Reichskolonialbund ( RKB ) - Amtsträgerabzeichen in Silber

an langer Nadel, Hersteller : HFB GES.GESCH., Zustand 2.
488115
150,00

Reichskolonialbund ( RKB ) - Amtsträgerabzeichen in Silber

Das Reichskolonialbund (RKB) Amtsträgerabzeichen in Silber ist ein bedeutendes Zeugnis der deutschen Kolonialgeschichte und der nationalsozialistischen Organisationsstruktur. Dieses Abzeichen wurde an Funktionsträger des Reichskolonialbundes verliehen, einer Organisation, die 1936 gegründet wurde und die kolonialen Bestrebungen des Deutschen Reiches repräsentierte.

Der Reichskolonialbund entstand am 8. Juni 1936 durch die Zusammenführung verschiedener kolonialer Vereine und Organisationen unter der Leitung von Franz Ritter von Epp, einem ehemaligen Kolonialoffizier und späteren Reichsleiter für Kolonialfragen. Die Organisation hatte das erklärte Ziel, die Erinnerung an die deutschen Kolonien wachzuhalten und die Forderung nach der Rückgabe der nach dem Ersten Weltkrieg verlorenen Kolonialgebiete zu unterstützen.

Das vorliegende Abzeichen wurde vom Hersteller HFB GES.GESCH. (Hersteller Firma Berlin, Gesetzlich Geschützt) gefertigt, einem der mehreren autorisierten Hersteller solcher Auszeichnungen während der NS-Zeit. Die Kennzeichnung “GES.GESCH.” weist auf den gesetzlichen Schutz des Designs hin, was bei offiziellen Partei- und Organisationsabzeichen üblich war.

Die silberne Ausführung des Amtsträgerabzeichens war für Funktionäre mittlerer Ebene vorgesehen. Es gab verschiedene Versionen dieser Abzeichen, wobei die hierarchische Stellung des Trägers oft durch das verwendete Material gekennzeichnet wurde. Das Abzeichen wurde an einer langen Nadel getragen, was typisch für Ansteckabzeichen dieser Periode war und das Befestigen an der Uniform oder Zivilkleidung ermöglichte.

Die Gestaltung solcher Abzeichen folgte den strengen Richtlinien der nationalsozialistischen Symbolik. Der Reichskolonialbund verwendete in seiner Ikonographie häufig Elemente, die auf die deutsche Kolonialvergangenheit Bezug nahmen, darunter stilisierte afrikanische Motive und koloniale Symbole. Die Mitgliedschaft im RKB erreichte bis 1939 etwa 2 Millionen Menschen, was die Popularität kolonialer Ideen in der deutschen Bevölkerung jener Zeit widerspiegelt.

Nach dem Versailler Vertrag von 1919 hatte Deutschland alle seine Kolonien verloren, darunter Deutsch-Südwestafrika, Deutsch-Ostafrika, Kamerun, Togo und die pazifischen Besitzungen. Der Reichskolonialbund spielte eine wichtige Rolle in der Propaganda, die die Rückgewinnung dieser Gebiete forderte, obwohl konkrete politische Schritte in diese Richtung begrenzt blieben.

Die Organisation war in verschiedene Ämter und Abteilungen gegliedert, und Amtsträger trugen ihre Abzeichen als Zeichen ihrer offiziellen Funktion. Diese Funktionäre organisierten Vorträge, Ausstellungen und Publikationen, die die deutsche Kolonialgeschichte glorifizierten und für koloniale Ansprüche warben. Der RKB unterhielt auch Kontakte zu ehemaligen Kolonisten und deren Nachkommen.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges verloren koloniale Fragen zunehmend an Bedeutung, da die militärischen Prioritäten des Regimes anderswo lagen. Der Reichskolonialbund blieb jedoch bis 1943 bestehen, als er offiziell aufgelöst wurde. Die Produktion von Abzeichen und anderen Insignien wurde während des Krieges zunehmend eingeschränkt, da Metalle für die Rüstungsproduktion benötigt wurden.

Heute sind solche Abzeichen wichtige historische Artefakte, die Einblick in die organisatorische Struktur und die ideologischen Bestrebungen des nationalsozialistischen Deutschlands geben. Sie dokumentieren die Kontinuität kolonialer Ambitionen auch nach dem Verlust der tatsächlichen Kolonialgebiete und zeigen, wie diese Ideen in die nationalsozialistische Weltanschauung integriert wurden.

Für Sammler und Historiker bieten diese Objekte wertvolle Informationen über Herstellungstechniken, Materialkunde und die komplexe Hierarchie der NS-Organisationen. Die Herstellermarkierung ermöglicht oft eine präzise Datierung und Zuordnung der Stücke, was ihre wissenschaftliche Bedeutung erhöht.