Das Mitgliedsabzeichen des Reichskolonialbundes (RKB)
Das hier vorliegende Objekt ist ein Mitgliedsabzeichen des Reichskolonialbundes (RKB), das nachträglich als Hutabzeichen adaptiert wurde, wobei die ursprüngliche lange Nadel entfernt wurde. Die Herstellermarkierung “RN GES.GESCH.” auf der Rückseite weist auf einen offiziell lizenzierten Hersteller hin, wobei die Abkürzung GES.GESCH. für “Gesetzlich Geschützt” steht und den markenrechtlichen Schutz des Designs dokumentiert.
Die Organisation: Der Reichskolonialbund
Der Reichskolonialbund wurde 1936 von Heinrich Schnee, dem ehemaligen Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, gegründet und von Franz Ritter von Epp, einem ehemaligen Generalleutnant und prominenten Nationalsozialisten, geführt. Die Organisation hatte ihren Hauptsitz in Berlin und fungierte als Dachverband, der sämtliche deutschen Kolonialorganisationen während des Dritten Reiches in sich aufnahm. Ihr erklärtes Ziel war die Rückgewinnung der überseeischen Kolonien, die Deutschland infolge des Versailler Vertrages nach dem Ende des Ersten Weltkrieges verloren hatte. Zu diesen Gebieten zählten die afrikanischen Kolonien Deutsch-Südwestafrika, Deutsch-Ostafrika, Kamerun und Togo sowie die pazifischen Territorien einschließlich Deutsch-Neuguinea und Samoa.
Der RKB wurde in die Parteistruktur der NSDAP eingegliedert und war mit deren außenpolitischen Zielen abgestimmt. Die Organisation betrieb aktive Propaganda durch Zeitungen, Zeitschriften, Kolonialausstellungen und Kundgebungen unter dem Motto “Deutschland braucht Kolonien”. Sie verfügte über eine eigene Jugendorganisation, die Kolonialjugend, die in die Hitlerjugend integriert war. Zudem existierte eine RKB-Frauenschaft, über die auch Frauen der Organisation beitreten konnten. Der RKB hielt zwei Parlamentssitzungen ab: im Mai 1938 in Bremen und im Mai 1939 in Wien.
Mitgliedschaft und Wachstum
Die Mitgliedschaft im RKB stand verschiedenen Personengruppen offen: Kolonialveteranen, die in den ehemaligen deutschen Kolonien gedient hatten, ehemalige Kolonialbeamte und deren Unterstützer sowie alle deutschen Bürger, die die Sache der kolonialen Rückgewinnung unterstützten. Bis 1942 waren etwa 12.000 ehemalige Kolonialkämpfer über den Deutschen Kolonialkrieger-Bund angeschlossen. Auch Polizeiangehörige, die gleichzeitig RKB-Mitglieder waren, durften die Insignien tragen. Der RKB wuchs von ungefähr 50.000 Mitgliedern in den Vorgängerorganisationen auf über eine Million Mitglieder bis April 1939 und erreichte bis 1941 etwa zwei Millionen Mitglieder.
Das Abzeichen: Gestaltung und Varianten
Das Mitgliedsabzeichen hat die Form eines Schildes, dessen Design auf der Flagge der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft basiert. Es zeigt ein schwarzes Kreuz auf weißem Grund mit einem Hakenkreuz im Zentrum. Im oberen roten Viertel (Kanton) befinden sich fünf weiße Sterne, die das Kreuz des Südens (Sternbild) darstellen. Die Abzeichen wurden typischerweise aus Tombak (einer Messinglegierung) oder Bronze gefertigt, teilweise versilbert oder mit farbiger Emaillierung in Schwarz, Weiß und Rot versehen. Die Maße betragen ungefähr 20–21 mm × 13–15 mm.
Es existierten zwei Hauptvarianten: Das Standard-Mitgliedsabzeichen in Schildform ohne Adler, getragen von regulären Mitgliedern, sowie das Amtsträgerabzeichen, das dasselbe Schilddesign mit einem aufgesetzten Adler zeigte und den Funktionären vorbehalten war. Die Abzeichen wurden von mehreren autorisierten Herstellern mit verschiedenen Herstellermarken produziert, darunter die Kennzeichnungen “S”, “B”, “RN” sowie RZM-Nummern wie M1/7 des Herstellers Herman Schänzlin. Mitglieder mussten die Abzeichen von autorisierten Herstellern kaufen, wobei die Verkaufserlöse teilweise die Propagandaarbeit der Organisation finanzierten.
Verwendung und Bedeutung
Das Abzeichen wurde von Mitgliedern des RKB getragen, um ihre Zugehörigkeit und Unterstützung für die kolonialen Bestrebungen sichtbar zu dokumentieren. Ursprünglich mit einer vertikalen Nadel zur Befestigung an Zivilkleidung versehen, wurde das vorliegende Exemplar nachträglich als Hutabzeichen umfunktioniert – die lange Nadel wurde entfernt. Das Tragen des Mitgliedsabzeichens war an die aktive Mitgliedschaft im RKB gebunden.
Auflösung und Nachgeschichte
Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges schwand der Einfluss des RKB, da die nationalsozialistische Priorität sich auf den Lebensraum im Osten verlagerte statt auf die Rückgewinnung überseeischer Kolonien. Die endgültige Auflösung erfolgte im Februar 1943, kurz nach der deutschen Niederlage bei Stalingrad (2. Februar 1943) und unmittelbar vor Joseph Goebbels’ Proklamation des “Totalen Krieges” (18. Februar 1943). Martin Bormann, Leiter der Parteikanzlei der NSDAP, verfügte die Auflösung im Auftrag Adolf Hitlers und begründete sie damit, dass die Tätigkeit des RKB als “kriegsunwichtige Tätigkeit” einzustufen sei, die Aufmerksamkeit und Ressourcen vom Kriegseinsatz ablenke. Die Vermögenswerte der Organisation wurden an die NSDAP übertragen.
Nach 1945 wurde der Reichskolonialbund zusammen mit allen anderen nationalsozialistischen Organisationen aufgelöst. Heute sind RKB-Mitgliedsabzeichen wie das vorliegende Exemplar Objekte der historischen Forschung und militärhistorischer Sammlungen, die einen spezifischen Aspekt der nationalsozialistischen Ideologie und der deutschen Kolonialgeschichte dokumentieren.