III. Reich - Das Deutsche Reiter-Abzeichen Klasse 3 in Bronze - Urkundenheft

für ein Fräulein,- eine Schülerin, verliehen am 3. April 1934;, mit Foto anbei, gebrauchter Zustand.
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III. Reich - Das Deutsche Reiter-Abzeichen Klasse 3 in Bronze - Urkundenheft

Das Deutsche Reiter-Abzeichen (DRA) stellte eine bedeutende sportliche Auszeichnung im Dritten Reich dar, die sowohl militärischen als auch zivilen Reitern verliehen wurde. Das vorliegende Dokument, ein Urkundenheft für das Reiter-Abzeichen der Klasse 3 in Bronze, verliehen am 3. April 1934 an ein Fräulein, eine Schülerin, bietet einen faszinierenden Einblick in die frühe Phase der nationalsozialistischen Sportpolitik und die Förderung des Reitsports in Deutschland.

Das Deutsche Reiter-Abzeichen wurde durch einen Erlass des Reichswehrministers am 26. Oktober 1933 eingeführt, nur wenige Monate nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Die Einführung erfolgte im Rahmen der systematischen Reorganisation des deutschen Sportwesens und der Militarisierung der Gesellschaft. Das Abzeichen sollte die reiterlichen Fähigkeiten der deutschen Bevölkerung fördern und dokumentieren, was im Kontext der militärischen Aufrüstung und Vorbereitung von besonderer Bedeutung war.

Das Abzeichen wurde in drei Klassen verliehen: Klasse 1 in Gold, Klasse 2 in Silber und Klasse 3 in Bronze. Die Bronzeklasse stellte die Einstiegsstufe dar und erforderte den Nachweis grundlegender reiterlicher Fertigkeiten. Die Prüfungsanforderungen umfassten typischerweise einen Geschicklichkeitsritt, einen Geländeritt sowie theoretische Kenntnisse über Pferdepflege, Reitlehre und grundlegende veterinärmedizinische Aspekte.

Besonders bemerkenswert an diesem Exemplar ist die Verleihung an ein Fräulein, also eine unverheiratete junge Frau, zudem eine Schülerin. Dies dokumentiert, dass das Deutsche Reiter-Abzeichen ausdrücklich auch an weibliche Bewerber vergeben wurde. In den 1930er Jahren war der Reitsport einer der wenigen sportlichen Bereiche, in denen Frauen relativ gleichberechtigt mit Männern teilnehmen konnten, wenngleich dies oft auf bestimmte soziale Schichten beschränkt blieb. Der Reitsport galt als standesgemäße Betätigung für Angehörige des Bürgertums und des Adels.

Das Verleihungsdatum 3. April 1934 fällt in die frühe Konsolidierungsphase des NS-Regimes. In dieser Zeit wurden zahlreiche traditionelle Sportverbände gleichgeschaltet und in die nationalsozialistischen Organisationsstrukturen eingegliedert. Der Deutsche Reichsbund für Leibesübungen (DRL) wurde zur zentralen Organisation für den deutschen Sport, und reiterliche Aktivitäten wurden unter der Aufsicht verschiedener NS-Organisationen koordiniert.

Das Urkundenheft selbst war ein offizielles Dokument, das die erfolgreiche Ablegung der Prüfung bescheinigte und Details über den Träger sowie die Prüfungsleistungen enthielt. Solche Hefte wurden sorgfältig aufbewahrt und bei Bedarf als Nachweis der reiterlichen Qualifikation vorgelegt. Die Beifügung eines Fotos war üblich und diente der eindeutigen Identifikation des Inhabers.

Das physische Abzeichen selbst bestand aus einem bronzenen Anstecker mit charakteristischem Design, das typischerweise ein stilisiertes Hufeisen oder reiterliche Motive zeigte. Es wurde an der Zivilkleidung oder Sportbekleidung getragen und demonstrierte die sportliche Leistung des Trägers. Die Herstellung erfolgte durch verschiedene autorisierte Hersteller, wobei die Qualität und Ausführung variieren konnte.

Im breiteren historischen Kontext war die Förderung des Reitsports Teil der nationalsozialistischen Wehrertüchtigung. Obwohl die Kavallerie bereits in den 1930er Jahren militärisch an Bedeutung verlor, wurden reiterliche Fähigkeiten weiterhin als wertvoll für die militärische Ausbildung und die Charakterbildung angesehen. Das Deutsche Reiter-Abzeichen trug dazu bei, einen Pool ausgebildeter Reiter zu schaffen, der im Bedarfsfall für militärische Zwecke mobilisiert werden konnte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Deutsche Reiter-Abzeichen in seiner NS-Form abgeschafft. In der Bundesrepublik Deutschland wurde 1951 das Deutsche Reitabzeichen als Nachfolgeauszeichnung eingeführt, das bis heute existiert und ebenfalls in verschiedenen Leistungsklassen vergeben wird. Das moderne Reitabzeichen unterscheidet sich jedoch grundlegend in seiner Zielsetzung und ist rein sportlich ausgerichtet, ohne militärische oder ideologische Konnotationen.

Dokumente wie das vorliegende Urkundenheft sind heute wichtige historische Quellen, die Einblick in die Alltagsgeschichte des Dritten Reiches geben. Sie dokumentieren nicht nur sportliche Leistungen, sondern auch die Durchdringung aller Lebensbereiche durch nationalsozialistische Organisationsstrukturen und Symbolik. Für Sammler und Historiker bieten solche Objekte wertvolle Informationen über die soziale Realität der 1930er Jahre und die Rolle von Sport und Körperkultur in der NS-Ideologie.