Württemberg Paar Epauletten für einen Generalmajor zur Disposition

um 1870. Schwere Ausführung. Silberne Felder, die umlaufende Trese mit schwarz/roten Durchzügen für Offiziere z.D., silberne Halbmonde, starre silberne Kantillen mit unterseitiger schwarzer Verstärkung sowie rotes Futter. Komplett im original Karton, innen mit grüner Seide ausgeschlagen. Getragen, Zustand 2. Selten.
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1.600,00

Württemberg Paar Epauletten für einen Generalmajor zur Disposition

Die vorliegenden Epauletten eines Generalmajors zur Disposition des Königreichs Württemberg aus der Zeit um 1870 stellen ein bemerkenswertes Beispiel der militärischen Rangabzeichen des deutschen Südweststaates dar. Sie verkörpern nicht nur die komplexe Hierarchie der württembergischen Armee, sondern auch die besondere Kategorie der Offiziere zur Disposition (z.D.), die einen ehrenvollen, aber nicht mehr aktiven Dienststatus innehatten.

Das Königreich Württemberg verfügte im 19. Jahrhundert über eine eigenständige Armee mit etwa 14.000 Mann im Frieden und bis zu 50.000 Mann im Kriegsfall. Nach den Ereignissen von 1866 und besonders nach der Reichsgründung 1871 wurde die württembergische Armee zunehmend in die preußisch dominierte Reichsarmee integriert, behielt jedoch bedeutende Eigenständigkeiten in Uniformierung, Rangabzeichen und innerer Struktur bei.

Die Epauletten als Rangabzeichen hatten in der deutschen Militärtradition eine lange Geschichte. Sie dienten zur Kennzeichnung des Offiziersranges und wurden auf beiden Schultern getragen. Die hier vorliegende Ausführung für einen Generalmajor – den niedrigsten Generalsrang – zeichnet sich durch mehrere charakteristische Merkmale aus: Die silbernen Felder und Halbmonde entsprechen der württembergischen Tradition, während die steifen silbernen Kantillen (Fransen) die Generalswürde anzeigen. Die schwarze Verstärkung auf der Unterseite diente der praktischen Stabilisierung dieser schweren Rangabzeichen.

Besonders bemerkenswert ist die schwarz-rote Durchzugstrese, die diese Epauletten als solche für Offiziere zur Disposition kennzeichnet. Dieser Status wurde Offizieren verliehen, die aus verschiedenen Gründen – Alter, Gesundheit, Reorganisation der Truppe oder politische Erwägungen – aus dem aktiven Dienst ausschieden, aber ihre militärischen Ehren und Titel behielten. Die schwarz-roten Farben Württembergs in der Trese markierten diesen besonderen Status deutlich und unterschieden diese Offiziere von ihren aktiv dienenden Kameraden.

Die Datierung “um 1870” ist von besonderer historischer Bedeutung. Diese Periode umfasst den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und die nachfolgende Reichsgründung. Die württembergische Armee nahm aktiv an diesem Konflikt teil und spielte eine wichtige Rolle bei der Belagerung von Paris. Die Neuorganisation der deutschen Streitkräfte nach 1871 führte zu zahlreichen Veränderungen in der Offiziersstruktur, wodurch vermutlich auch mehrere höhere Offiziere zur Disposition gestellt wurden.

Die schwere Ausführung dieser Epauletten weist auf eine qualitativ hochwertige Anfertigung hin, die dem Rang eines Generals angemessen war. Solche Rangabzeichen wurden nicht zentral beschafft, sondern von den Offizieren selbst bei spezialisierten Militäreffektenhändlern erworben. Die Verwendung von echtem Silber und die aufwendige Handarbeit machten solche Stücke zu kostspieligen Investitionen.

Der originale Karton mit grüner Seidenausschlagung ist ein seltener Glücksfall der Erhaltung. Solche Aufbewahrungsboxen wurden von den Herstellern mitgeliefert und dienten dem Schutz der wertvollen Rangabzeichen. Das grüne Seidenfutter war typisch für hochwertige Militaria-Verpackungen des 19. Jahrhunderts. Die vollständige Erhaltung von Epauletten mit ihrer Originalverpackung ist außerordentlich selten, da diese Kartons häufig verloren gingen oder beschädigt wurden.

Die württembergischen Uniformvorschriften waren im Reglement über die Uniformierung der Königlich Württembergischen Armee festgelegt, das mehrfach aktualisiert wurde. Die Unterscheidung zwischen aktiven Offizieren und solchen zur Disposition war in diesen Vorschriften genau geregelt. Generalmajore zur Disposition durften ihre Uniform bei offiziellen Anlässen, Hofveranstaltungen und militärischen Feierlichkeiten tragen, waren aber von aktiven Kommandofunktionen ausgenommen.

Nach der Auflösung der eigenständigen Länderkontingente im Zuge der Weimarer Republik verloren solche spezifisch württembergischen Rangabzeichen ihre praktische Bedeutung. Sie wurden jedoch zu wichtigen historischen Dokumenten, die die föderale Struktur des Deutschen Kaiserreichs und die Vielfalt seiner militärischen Traditionen bezeugen.

Heute sind solche Epauletten von hohem sammlungsgeschichtlichem Wert. Sie dokumentieren nicht nur die Rangstruktur der württembergischen Armee, sondern auch die soziale Stellung des Offizierskorps und die handwerkliche Qualität militärischer Ausstattungsgegenstände im 19. Jahrhundert. Für Militärhistoriker bieten sie wichtige Einblicke in die Distinktionszeichen und die hierarchischen Strukturen der deutschen Einzelstaaten vor der vollständigen Vereinheitlichung im 20. Jahrhundert.

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