Dr. Pierre Lerneux: The Belgian Army in the Great War

Verlag Militaria. 600 pages, approx. 1650 colour colour photographs, contemporary BW-photographs and illustrations, bound in linen with a protective cover. Format: 29.5&thinsp×&thinsp26.0 cm.

In August 1914, Belgium suddenly made the newspaper headlines when Imperial Germany, forgetting its international commitments, invaded the little country, thereby violating its neutral status. Britain retaliated by declaring war. Like Serbia, “Poor Little Belgium” became a cause worth defending and gave legitimacy to the conflict that the allied nations entered into. In military terms, the Belgian army surprised the entire world by resisting with greater vigour than expected. With their modest resources (230,000 men), the Belgian armed forces, cornered as they were in a small and partly inundated scrap of territory, succeeded in fighting off the enemy for the duration of the war, and managed to join forces with the allies in the offensive of Autumn 1918. Belgium, a victim of crippling destruction and the systematic dismantling of its industry, was accordingly afforded priority in its entitlement for compensation when the peace treaties were signed. This volume of 600 pages (with more than 1,650 colour and black-and-white photographs) is dedicated to the uniforms and equipment used by the Belgian army and other affiliated armed forces such as the garde civique and the force publique in the Belgian Congo. The bibliographic data known to us to date on this subject is limited, representing no more than a set of articles and brochures brought together over the period of a century. This work, unprecedented in its comprehensiveness, can therefore be considered an excellent reference tome. It is based on the extensive collections on display in the Belgian Royal Museum of the Armed Forces and of Military History. Supplementary private collections have been the source of many other objects in order to provide as much illustrative material as possible for this publication. Like many small states in 1914, the Kingdom of Belgium had an army that absorbed and blended influences from the major powers, drawing inspiration from both France (uniforms) and Germany (equipment). Budgetary necessity meant that uniforms had to be simplified for the infantry (line infantry, chasseurs à pied, carabiniers, etc.), the cavalry (guides, lancers, chasseurs à cheval, etc.), the artillery and the engineering corps, leaving very few distinctive features - except some extremely outdated forms of headdress - to distinguish between the different arms. When stocks ran out, this striving to achieve uniformity culminated in the issuance of khaki uniforms in 1915. They were cut to a common pattern inspired by British styling. A new headdress, the French Adrian helmet, was introduced shortly afterwards. The circumstances of this war meant that the provenance of the basic materials and equipment was diverse, with France, Great Britain, Italy, Russia, Argentina and the United States supplying material for objects that have now become scarce in existing collections.

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Dr. Pierre Lerneux: The Belgian Army in the Great War

Die belgische Armee im Ersten Weltkrieg stellt eines der bemerkenswertesten Kapitel der Militärgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts dar. Als das Kaiserliche Deutschland am 4. August 1914 die belgische Neutralität verletzte und in das kleine Königreich einmarschierte, löste dies eine Kettenreaktion aus, die Großbritannien zum Kriegseintritt veranlasste. Belgien, ein Land mit nur 230.000 Mann unter Waffen, wurde über Nacht zum Symbol des Widerstands gegen die Aggression einer Großmacht.

Die Uniformen und Ausrüstung der belgischen Streitkräfte vor 1914 spiegelten die Position Belgiens zwischen den europäischen Großmächten wider. Das kleine Königreich hatte traditionell Anleihen sowohl bei Frankreich als auch bei Deutschland genommen. Die Uniformgestaltung folgte französischen Einflüssen mit ihren charakteristischen Schnitten und Farben, während die Ausrüstungsgegenstände und die militärische Organisation eher deutschem Vorbild folgten. Diese Mischung war typisch für kleinere europäische Staaten, die versuchten, von den Erfahrungen der Großmächte zu profitieren, ohne deren finanzielle Ressourcen zu besitzen.

Die belgische Infanterie bestand 1914 aus verschiedenen Truppengattungen: der Linieninfanterie, den Chasseurs à pied (Jägern zu Fuß), den Karabiniers und anderen Spezialtruppen. Jede dieser Einheiten hatte ursprünglich ihre eigenen Uniformmerkmale, doch budgetäre Zwänge hatten bereits vor dem Krieg zu einer gewissen Vereinheitlichung geführt. Die auffälligsten Unterscheidungsmerkmale blieben die verschiedenen Kopfbedeckungen, von denen einige bereits 1914 als hoffnungslos veraltet galten. Die belgische Kavallerie umfasste die prestigeträchtigen Guides, Lanciers (Lanzenreiter) und Chasseurs à cheval (berittene Jäger), die noch die farbenprächtigen Traditionen des 19. Jahrhunderts trugen.

Der Kriegsausbruch zwang die belgische Armee zu drastischen Anpassungen. Die ursprünglichen Uniformen mit ihren teilweise auffälligen Farben erwiesen sich im modernen Maschinengewehrkrieg als unpraktisch und gefährlich. Als die Lagerbestände erschöpft waren, führte Belgien 1915 eine Khaki-Uniform ein, die nach britischem Vorbild geschnitten war. Diese Entscheidung spiegelte sowohl praktische Notwendigkeiten als auch die zunehmende militärische Zusammenarbeit mit Großbritannien wider. Kurz darauf wurde auch der französische Adrian-Helm eingeführt, der den veralteten Kopfbedeckungen aus Friedenszeiten den endgültigen Abschied gab.

Die Versorgungslage der belgischen Armee während des Krieges war außerordentlich komplex. Nach der deutschen Invasion im August 1914 kontrollierte Belgien nur noch einen kleinen Streifen seines Territoriums hinter der Yser-Front. Große Teile dieses Gebiets waren absichtlich überflutet worden, um den deutschen Vormarsch zu stoppen – eine dramatische Maßnahme, die die verzweifelte Lage des Landes verdeutlichte. Unter diesen Umständen war Belgien vollständig auf Lieferungen der Alliierten angewiesen. Frankreich, Großbritannien, Italien, Russland, Argentinien und die Vereinigten Staaten lieferten Uniformen, Ausrüstung und Waffen. Diese internationale Versorgung führte zu einer bemerkenswerten Vielfalt an Ausrüstungsgegenständen innerhalb der belgischen Armee.

Neben der regulären Armee spielten auch andere bewaffnete Formationen eine wichtige Rolle. Die Garde Civique (Bürgergarde) war eine Art Milizformation, die traditionell für die innere Sicherheit zuständig war. Während des Krieges leisteten ihre Mitglieder wichtige Unterstützungsdienste. Auch die Force Publique im Belgischen Kongo verdient Erwähnung. Diese koloniale Streitmacht, die hauptsächlich aus afrikanischen Soldaten unter belgischer Führung bestand, führte einen weitgehend vergessenen Feldzug gegen die deutschen Kolonien in Ostafrika.

Die belgische Armee hielt vier Jahre lang an der Yser-Front stand, eine Leistung, die international Bewunderung hervorrief. Das Bild des "armen kleinen Belgien" (Poor Little Belgium) wurde zu einem wichtigen Propagandaelement der Alliierten und half, die Legitimität des Krieges gegen Deutschland zu untermauern. König Albert I. blieb während des gesamten Krieges bei seinen Truppen an der Front, was seine Popularität enorm steigerte.

Im Herbst 1918 nahm die belgische Armee an der alliierten Großoffensive teil, die schließlich zum Waffenstillstand führte. Bei den Friedensverhandlungen in Versailles wurde Belgien aufgrund der erlittenen Zerstörungen und der systematischen Demontage seiner Industrie durch die deutsche Besatzungsmacht prioritär bei den Reparationszahlungen berücksichtigt.

Die Dokumentation der belgischen Militaria aus dieser Zeit ist erstaunlich lückenhaft geblieben. Über ein Jahrhundert verstreut finden sich lediglich einzelne Artikel und Broschüren zu diesem Thema. Das Königliche Museum der Streitkräfte und der Militärgeschichte in Brüssel beherbergt die umfangreichste Sammlung belgischer Militaria aus dem Ersten Weltkrieg, ergänzt durch wichtige Privatsammlungen. Die Objekte aus dieser Zeit sind heute selten, da die heterogene Herkunft der Ausrüstung und die Kriegsumstände dazu führten, dass viele Gegenstände nicht systematisch bewahrt wurden. Besonders die aus verschiedenen Ländern gelieferten Ausrüstungsgegenstände sind heute gesuchte Sammlerstücke, die die internationale Dimension des belgischen Kriegseinsatzes dokumentieren.

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