NSKK - nichttragbare Teilnehmerplakette - " 1. Berglandfahrt d. Ostmark ST.A.C. ST.A.M.K. gewertet "
Die vorliegende NSKK-Teilnehmerplakette zur 1. Berglandfahrt der Ostmark repräsentiert ein faszinierendes Zeugnis der motorsportlichen Aktivitäten des Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps (NSKK) nach dem "Anschluss" Österreichs im März 1938. Diese nichttragbare Plakette dokumentiert die Integration der österreichischen Automobilclubs ST.A.C. (Steirischer Automobil-Club) und ST.A.M.K. (Steiermärkischer Automobil- und Motorrad-Klub) in die nationalsozialistische Organisationsstruktur.
Das NSKK wurde am 1. Mai 1931 als motorisierte Formation der SA gegründet und entwickelte sich zu einer bedeutenden NS-Organisation mit über 500.000 Mitgliedern. Nach der Machtübernahme 1933 übernahm das NSKK zunehmend Aufgaben in der wehrsportlichen Ausbildung, Verkehrserziehung und Organisation von Motorsportveranstaltungen. Der Korpsführer Adolf Hühnlein führte die Organisation bis zu seinem Tod 1942 und prägte deren Ausrichtung maßgeblich.
Die Bezeichnung "Ostmark" wurde unmittelbar nach dem Anschluss als offizielle Bezeichnung für das ehemalige Österreich eingeführt und blieb bis 1942 in Verwendung. Die Durchführung einer Berglandfahrt in diesem Kontext diente mehreren Zwecken: Sie demonstrierte die sportliche Integration der österreichischen Kraftfahrer, förderte die motorische Ausbildung und stellte eine propagandistische Veranstaltung zur Festigung der neuen politischen Ordnung dar.
Berglandfahrten waren anspruchsvolle Zuverlässigkeitsfahrten durch alpines Gelände, die sowohl fahrerisches Können als auch die technische Zuverlässigkeit der Fahrzeuge auf die Probe stellten. Die Wertung durch ST.A.C. und ST.A.M.K. zeigt, dass die etablierten österreichischen Automobilclubs zunächst in die Durchführung eingebunden wurden, bevor sie vollständig in die NSKK-Struktur integriert wurden. Diese Übergangsphase war charakteristisch für die schrittweise Gleichschaltung österreichischer Institutionen.
Die Herstellung durch Schwertner & Cie in Eggenberg (heute ein Stadtteil von Graz) weist auf einen regionalen Hersteller hin, der mit der Produktion von Auszeichnungen, Abzeichen und Plaketten betraut war. Die Verwendung von vergoldetem Buntmetall mit Emaillierung entsprach den damaligen Standards für hochwertige Teilnehmerplaketten. Die Montage auf einer größeren Metallplatte deutet darauf hin, dass diese Plakette als Wandschmuck oder zur Präsentation in einer Vitrine gedacht war.
Nichttragbare Plaketten dieser Art wurden typischerweise an Teilnehmer von Motorsportveranstaltungen ausgegeben und dienten als Erinnerungsstück sowie als Nachweis der Teilnahme an einer gewerteten Veranstaltung. Im Gegensatz zu tragbaren Auszeichnungen, die an der Uniform befestigt wurden, waren diese größeren Plaketten für die private Sammlung oder Ausstellung bestimmt.
Die motorsportlichen Aktivitäten des NSKK umfassten neben Berglandfahrten auch Orientierungsfahrten, Geschicklichkeitsprüfungen und Langstreckenfahrten. Diese Veranstaltungen dienten der wehrsportlichen Ertüchtigung und sollten einen Pool ausgebildeter Kraftfahrer für militärische Zwecke schaffen. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden viele NSKK-Mitglieder als Kraftfahrer in der Wehrmacht eingesetzt.
Die historische Einordnung solcher Objekte erfordert eine differenzierte Betrachtung: Sie sind Zeugnisse einer Organisation, die integraler Bestandteil des nationalsozialistischen Herrschaftssystems war. Gleichzeitig dokumentieren sie die Geschichte des Motorsports, die technische Entwicklung des Kraftfahrwesens und regionale Besonderheiten der österreichischen Geschichte in der NS-Zeit. Für die wissenschaftliche Forschung sind solche Objekte wichtige Quellen zur Erforschung von Alltagskultur, Organisationsstrukturen und der Integration eroberter oder angeschlossener Gebiete in das NS-System.
Die Erhaltung und museale Präsentation derartiger Objekte dient der historischen Aufklärung und Bildung, wobei stets der kritische Kontext und die verbrecherische Natur des NS-Regimes vermittelt werden müssen.