Zwei Metallstifte wurden durch das Mützengewebe gesteckt und auf der Innenseite umgebogen oder mit einer kleinen Platte gesichert. Diese Befestigungsmethode war robust und ermöglichte bei Bedarf ein Auswechseln der Kokarde.

Die Produktion solcher Kokarden erfolgte in staatlichen und privaten Manufakturen im gesamten Russischen Reich. Wichtige Produktionsstätten befanden sich in Sankt Petersburg, Moskau und Tula. Die Massenproduktion war notwendig, um die immense russische Armee auszustatten, die vor dem Ersten Weltkrieg über 1,4 Millionen aktive Soldaten umfasste.

Die Kokarde im Ersten Weltkrieg

Während des Ersten Weltkrieges (1914-1918) erreichte die Produktion militärischer Ausrüstung in Russland ihren Höhepunkt. Millionen von Soldaten wurden mobilisiert, und die Nachfrage nach Uniformteilen, einschließlich Kokarden, stieg dramatisch an. Die Materialknappheit führte teilweise zu Qualitätsschwankungen und vereinfachten Produktionsverfahren.

Das Ende einer Ära

Mit der Februarrevolution 1917 und dem Sturz des Zaren endete die Verwendung der imperialen Kokarden zunächst nicht sofort. Die provisorische Regierung behielt viele militärische Traditionen bei. Erst nach der Oktoberrevolution 1917 und der Gründung der Roten Armee im Februar 1918 wurden die zaristischen Symbole systematisch durch neue, sowjetische Abzeichen ersetzt. Die Kokarde mit dem roten Stern wurde zum neuen Symbol.

Sammlerwert und historische Bedeutung

Heute sind authentische zaristische Kokarden gesuchte Sammlerobjekte. Sie dokumentieren nicht nur militärhistorische Details, sondern auch die gesellschaftlichen Strukturen und technologischen Möglichkeiten ihrer Zeit. Der angegebene Zustand 2- deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar mit leichten Gebrauchsspuren hin, was für ein über hundert Jahre altes militärisches Gebrauchsobjekt bemerkenswert ist.

Diese Kokarden sind stumme Zeugen einer untergegangenen Epoche, getragen von Soldaten, die in den Weiten des Russischen Reiches dienten, von der Ostsee bis zum Pazifik, von den Grenzen zu Deutschland und Österreich-Ungarn bis nach Zentralasien und zur chinesischen Grenze.