Unter den militärischen Auszeichnungen des Zweiten Weltkriegs nimmt das Deutsche Kreuz in Gold mit Brillanten eine einzigartige Stellung ein: Es handelt sich um eine Dekoration, die zwar in Auftrag gegeben und hergestellt, jedoch niemals formell gestiftet oder verliehen wurde. Die zwanzig jemals gefertigten Exemplare stellen damit eine der seltensten und historisch faszinierendsten Orden des nationalsozialistischen Deutschlands dar.
Die Stiftung des Deutschen Kreuzes
Das Deutsche Kreuz wurde am 28. September 1941 von Adolf Hitler als Kriegsorden in zwei Stufen gestiftet: in Gold für wiederholte außergewöhnliche Tapferkeit oder herausragende Verdienste in der Truppenführung, sowie in Silber für hervorragende nichtkämpferische Kriegsverdienste. Der Orden erfüllte das Bedürfnis nach einer höherrangigen Kriegsauszeichnung, da im Verlauf des Zweiten Weltkriegs eine wachsende Zahl von Soldaten die beiden Klassen des Eisernen Kreuzes oder des Kriegsverdienstkreuzes erhalten hatte, ohne jedoch die Voraussetzungen für das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes oder das Ritterkreuz des Kriegsverdienstkreuzes mit Schwertern zu erfüllen. Das Deutsche Kreuz sollte somit rangmäßig zwischen dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes und dem Eichenlaub zum Ritterkreuz angesiedelt werden.
Die Entstehung der Brillantstufe
Nach der Einführung des Deutschen Kreuzes in Silber und Gold am 28. September 1941 erschien es aufgrund der zunehmenden Härte des Krieges notwendig, eine weitere höhere Stufe des Deutschen Kreuzes zu schaffen. Im Sommer 1942 wurde die Ordenskanzlei der Präsidialkanzlei mit der Beschaffung von 20 Deutschen Kreuzen in Gold mit Brillanten beauftragt. Diese wurden von der Münchner Firma P. Rath, einem renommierten Hofjuwelier, hergestellt und zum Preis von 2.800 Reichsmark pro Stück an die Präsidialkanzlei geliefert. Die Auszeichnung war für bewährte Einzelkämpfer vorgesehen, und die Beliehenen sollten eine besondere Verleihungsurkunde ähnlich den Ritterkreuz-Mappen erhalten. Auf Befehl Hitlers erfolgten jedoch keine Verleihungen, da die Brillanten ausschließlich dem Ritterkreuz vorbehalten bleiben sollten. Es kam zu keiner formellen Stiftung, und alle zwanzig Exemplare verblieben unverliehen.
Physische Beschreibung
Das Deutsche Kreuz in Gold mit Brillanten besteht aus einem achtstrahligen dunkelgrauen Stern mit silberner Umrandung und einem Durchmesser von 65 mm. In der Mitte befindet sich ein stilisierter Lorbeerkranz in Gold, am unteren Rand mit der Jahreszahl 1941 graviert, der ein schwarzes, silberumrandetes Hakenkreuz auf mattem Silbergrund umschließt. Bei der Brillantstufe ist der aufgelegte Lorbeerkranz aus Gold gefertigt und mit 105 Diamanten besetzt, zumeist im Altschliff-Brillanten (8/8 Schliff). Der Grundkörper besteht aus Silber, das Hakenkreuz ist schwarz emailliert. Die Rückseite weist sechs aufgelötete Hohlnieten auf, und auf der Nadel befindet sich die Herstellerbezeichnung „RATH MÜNCHEN“.
Das vorliegende Exemplar ist komplett im originalen Verleihungsetui aus rotem Maroquinleder erhalten. Der Deckel trägt einen goldgeprägten Hoheitsadler. Die Innenkanten und Ränder sind mit gestrichelter Handvergoldung versehen. Im Inneren befinden sich eine Samteinlage sowie ein Futter aus weißer Kunstseide mit der Herstellerbezeichnung „RATH – MÜNCHEN“. Im Boden des Etuis findet sich ebenfalls die Herstellerbezeichnung „RATH“ in Goldprägung.
Kriegsende und Verbleib
Bei Kriegsende befanden sich sämtliche zwanzig Exemplare im Schloss Kleßheim bei Salzburg, dem letzten Sitz der Präsidialkanzlei, wo die Bestände der Ordenskanzlei ausgelagert worden waren. Im April 1945 wurde das Schloss von US-amerikanischen Truppen besetzt, und die dort gelagerten Ordensbestände wurden geplündert. Von den ursprünglich zwanzig Kreuzen befinden sich heute drei im West Point Museum der United States Military Academy in West Point, New York, wo sie jedoch nicht öffentlich ausgestellt sind. Weitere etwa zwölf Exemplare sollen sich in Sammlerhänden befinden, vorwiegend in den USA.
Sammlerwert und Bedeutung
Am 16. Dezember 2006 kam ein Originalexemplar bei einem deutschen Auktionshaus zur Versteigerung und wurde von einem unbekannten Bieter für 60.000 Euro erworben. Dieser Preis unterstreicht die außerordentliche Seltenheit und den historischen Stellenwert dieser Auszeichnung. Zum Vergleich: Vom regulären Deutschen Kreuz in Gold (ohne Brillanten) wurden rund 26.000 Stück verliehen, vom Deutschen Kreuz in Silber etwa 2.500 Stück.
Das Deutsche Kreuz in Gold mit Brillanten verkörpert eine bemerkenswerte historische Anomalie – ein vollständig hergestellter, aber nie verliehener Kriegsorden, der die zunehmende Eskalation des Auszeichnungswesens im Dritten Reich widerspiegelt und zugleich die Grenzen aufzeigt, die selbst innerhalb dieses Systems bestanden. Jedes der wenigen erhaltenen Exemplare ist ein Zeugnis einer nicht vollendeten Ordensgeschichte und zählt zu den begehrtesten Sammlerstücken der Militaria des Zweiten Weltkriegs.