Saargebiet - Westmark - Westmark-Trutzbund " Zurück zum Reich "

Mitgliedsabzeichen, an Nadel, Hersteller : Redo Saarlouis GES.GESCH., Zustand 2.
352315
200,00

Saargebiet - Westmark - Westmark-Trutzbund " Zurück zum Reich "

Das Mitgliedsabzeichen des Westmark-Trutzbundes mit der Losung “Zurück zum Reich” stellt ein bedeutendes Zeugnis der komplexen politischen Geschichte des Saargebiets in der Zwischenkriegszeit dar. Dieses von der Firma Redo Saarlouis hergestellte Abzeichen dokumentiert die intensive Kampagne für die Rückgliederung des Saarlandes an Deutschland.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Saargebiet gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrags von 1919 vom Deutschen Reich getrennt und unter die Verwaltung des Völkerbunds gestellt. Artikel 45-50 des Vertrags regelten den Status des etwa 2.000 Quadratkilometer großen Gebiets mit seinen bedeutenden Kohlevorkommen. Die wirtschaftliche Ausbeutung der Saargruben wurde Frankreich für 15 Jahre zugesprochen, als Kompensation für die Zerstörung französischer Kohlegruben während des Krieges.

In dieser Übergangszeit entwickelte sich eine starke politische Bewegung für die Wiedervereinigung mit Deutschland. Der Westmark-Trutzbund, dessen Mitgliedsabzeichen hier vorliegt, war eine der zahlreichen Organisationen, die sich für die “Heimkehr” des Saargebiets einsetzten. Der Begriff “Westmark” bezog sich auf die westlichen Grenzgebiete des Deutschen Reichs und wurde besonders in nationalistischen Kreisen verwendet, um die Zugehörigkeit dieser Regionen zum deutschen Kulturraum zu betonen.

Der Versailler Vertrag sah vor, dass nach 15 Jahren, also 1935, eine Volksabstimmung über die zukünftige staatliche Zugehörigkeit des Saargebiets stattfinden sollte. Drei Optionen standen zur Wahl: die Eingliederung in das Deutsche Reich, die Angliederung an Frankreich oder die Beibehaltung des Status quo unter Völkerbundsverwaltung. Diese Abstimmung wurde zum Fokus intensiver politischer Kampagnen.

Organisationen wie der Westmark-Trutzbund spielten eine wichtige Rolle in der Mobilisierung der saarländischen Bevölkerung. Das Wort “Trutzbund” selbst verweist auf den wehrhaften, verteidigenden Charakter der Organisation. Solche Vereinigungen organisierten Veranstaltungen, verbreiteten Propaganda und stärkten das Zusammengehörigkeitsgefühl unter ihren Mitgliedern. Die Mitgliedsabzeichen dienten dabei nicht nur der Identifikation, sondern auch als öffentliches Bekenntnis zur deutschen Gesinnung.

Die Herstellung durch Redo Saarlouis, einen lokalen Hersteller mit geschützter Marke (GES.GESCH.), unterstreicht die regionale Verankerung dieser Bewegung. Saarlouis selbst, eine nach Ludwig XIV. benannte ehemalige Festungsstadt, hatte eine komplexe deutsch-französische Geschichte und war ein Zentrum der pro-deutschen Aktivitäten.

Die Saarabstimmung am 13. Januar 1935 brachte ein überwältigendes Ergebnis: Über 90 Prozent der Bevölkerung stimmten für die Rückkehr zum Deutschen Reich, nur etwa 0,4 Prozent für Frankreich und knapp 9 Prozent für die Beibehaltung des Status quo. Dieses Resultat wurde international als Ausdruck des Selbstbestimmungsrechts der Völker anerkannt, obwohl es in einem Klima intensiver nationalistischer Propaganda unter der bereits etablierten NS-Herrschaft in Deutschland stattfand.

Am 1. März 1935 erfolgte die offizielle Rückgliederung des Saargebiets an das Deutsche Reich. Die Region wurde zunächst als “Saarland” bezeichnet, später im NS-Regime als Teil des Gaus Westmark administrativ erfasst. Der Gauleiter Josef Bürckel, der bereits die Abstimmungskampagne geleitet hatte, wurde zum Reichskommissar für die Rückgliederung ernannt.

Abzeichen wie das vorliegende dokumentieren diese historische Phase aus mehreren Perspektiven. Sie zeigen die Organisationsstrukturen der Abstimmungskampagne, die Bedeutung regionaler Identität und die Mobilisierung der Zivilbevölkerung für politische Ziele. Die handwerkliche Qualität und die Tatsache, dass ein geschütztes Herstellerzeichen verwendet wurde, weisen auf die professionelle Organisation und Finanzierung dieser Bewegungen hin.

Aus heutiger historischer Sicht müssen solche Objekte differenziert betrachtet werden. Sie repräsentieren einerseits das legitime Streben einer Bevölkerung nach Selbstbestimmung und die starke kulturelle Bindung an Deutschland. Andererseits standen sie im Kontext des aufkommenden Nationalsozialismus, der diese regionalen Bewegungen für seine Zwecke instrumentalisierte. Die Rückgliederung 1935 wurde vom NS-Regime als großer propagandistischer Erfolg gefeiert und zur Legitimierung seiner revisionistischen Außenpolitik genutzt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte eine erneute komplizierte Phase: Das Saarland wurde wieder von Deutschland getrennt, wirtschaftlich an Frankreich angeschlossen und erhielt einen autonomen Status. Erst nach einer weiteren Volksabstimmung 1955 und der politischen Eingliederung am 1. Januar 1957 wurde das Saarland endgültig ein Bundesland der Bundesrepublik Deutschland.

Solche historischen Abzeichen sind heute wichtige Sammlerstücke und Forschungsobjekte, die Einblick in die politische Kultur, Propaganda und Alltagsgeschichte einer turbulenten Epoche geben.