Vaterländischer Frauenverein vom Roten Kreuz ( VFV )
Das Kriegsdienstabzeichen 1914 in Silber des Vaterländischen Frauenvereins vom Roten Kreuz stellt ein bedeutendes Zeugnis der humanitären Anstrengungen deutscher Frauen während des Ersten Weltkrieges dar. Dieses Ehrenzeichen wurde Frauen verliehen, die sich im Dienste der Kranken- und Verwundetenpflege besonders verdient gemacht hatten.
Der Vaterländische Frauenverein vom Roten Kreuz (VFV) wurde bereits 1866 in Preußen gegründet und entwickelte sich zu einer der wichtigsten Hilfsorganisationen des Deutschen Roten Kreuzes. Unter der Schirmherrschaft der preußischen Königin und späteren deutschen Kaiserin war der Verein maßgeblich an der Organisation der freiwilligen Krankenpflege beteiligt. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges im August 1914 verfügte der VFV über ein gut organisiertes Netzwerk von ausgebildeten Krankenschwestern und freiwilligen Helferinnen.
Das Kriegsdienstabzeichen 1914 wurde durch Allerhöchste Kabinetts-Ordre vom 20. März 1915 gestiftet und konnte in drei Stufen verliehen werden: in Bronze, Silber und Gold. Die silberne Ausführung, wie das hier beschriebene Exemplar, wurde für besondere Verdienste im Kriegsdienst vergeben und stellte die mittlere Stufe dieser Auszeichnung dar. Die Vergabekriterien forderten nachweisbare und außergewöhnliche Leistungen in der Pflege verwundeter Soldaten, in Lazaretten oder im Sanitätsdienst.
Das Abzeichen zeigt typischerweise das Rote Kreuz als zentrales Motiv, umgeben von patriotischen Symbolen des Kaiserreichs. Der Hersteller A. Stübbe aus Berlin-C (Berlin-Mitte) gehörte zu den renommierten Ordensfabriken der Reichshauptstadt, die mit der Produktion offizieller militärischer Auszeichnungen betraut waren. Die Firma Stübbe war bekannt für die qualitativ hochwertige Ausführung ihrer Orden und Ehrenzeichen, die den strengen Anforderungen der militärischen Regulierungen entsprechen mussten.
Die Verleihung erfolgte durch die jeweiligen Landesverbände des Vaterländischen Frauenvereins nach Prüfung der Dienstleistungen. Während des Ersten Weltkrieges waren zehntausende Frauen in der Verwundetenpflege tätig, und das Kriegsdienstabzeichen wurde zu einem wichtigen Symbol ihrer Aufopferung und ihres Patriotismus. Die Trägerinnen stammten aus allen gesellschaftlichen Schichten, von Adligen bis zu bürgerlichen Freiwilligen.
Die Trageweise des Abzeichens erfolgte an einer Nadel auf der linken Brustseite der Uniform oder der zivilen Kleidung. Dies unterschied es von anderen Auszeichnungen, die an Bändern getragen wurden. Die direkte Befestigung mittels Nadel war charakteristisch für viele Ehrenzeichen von Hilfsorganisationen und betonte den zivilen Charakter der Auszeichnung, obwohl sie für Kriegsdienste verliehen wurde.
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Zusammenbruch des Kaiserreichs 1918 verloren diese Auszeichnungen ihre offizielle Bedeutung, blieben aber für die Trägerinnen persönliche Erinnerungsstücke an ihre Dienstzeit. In der Weimarer Republik durfte das Abzeichen weiterhin getragen werden. Der Vaterländische Frauenverein selbst wurde in der Zwischenkriegszeit reorganisiert und später im Zweiten Weltkrieg erneut mobilisiert.
Heute sind diese Kriegsdienstabzeichen wichtige militärhistorische Sammlerstücke, die an die Rolle der Frauen im Ersten Weltkrieg erinnern. Sie dokumentieren die Mobilisierung der Heimatfront und die Bedeutung der zivilen Unterstützung für die militärischen Anstrengungen des Kaiserreichs. Die Erhaltung und wissenschaftliche Dokumentation solcher Objekte trägt zum Verständnis der Sozial- und Geschlechtergeschichte dieser Epoche bei.