Hamburg Banner der "Landsmannschaft der Sachsen zu Hamburg, Altona und Umgebung"

Das Banner aus grünem Stoff, randlich zwei silberne Kordeln, die Linke leicht gelöst, am unteren Ende silberne Fransen und drei silberne Troddeln, das Bannertuch mit mehrfarbigen metallfadenen Stickereien, oben links das gekrönte Chiffre "A" (für König Albert) und das gekrönte Chiffre "G" (für König Georg). Im Zentrum das gekrönte sächsische Wappen, flankiert von zwei Löwen mit dem Motto "Providentiae Memor", die Aufschrift "Gegr. 1899 - Landsmannschaft der Sachsen zu Hamburg, Altona und Umgebung- Bannerweihe 8. Nov. 1903". Die Kronen mit Pailletten und Schmucksteinen verziert, teils lose oder fehlend. Die Rückseite aus weißer Seide, grün aufgestickt "Glück auf ihr Sachsenbrüder", randlich die Namen einiger sächsischer Städte, die Seide leiht verschlissen. Komplett mit der hölzernen Aufhängevorrichtung. Zustand insgesamt gut. Zustand 2.


Bei der "Landsmannschaft der Sachsen zu Hamburg, Altona und Umgebung" handelte es sich um einen Vereinigung sächsischer Studenten, die sich in der "Fremde" zusammengeschlossen haben. Es dürfte sich bei dem Banner um ein Unikat handeln.

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Hamburg Banner der "Landsmannschaft der Sachsen zu Hamburg, Altona und Umgebung"

Das Banner der Landsmannschaft der Sachsen zu Hamburg, Altona und Umgebung repräsentiert eine bedeutende kulturelle und soziale Tradition des deutschen Vereinswesens um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Diese aufwendig gestaltete Vereinsfahne, geweiht am 8. November 1903, verkörpert die Identität und den Zusammenhalt sächsischer Studenten und Akademiker, die fern ihrer Heimat in der Hansestadt Hamburg eine neue Heimat gefunden hatten.

Die Landsmannschaften des deutschen Kaiserreichs waren studentische Korporationen, die ihre Mitglieder nach regionaler Herkunft organisierten. Im Gegensatz zu den schlagenden Verbindungen pflegten Landsmannschaften in der Regel eine gemäßigtere Tradition und legten besonderen Wert auf die Pflege der Heimatkultur und gegenseitige Unterstützung. Die Gründung der sächsischen Landsmannschaft in Hamburg im Jahre 1899 fiel in eine Zeit intensiver Binnenmigration im Deutschen Reich, als viele junge Menschen aus wirtschaftlichen und bildungspolitischen Gründen ihre Heimatregionen verließen.

Das Banner selbst folgt den klassischen Gestaltungsprinzipien repräsentativer Vereinsfahnen der Kaiserzeit. Die Verwendung von grünem Stoff als Grundfarbe sowie die aufwendigen Metallfadenstickereien zeugen von der hohen handwerklichen Qualität, die bei solchen Prunkstücken üblich war. Die silbernen Kordeln, Fransen und Troddeln entsprachen den ästhetischen Konventionen der Zeit und verliehen dem Banner einen würdevollen, offiziellen Charakter.

Besonders bemerkenswert ist die ikonographische Gestaltung der Vorderseite. Die Chiffren der sächsischen Könige Albert (regierte 1873-1902) und Georg (regierte 1902-1904) dokumentieren die Loyalität der Vereinigung zum sächsischen Königshaus. Das zentrale gekrönte sächsische Wappen, flankiert von zwei Löwen, symbolisiert die ungebrochene Verbundenheit mit der Heimat. Das Motto “Providentiae Memor” (Eingedenk der Vorsehung) war das Wahlspruch des sächsischen Königshauses und unterstrich die monarchistische Gesinnung der Vereinigung.

Die Rückseite des Banners trägt den charakteristischen Gruß “Glück auf ihr Sachsenbrüder”, der traditionell mit dem sächsischen Bergbau verbunden ist. Die Nennung sächsischer Städte am Rand verdeutlicht die geografische Vielfalt der Herkunftsorte der Mitglieder und betont die verbindende Kraft der gemeinsamen regionalen Identität.

Die Bannerweihe war im Vereinsleben des Kaiserreichs ein bedeutendes Ereignis, vergleichbar mit der Fahnenweihe militärischer Einheiten. Solche Zeremonien wurden mit großem Aufwand begangen und dienten der Selbstvergewisserung der Gemeinschaft. Die Weihe eines Banners markierte oft einen Höhepunkt in der Entwicklung eines Vereins und symbolisierte dessen Etablierung und gesellschaftliche Anerkennung.

Die Dekoration mit Pailletten und Schmucksteinen an den Kronen war typisch für die prunkvolle Ausstattung repräsentativer Vereinsinsignien dieser Epoche. Diese aufwendige Verzierung sollte den Stolz und die Würde der Vereinigung zum Ausdruck bringen und bei öffentlichen Auftritten Eindruck machen.

Im historischen Kontext reflektiert dieses Banner mehrere wichtige Entwicklungen der wilhelminischen Ära: die Bedeutung regionaler Identitäten innerhalb des geeinten Deutschen Reichs, die Rolle studentischer Korporationen als soziale Netzwerke, und die enge Verbindung zwischen bürgerlichen Vereinigungen und monarchischer Staatsform. Nach dem Ende der Monarchie 1918 und besonders nach 1945 verloren solche Symbole ihre ursprüngliche politische Bedeutung, bleiben aber wichtige Zeugnisse der Sozial- und Kulturgeschichte des deutschen Bürgertums.

Als materielles Kulturerbe dokumentiert dieses Banner die Handwerkskunst der Fahnen- und Bannerstickerei, eine heute nahezu ausgestorbene Spezialdisziplin. Die Erhaltung solcher Objekte ist von großer kulturhistorischer Bedeutung, da sie authentische Einblicke in die Selbstdarstellung und Wertewelt bürgerlicher Vereinigungen der Kaiserzeit ermöglichen.