III. Reich Reichsbund Deutscher Kleingärtner - Reichsfachgruppe Reisebrieftaubenwesen e.V. : Auszeichnungsmedaille "Für hervorragende Flugleistung 1937"

Feinzink, Zustand 2.
479016
100,00

III. Reich Reichsbund Deutscher Kleingärtner - Reichsfachgruppe Reisebrieftaubenwesen e.V. : Auszeichnungsmedaille "Für hervorragende Flugleistung 1937"

Reichsbund Deutscher Kleingärtner - Auszeichnungsmedaille für hervorragende Flugleistung 1937

Die vorliegende Auszeichnungsmedaille repräsentiert einen bemerkenswerten Aspekt der organisierten Freizeitgestaltung im Dritten Reich: die Brieftaubenzucht und den Brieftaubensport. Diese Medaille wurde von der Reichsfachgruppe Reisebrieftaubenwesen e.V., einer Unterorganisation des Reichsbundes Deutscher Kleingärtner, für hervorragende Flugleistungen im Jahr 1937 verliehen.

Der Reichsbund Deutscher Kleingärtner wurde nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 als zentrale Organisation zur Gleichschaltung der deutschen Kleingärtnervereine gegründet. Im Rahmen der NS-Organisationspolitik wurden zahlreiche zuvor eigenständige Vereine und Verbände in Reichsorganisationen überführt und ideologisch ausgerichtet. Der Reichsbund vereinte dabei nicht nur Kleingärtner im engeren Sinne, sondern auch verwandte Interessengruppen, darunter die Brieftaubenzüchter.

Die Brieftaubenzucht hatte in Deutschland eine lange Tradition, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreichte. Bereits im Ersten Weltkrieg hatten Brieftauben eine wichtige militärische Rolle als Nachrichtenübermittler gespielt. Diese strategische Bedeutung führte dazu, dass die Nationalsozialisten dem Brieftaubenwesen besondere Aufmerksamkeit schenkten. Die Reichsfachgruppe Reisebrieftaubenwesen organisierte und kontrollierte alle Aktivitäten der Brieftaubenzüchter im Reich und stellte sicher, dass diese im Sinne der wehrsportlichen Ertüchtigung und potenziellen militärischen Nutzung ausgerichtet waren.

Das Jahr 1937 markiert eine Phase der intensiven Aufrüstung und Vorbereitung auf den kommenden Krieg. In diesem Kontext erhielt die Brieftaubenzucht verstärkt paramilitärische Bedeutung. Die Wehrmacht erkannte den Wert gut ausgebildeter Brieftauben für die militärische Kommunikation, insbesondere in Situationen, in denen moderne Nachrichtenmittel versagen könnten. Züchter, deren Tauben hervorragende Flugleistungen erbrachten, trugen somit indirekt zur Wehrkraft bei.

Die Auszeichnung “Für hervorragende Flugleistung” wurde an Züchter verliehen, deren Tauben bei offiziellen Wettflügen außergewöhnliche Leistungen in Bezug auf Geschwindigkeit, Orientierungsvermögen und Zuverlässigkeit zeigten. Diese Wettflüge waren streng organisiert und reglementiert. Die Tauben wurden an einem festgelegten Startort freigelassen und mussten über Distanzen von oft mehreren hundert Kilometern zu ihrem Heimatschlag zurückfinden. Die Zeitmessung erfolgte präzise, und nur die besten Leistungen wurden ausgezeichnet.

Die vorliegende Medaille wurde aus Feinzink gefertigt, einem Material, das in der NS-Zeit häufig für Auszeichnungen und Abzeichen verwendet wurde. Feinzink war kostengünstig in der Herstellung und ließ sich gut bearbeiten, was die Massenproduktion von Auszeichnungen ermöglichte. Gleichzeitig konnte es durch verschiedene Oberflächenbehandlungen ein edles Erscheinungsbild erhalten. Die Verwendung dieses Materials spiegelt die wirtschaftliche Situation des Dritten Reiches wider, in der wertvolle Metalle wie Silber und Bronze zunehmend für die Rüstungsproduktion reserviert wurden.

Die Gestaltung solcher Medaillen folgte typischerweise den ästhetischen Konventionen der NS-Zeit. Häufig fanden sich Symbole wie Hakenkreuze, Eichenlaub, germanische Runen oder stilisierte Darstellungen von Brieftauben. Die Inschriften waren in der charakteristischen Frakturschrift oder in klaren, monumentalen Lettern ausgeführt, die die Ideologie von Stärke und Entschlossenheit vermitteln sollten.

Der organisatorische Rahmen des Brieftaubenwesens im Dritten Reich war straff hierarchisch strukturiert. Lokale Vereine waren in Bezirks- und Gauverbände eingegliedert, die wiederum der Reichsfachgruppe unterstanden. Diese Organisation ermöglichte eine effektive Kontrolle und Mobilisierung der Züchter und ihrer Tauben im Kriegsfall. Tatsächlich wurden im Zweiten Weltkrieg zahlreiche Brieftauben für militärische Zwecke eingesetzt, insbesondere bei der Wehrmacht und der Luftwaffe.

Die Verleihung solcher Auszeichnungen diente mehreren Zwecken: Sie motivierte die Züchter zu höheren Leistungen, stärkte die Bindung an die NS-Organisationen und schuf ein System von Anerkennung und Prestige innerhalb der Gemeinschaft. Gleichzeitig dokumentierten sie die Leistungsfähigkeit der deutschen Brieftaubenzucht, die international einen ausgezeichneten Ruf genoss.

Aus heutiger historischer Perspektive sind solche Auszeichnungen wichtige Zeugnisse der umfassenden Durchdringung und Instrumentalisierung des zivilen Lebens durch das NS-Regime. Selbst scheinbar unpolitische Hobbys wie die Brieftaubenzucht wurden in den Dienst der nationalsozialistischen Ideologie und Kriegsvorbereitung gestellt. Die Medaille steht exemplarisch für die Gleichschaltungspolitik, die alle Bereiche der Gesellschaft erfasste und in das totalitäre System einband.

Heute sind solche Objekte bedeutende Sammlerstücke und Studienobjekte für Historiker, die sich mit der Alltagsgeschichte des Dritten Reiches befassen. Sie helfen dabei, ein differenziertes Bild der NS-Zeit zu zeichnen, das über die großen politischen und militärischen Ereignisse hinausgeht und die vielfältigen Formen der gesellschaftlichen Organisation und Kontrolle beleuchtet.